Trotz massiver Kritik Altstadt: Geplanter Umbau der Alten Akademie schreitet voran

Nur noch vier Meter breite Arkaden, dafür mehr Ladenfläche – das sind die Pläne des Investors, denen die Stadtratsmehrheit nachgegeben hat. Foto: iko

Trotz massiver Kritik und Bedenken winken CSU und SPD den Umbau der Alten Akademie ein Stück weiter durch.

 

Altstadt - Wolfgang Neumer (CSU), Chef des Bezirksausschusses (BA) Altstadt-Lehel, erschien gestern in der Früh eigens zur Sitzung des Planungsausschusses, um die Stellungnahme des Stadtteilgremiums persönlich vorzutragen und ihm so mehr Nachdruck zu verleihen. Es geht an diesem Morgen um die Alte Akademie und die geplanten Umbauten des Investors, der Signa-Gruppe von Immobilien-Riese René Benko. Hier sollen Einzelhandel, Büros, Gastronomie und – vermutlich teure – Wohnungen entstehen. Für diesen sollte der Billigungsbeschluss gefällt werden, der nächste Schritt in Richtung Bebauungsplan.

Gegen den Umbau gibt es seit geraumer Zeit massive Bedenken, so auch vom BA. Der fordert unter anderem, die Arkaden an der Kapellenstraße zu erhalten und jene an der Neuhauser Straße weniger stark zu verschmälern, heißt es in dessen Stellungnahme. Die Entscheidung der Stadtratsmehrheit vom Januar 2018 weiche massiv von früheren Eckdatenbeschlüssen und Richtlinien ab. Damals hatte die Rathaus-Groko mit ihrer Mehrheit nach langer Diskussion und gegen die Argumente und Überzeugungen vieler, die Umbau-Pläne durchgewunken.

Streit um die Arkaden an der alten Akademie

Als enorm weitreichendes und millionenschweres Zugeständnis an den Investor wurde das damals bezeichnet, als verhängnisvoller Präzedenzfall und als stadtgestalterischer Fehler.

Daran hat sich auch im vergangenen Jahr nichts geändert und so wird die Diskussion noch einmal zusammengefasst. Der teils ziemlich emotionale Streit, dreht sich vor allem um die besagten Arkaden. Laut den Plänen sollen sie an der Neuhauser Straße von den jetzigen 8,30 Metern zunächst auf 5,40 Meter verschmälert werden, in einer späteren Überarbeitung war man plötzlich bei nur noch vier Meter Tiefe. Die Arkaden an der Kapellenstraße sollen ganz verschwinden, die Durchgangsmöglichkeit am Kopfbau geschlossen werden.

"Wir haben keinen Grund von den Leitlinien zum Erhalt der Altstadt abzuweichen, außer dass der Investor das will", kritisiert so auch Linken-Stadträtin Brigitte Wolf. Kommerz statt öffentlicher Raum für die Bürger, das sei die falsche Antwort auf die Frage, wem die Stadt gehöre. Denn: Signa will den so abgezweigten Platz für zusätzliche Verkaufsflächen nutzen.

Anträge auf Beschneidungen von Arkaden-Flächen

Auch Grünen-Stadtrat Herbert Danner ärgert das seit jeher: Das weitere Zugeständnis bei den Arkaden sei "ein extrem tiefer Kotau gegenüber dem Investor von der Groko. Und natürlich ein Präzedenzfall". Bisher seien Anträge auf Beschneidungen von Arkaden-Flächen immer abgelehnt worden, so Danner.

Selbst FDP-Chef Michael Mattar, der es begrüßt, dass der Gebäudekomplex nun durch Läden für die Öffentlichkeit zugänglicher wird als je zuvor, teilt diese Einschätzung: Die Arkaden in der Neuhauser Straße seien von hohem Wert, die 5,80 Meter bereits ein Zugeständnis gewesen. Die jetzigen Pläne seien zu viel, sagt er. Nur SPD-Stadtrat Christian Müller versucht, die Gegenposition zu erklären. Die Umbauten seien vertretbar. Das Gebäude sei in der ursprünglichen historischen Substanz ohnehin nicht mehr erhalten, die Arkaden vor allem in der Kapellenstraße würden ohnehin nicht so genutzt, wie man es sich vielleicht wünschen würde.

Es geht um die Auffassung von Architektur und Raum

Selbst Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos), deren Referat den Beschluss erarbeitet und vorgelegt hat, ist alles andere als überzeugt, doch "wenn der Stadtrat eine Mehrheit gebildet hat, respektiere ich die", sagt sie. Um zu erläutern, was ihrer Einschätzung nach am Thema besonders wichtig ist, tritt sie sogar ans Rednerpult, was sie sonst selten tut. Die Bedeutung der Arkaden könne man sicherlich unterschiedlich einschätzen, so Merk, jedoch gehe es im Grunde nicht um die Quadratmeter, sondern um die Auffassung von Architektur und Raum.

"Wir diskutieren die autofreie Altstadt und die Erweiterung der Fußgängerzone", so Merk. So läge es nahe, auch die Kapellenstraße anders zu gestalten. Eine Erweiterung der Fußgängerzone auch hier zur Maxburgstraße hin, könne die Situation rundherum grundlegend verändern.

Der einzige Punkt, den scheinbar alle gutheißen, ist die geplante Öffnung des Schmuckhofes, der bisher nicht zugänglich war. Das sind immerhin 1.000 Quadratmeter neuer Raum für die Öffentlichkeit. Am Ende wurde der Billigungsbeschluss wieder mit der Mehrheit der Rathaus-Grokogefasst. Gegen die Stimmen von Grünen, FDP und Linke.

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