Trainerfrage beim FC Bayern Spieler sprechen sich für Heynckes-Verbleib aus

Trainer Jupp Heynckes im Trainingslager des FC Bayern in Doha, Katar. Foto: AP Photo

Die Zukunft von Trainer Jupp Heynckes beim FC Bayern ist weiter offen. Die Spieler sprechen sich aber geschlossen für eine Weiterbeschäftigung des 67-Jährigen aus.

 

Doha - Das Votum ist eindeutig. Geht es nach den Stars des FC Bayern, bleibt Jupp Heynckes über das Saisonende hinaus Trainer beim deutschen Rekordmeister.

Noch ist alles offen, erst im März soll es eine Entscheidung geben. Unruhe befürchtet deswegen niemand beim souveränen Herbstmeister, doch das Thema ist auch im Trainingslager der Münchner in Katar allgegenwärtig.

Dass es seine letzten Monate als Trainer sein könnten, ist Heynckes zumindest nicht anzumerken. Im Gegenteil, der 67-Jährige wirkt bei den Einheiten in der Aspire Academy in Doha besonders engagiert. Mit seiner rot-blauen Baseball-Kappe als Sonnenschutz auf dem Kopf sieht er ohnehin nicht aus wie einer, der bald in Rente gehen könnte.

Heynckes mache einen "sehr lebendigen Eindruck. Er gibt viele Anweisungen. Er lebt uns die Einstellung vor", stellte Nationalspieler Toni Kroos anerkennend fest. Heynckes komme bei der Mannschaft "sehr gut" an: "Er hat uns noch einmal einen Schritt besser gemacht."

Auch Kapitän Philipp Lahm und Superstar Franck Ribery würden es "sehr schade" finden, sollten Heynckes und der FC Bayern nach dieser Saison getrennte Wege gehen. "Er gibt mir viel Vertrauen, er ist locker, lacht viel, arbeitet viel mit uns, Wir sind sehr zufrieden mit ihm", betonte Ribery erneut.

"Dass wir hervorragend mit ihm zusammenarbeiten, weiß jeder. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen", sagte Lahm, dann fügte er an: "Die Entscheidung liegt nicht in unserer Hand." In der Tat.

Die Frage ist: Trauen die Verantwortlichen der Bayern, angeführt von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sport-Vorstand Matthias Sammer, dem bald 68-Jährigen ein weiteres Jahr im Münchner "Stahlbad" zu? Intern soll man sich darüber nicht ganz einig sein.

Möglich ist auch, dass sich Heynckes selbst dem Dauerstress und dem Erfolgsdruck in München nicht mehr aussetzen will. Bis dahin werden die Spekulationen nicht enden – Spekulationen etwa über Pep Guardiola, den erfolgreichen Ex-Trainer des großen FC Barcelona, der sich momentan eine Auszeit vom Fußball nimmt und wiederholt mit den Bayern in Verbindung gebracht wird.

Doch wer sonst außer dem spanischen Startrainer ist auf dem Markt, auf den das Profil passen würde? Dortmunds Trainer Jürgen Klopp (Vertrag bis 2016) oder auch Bundestrainer Joachim Löw (2014) scheiden derzeit aus.

Und ob die Bayern ein Experiment mit einem jungen, aufstrebenden Trainer wie dem Mainzer Thomas Tuchel wagen, ist nach der Erfahrung mit Jürgen Klinsmann fraglich.

Arsène Wenger vom FC Arsenal vielleicht? Oder doch weiter mit Heynckes? Einige Wochen werden die Bayern damit leben müssen, dass das Thema heiß bleibt und noch "ein bisschen Schwebezustand" vorherrscht, wie Heynckes sich ausdrückt. Immerhin scheint seine Vertragsverlängerung nicht am Verhältnis zu Sammer zu scheitern.

Noch vor Wochen hieß es, dass beide auf Dauer nicht miteinander arbeiten könnten. Doch der Trainer und sein Sport-Vorstand haben sich arrangiert. Heynckes hatte zuletzt schon von einem "vertrauensvollen Miteinander" gesprochen. Und Sammer, der jede Einheit in Doha mit Argusaugen verfolgt, lobte Heynckes erst am Wochenende wieder mal in den höchsten Tönen.

"So, wie ich ihn jetzt erlebe, besetzt er mit seiner Persönlichkeit alle Facetten. Er ist ein fantastischer Trainer", sagte Sammer der "Bild am Sonntag". Dennoch sieht Heynckes seine Arbeit nicht ausreichend gewürdigt. Warum sonst hätte er sich im Trainingslager derart in den Vordergrund rücken sollen?

"Der FC Bayern hat in seiner Historie noch nie so einen modernen, attraktiven und zeitgemäßen Fußball gespielt. Ich bin jetzt eineinhalb Jahre hier, man sieht, dass das Früchte trägt. Es gibt in der Liga nicht viele Mannschaften, die so arbeiten wie wir", sagte er, nachdem sein Team eine beeindruckende Hinrunde hingelegt hatte.

Klingt nach einer Bewerbung für ein weiteres Jahr. Seine Aussagen lassen ansonsten aber keine Tendenz erkennen. Der Job sei "wahnsinnig intensiv und nicht immer so einfach". Das koste Substanz, sagt der 67-Jährige, um fast im selben Atemzug zu betonen, dass er nach wie vor "großen Spaß bei der Arbeit" habe.

 

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