Trainerposten Löwen: Warten auf den Weihnachtsmann

Sven-Göran Eriksson (mittlere Reihe, zweiter von rechts) war am Freitag in der Allianz Arena. Ebenfalls auf der Tribüne (von li.): Hamada Iraki, Ismaiks Bruder Yahya Abdullah und dessen Cousin Noah Bashar. Foto: M.I.S.

Eriksson, Vogel oder Funkel? - Trotz der Verpflichtung von Alexander Schmidt sondiert 1860 weiter den Trainermarkt. Die AZ macht den Check. 

 

München - Klar, es musste schnell gehen. Eiligst wurde nach der Beförderung von Alex Schmidt zum 1860-Cheftrainer dessen Gehalt erhöht, doch als Sportchef Florian Hinterbeger am Sonntag gefragt wurde, wie lange der Vertrag des 44-Jährigen noch laufe, musste er passen. „Das weiß ich nicht so genau”, sagte er. Geschäftsführer Robert Schäfer klärte auf: bis 2015.

Es ist Schmidt zu wünschen, dass er seinen Kontrakt erfüllen darf. Doch in welcher Funktion? Zwar gab sich Schäfer alle Mühe, Schmidt als Ideallösung für längere Zeit zu verkaufen, doch Hinterberger wirkte zögerlicher. „Im Winter machen wir eine Bestandsaufnahme”, sagte er. Das klang ehrlicher als die Aussage von Schäfer, dass Schmidt an Weihnachten noch mehr Lob einheimsen würde und sich womöglich dann über eine weitere Gehaltserhöhung freuen dürfe.

Denn nach AZ-Informationen sollen nicht alle aus dem Führungszirkel um Hinterberger, Schäfer, Präsident Dieter Schneider und Investorenberater Hamada Iraki restlos überzeugt sein, dass Schmidt das Ruder wirklich herumreißen kann. Sogar Schäfer soll sich dem Vernehmen nach zumindest intern auch skeptisch gezeigt haben. Darum wird man weiter die Augen offen halten und den Trainermarkt sondiereren – und in der Winterpause doch aktiv werden? Wer der Weihnachtsmann bei 1860 werden könnte:

SVEN-GÖRAN ERIKSSON: Dass der 64-jährige „Trainer von Weltrang” (Schäfer) sich am Freitag in der Allianz Arena live das Löwen-Elend angesehen hat, war mehr als nur Zufall. Zwar betonten Schäfer und Hinterberger, dass Eriksson nur zu Besuch gewesen sei. Zudem könne man sich den früheren englischen Nationalcoach gar nicht leisten. Aber: Erikssons Anwesenheit kann auch als Gruß aus Abu Dhabi verstanden werden. Sollte Investor Hasan Ismaik ihn aus seiner Privatschatulle bezahlen, könnte Eriksson, ein erklärter München-Fan, den man vor allem nach Champions-League-Auftritten der Bayern im Schumann's treffen kann, plötzlich doch finanzierbar sein. Eriksson hat das Kunststück geschafft, mit verschiedenen Klubs in Schweden, Italien und Portugal Meister und Pokalsieger zu werden. Göteborg und Lazio Rom führte er sogar zu Europapokalsiegen. Doch das ist lange her. In den letzten Jahren machte Eriksson eher Schlagzeilen mit seinem Privatleben las durch seine Arbeit als Nationaltrainer Englands, Mexikos und Nigerias. Sein Spitzname seit 2004: Der geile Sven. Zuletzt war er sogar zwei Monate in Thailand beschäftigt. Ein größeres Problem dürfte sein, dass der polyglotte Eriksson in der Schule zwar Deutsch gelernt haben soll, doch das ist einige Jahrzehnte her.

CHRISTIAN GROSS: Der Schweizer, ehemals Seriensieger mit dem FC Basel und beim VfB Stuttgart kurzzeitig erfolgreich, soll sich selbst bei 1860 angeboten haben. Er gilt als Schleifer, der von demokratischen Strukturen innerhalb einer Fußballmannschaft nicht viel hält. Die Löwen sollen ihm bereits abgesagt haben.

HEIKO VOGEL: Ein lustiger Vogel sei er, sagt Vogel über Vogel. Der Rotschopf ist ein Typ wie Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel, ein Kumpeltyp mit großem Fußballsachverstand und einer klaren Idee von Fußball. Bei Bayern trainierte er in der Jugend unter anderem Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller oder Holger Badstuber. Dabei war Bayern damals gar nicht seine erste Wahl gewesen. Eigentlich hatte Vogel sich erst beim TSV 1860 als Jugendtrainer beworben. Mangels Erfahrung soll der damalige Präsident Karl-Heinz Wildmoser aber den damaligen Sportstudenten Vogel wieder nach Hause geschickt haben. In Basel erarbeitete Vogel sich mit seinem kontrolliertem Offensivstil und seiner charismatischen Art allergrößten Respekt – auch bei deutschen Sportjournalisten. Vor einem Monat wurde Vogel aber in Basel entlassen. Große Schuld an der sportlichen Krise trägt er aber nach Einschätzung der meisten Experten nicht - der FCB verkaufte in Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka vor der Saison schließlich die größten Stars. Dem Vernehmen nach sollen schon erste Sondierungsgespräche zwischen 1860 und Vogel stattgefunden haben, der mit seiner Familie am Tegernsee lebt. Er wäre die charmanteste Lösung, sollte Schmidt scheitern.

LOTHAR MATTHÄUS: Der einstige Weltfußballer ist immer noch beleidigt, dass Ex-Sportchef Miki Stevic ihm einst erst den Trainerposten bei 1860 versprochen haben soll und dann doch Ewald Lienen holte. „Ich gehe davon aus, ab dem 1. Januar wieder als Trainer zu arbeiten”, sagte Matthäus nun. Wohl aber nicht bei 1860. Er wäre den Fans wegen seiner Bayern-Vergangenheit wohl kaum zu vermitteln.

FRIEDHELM FUNKEL: Der 58-Jährige gilt als akribischer, seriöser Arbeiter. Er weiß, wie man aufsteigt, führte unter anderem Uerdingen, Köln, Duisburg und Frankfurt in die Bundesliga. Doch bei Hertha BSC scheiterte er 2010 auch und vor allem am nervösen Klub-Umfeld und der Hauptstadtpresse. Ob er das in München besser hinkriegen würde? 

 

12 Kommentare