Trainer-Frage Suche nach Konstanz – Warten auf Heynckes

Es sieht so aus, als bräuchte Jupp Heynckes nur noch „Ja“ zu sagen - dann würde er zum dritten Mal Trainer des FC Bayern. Dem Routinier wird zugetraut, dem überaus schwierigen und vielschichtigen Anforderungsprofil beim erfolgshungrigen Club gerecht zu werden.

 

München (dpa/lby) – Wie leicht es beim deutschen Rekordmeister sein kann, ließ Karl-Heinz Rummenigge in einer seiner Bankettansprachen der aktuellen Königsklassen-Saison anklingen. „Bei Bayern München ist es immer einfach. Man muss nur gewinnen, dann ist alles in Ordnung“, brachte es der Vorstandschef pragmatisch auf den Punkt. Aber wenn nicht, und das bewiesen vor allem die turbulenten Fußball-Tage der vergangenen Wochen, dann wird bei den Münchnern eben auch schneller ein Schlussstrich gezogen als anderswo.    

Wie bei Louis van Gaal, der bis zum Saisonende das Feld für seinen Nachfolger bestellen soll. Und vieles spricht dafür, dass Jupp Heynckes zum dritten Mal nach 1987 und 2009 das Kommando an der Säbener Straße übernimmt.    

Man werde „zu hundert Prozent im Sommer keine Übergangslösung wählen, sondern einen Trainer, der uns erfolgreich macht“, betonte Sportdirektor Christian Nerlinger, dessen Team am Dienstagabend in der Champions League um den Einzug in das Viertelfinale kämpfte. Nerlingers Aussage deutet darauf hin, dass Heynckes – wenn er denn kommt – wohl einen Vertrag mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr unterschreiben würde.    

Gerade beim FC Bayern, wo eine Hand voll Niederlagen alles infrage stellt. „Bei Bayern kann man natürlich nur mit Erfolgen überleben“, sagte Ottmar Hitzfeld, die letzte Konstante auf der Trainerbank des deutschen Branchenprimus. Titel alleine reichen aber nicht, ein Bayern-Coach muss noch mehr können. Felix Magath scheiterte mit seiner eigenen Art trotz zweier Doubles – und auch die Bilanz von van Gaal mit dem Beinahe-Triple im Vorjahr war imposant.    

Ein Coach des FC Bayern muss auch mit Stars umgehen können, die hochkarätigen Reservisten bei Laune halten, wie es Hitzfeld mit seiner Rotation gelang. Er muss Schwingungen im Umfeld erkennen – und sollte besser nicht mit der meinungsfreudigen Fußball-Macht an der Bayern-Spitze aneinandergeraten, die ein offenes Ohr für ihre Kicker hat. Ein Alpha-Tier wie van Gaal war dagegen auch mal auf Konfrontationskurs mit seinen Chefs gegangen.    

Gentleman Hitzfeld, von 1998 bis 2004 und von 2007 bis 2008 im Amt, vereinte vorzüglich alle Anforderungen des perfekten Bayern-Trainers. Und Grandseigneur Heynckes, der als Erster zum dritten Mal FCB-Coach werden würde, werden diese Fähigkeit auch zugeschrieben. Ein Bayern-Trainer muss es eben schaffen, von den Spielern aufgrund von Auftritt und Autorität geschätzt zu werden.    

Gleichzeitig darf er aber nicht so groß und mächtig sein, dass es Reibereien mit den Bossen gibt. Wie sehr dieser tägliche Spagat an Hitzfeld zehrte, war dem heutigen Schweizer Nationalcoach am Ende seiner ersten Amtszeit deutlich anzusehen. Auch an van Gaal sind die 21 Monate bei den „Roten“ nicht spurlos vorbeigegangen.    

Auf der Zielgeraden seiner Amtszeit lobte der Niederländer Bayern München aber als den „vielleicht bestorganisierten Verein“. Anders als nach dem Experiment mit Jürgen Klinsmann hat die Mannschaft beim nächsten Trainer-Wechsel eine Handschrift. „Ich denke, dass wir speziell letztes Jahr oder teilweise auch in der Saison einen Fußballstil entwickelt haben, der schon sehr gut zu Bayern passt“, sagte Bastian Schweinsteiger und hofft wie Kapitän Philipp Lahm, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt wird. Natürlich sollte das weiterentwickelt werden, meinte der Außenverteidiger. „Es herrschen jetzt wieder Strukturen. Jeder Spieler hat sich taktisch entwickelt.“

 

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