Triumphator Löwenbräukeller: Frotzeln ohne Fonsi

Aufgspuit is: Die Swingboarischen beim Starkbieranstich im Löwenbräukeller mit Christian Springer. Foto: API/Viviane Simon

Beim Starkbieranstich im Löwenbräukeller tritt Christian Springer zum ersten Mal nicht als Kassenwart auf. In der Rede schießt er gegen Stadt und Freistaat.

 

München - "Herzlich willkommen im Löwenbräukeller, im neuen Konzertsaal von München“, begrüßt ein gut gelaunter Christian Springer das Publikum beim Starkbieranstich.

Da ist schon klar: Spitzen kann der Kabarettist immer noch gut – obwohl er die Wärterkappe und Aktenkoffer dieses Jahr daheim gelassen hat. Ein Empörter ist er geblieben, auch wenn er in diesem Jahr zum ersten mal nicht als seine Figur Fonsi auftritt. „Ich brauche den Fonsi nicht mehr“, sagt Springer – auch wenn manche den schlauen Kassenwart von Neuschwanstein wohl vermissen werden. Sollte Springer es tun, lässt er es zumindest nicht anmerken: Als er selbst frotzelt er beim Triumphatoranstich ordentlich gegen Stadtpolitk, bayerischer Politprominenz und manchmal auch die Garde der internationalen Politik. Auch wenn so mancher Witz vielleicht nicht ganz so spritzig ist wie in den Jahren zuvor im Kostüm des Kassenwarts. Neben der Rede ohne Uniform ist dieses Jahr noch etwas anders in der Starkbierzeit: Der Anstich im Löwenbräu das stadtpolitische und ur-bayerische Kontrastprogramm zum großen Derblecken am Nockherberg findet heuer nicht vor, sondern nach der Veranstaltung bei Paulaner statt.

Grund dafür ist Singspiel-Regisseur Marcus H. Rosenmüller: Der muss großes Filmprojekt über die Torwartlegende Bert Trautmann vorbereiten. Der Starkbieranstich am Nockherberg wurde deshalb um ca. eine Woche nach vorne verschoben – und damit vor den Anstich im Löwenbräukeller. Christian Springer scheint das bei seinem Auftritt nicht zu stören, ebensowenig wie die fehlende Wärterkappe.

Die AZ zeigt hier die Höhepunkte seiner Rede.

Zum Konzertsaal
Wenn Sie in Zukunft im Stachus-Untergeschoß jemand stehen sehen, mit so einem Körberl in der Hand: Das sind nicht die Zeugen Jehovas, das ist die Netrebko, die gibt a Verdi-Konzert.

Der Seehofer hängt am Gasteig, weil er sagt: Das ist der abhörsicherste Raum Bayerns. Da ist die S-Bahn so laut, da tät’ nicht mal die NSA was mitkriegen. Unser Kultusminister Ludwig Spaenle ist auch dagegen. Dabei müssen’s ihm nur sagen: „Wenn Sie einen neuen Konzertsaal errichten, können’s dort sofort wieder Ihre Frau für 600 000 Euro anstellen.“ Der tät’ morgen mit dem Bauen anfangen.

Muss man heutzutage mitten in der Stadt, letztlich für a paar wenige – für 130 Millionen – einen Neubau hinstellen? Ich mein jetzt nicht den Konzertsaal, sondern den Neubau vom Erzbischöflichen Ordinariat.

Dieter Reiter
Herr Reiter, warum tun Sie sich mit dem Seehofer zam? Bloß weil Sie jetzt mit’m Seppi Schmid im Rathaus a Rockband aufmachen, heißt das nicht, dass Sie mit jedem zamspielen sollen. Das Münchner Rathaus ist kein Übungsraum.

G8
Wie heißt dieses neue Schulkonzept in Bayern: das neue G8? G4 plus eins minus drei plus H2O. Das heißt, wir machen wieder das gleiche wie vor 35 Jahr’, nur das Pausenbrot kommt von McDonalds.

Aschermittwoch der CSU
Unter 3000 CSUlern finden’s keinen, der an Dampf neibringt. Da müssen’s an pensionierten Ministerpräsidenten von seinem Rollwagerl wegziehen, den schon vor 10 Jahren der Problembär g’fressen hätt, wenn er nicht mit „glodernder Lut“ in zehn Minuten vom Hauptbahnhof nach Brüssel wegkommen wär’. Das ist so, als täten die 60er zum Elfmeterschießen an Radi Radenkovic einwechseln.

Wohnungstausch
In München gibt’s Rentner, die sagen: Ich bin 83 Jahre alt, ich brauche keine vier Zimmer mehr. Und als es dann soweit is’, sagen’s: Ich bleib drin! Weil ihnen plötzlich 1200 Euro für eineinhalb Zimmer zu teuer sind. Wie lang lasst sich die Stadt München diesen Terror durch die Mieter noch gefallen?!

Der Stadtrat
Liebe Münchner Stadträte, treffen Sie sich halt amal. Ich meine nicht Stadtrats-Sitzungen, sondern Sitzungen, wo was dabei rauskommt.

Städtische Computer
Computer-System der Stadt München hat große Vorteile. Also für die Stadträte. Die sind oft tagelang nicht erreichbar.

Kreative Maut-Pläne
Wie macht man Geld? Zum Beispiel mit „Fifty shades of Grey“. Da tut sich ein riesen Geschäft auf. Machen’s einfach die Münchner Tunnel hinten und vorn zu. Sagen’s, das ist jetzt a Dark Room. Und verlangen’s 300 Euro Eintritt. So viel verdient der Alexander Dobrindt in die nächsten 100 Jahr ja nicht mit seiner Maut.

Ukraine-Konflikt
Uns geht es grad wirklich gut. Der Dax ist auf einem Jahreshoch. Wegen der Ukraine. Er hat ja a bissl geschwächelt, als letzte Woche grad der Waffenstillstand ausgehandelt war. Da ham die an der Wall Street auch gsagt: „Ja spinnen denn die in Minsk: Waffenruhe?! Da hauts uns ja die ganze Börse zam.“ Aber als dann wieder g’schossen worden ist, ist er wieder ‘nauf, wie a Raket’n, der Dax!

 

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