Trainer des FC Bayern Innovator Niko Kovac: Konservativ-Taktik soll Bayern stärken

Im Mittelpunkt: Niko Kovac (Mi.) unter seinen Bayern-Stars. Foto: imago/ActionPictures

Niko Kovac baut die Bayern taktisch dezent, aber wirkungsvoll um. Der Kroate setzt dabei auf ein taktisches Stilmittel, das unter Vor-Vor-Vorgänger Pep Guardiola als veraltet galt und regelrecht verpönt war.

 

München - Niko Kovac lässt beim FC Bayern lange und hart trainieren. In München teils mehr als zwei Stunden, im Trainingslager am Tegernsee waren es bis zu zwei Stunden.

Strikt in der Ansage, und doch beinahe kumpelhaft im Umgang mit seinen Spielern. Kovac stärkt die Bayern aber nicht nur durch eine mutmaßlich bessere Ausdauer und Grundlagenfitness, indem er etwa viele kurze Sprinteinheiten einbaut. Der 46-Jährige schärft insbesondere die Taktik des Rekordmeisters mit dezentem, aber wirkungsvollem Fokus auf bestimmte Elemente. Das Gegenpressing - intensiver und lauffreudiger als zuvor - ist solch ein Thema.

Kovac arbeitet anders als Guardiola und Ancelotti

Und nicht zuletzt die Standards. Jene urtypisch fußballerische Eigenschaft, die unter Vor-Vor-Vorgänger Pep Guardiola regelrecht verpönt war. Diese effektive fußballerische "Waffe", die unter Vor-Vorgänger Carlo Ancelotti offenbar - angeblich wie so vieles - vernachlässigt wurde. Jenes wenig grazile fußballerische Stilmittel, für dessen Forcierung Vorgänger Jupp Heynckes schon immer war.

Kovac trainiert diese Standards häufig, vor allem Flanken aus dem Halbfeld und Eckbälle. Sie waren einst eine gefürchtete Stärke der Münchner, als Stürmer wie Jürgen Klinsmann, Carsten Janker, Giovane Elber, Mario Gomez, Mario Mandzukic und, nicht zu vergessen, ein Vahid Hashemian, im Strafraum das Trikot des Rekordmeisters trugen.

Müller lobt die Standards

Die Spieler kennen ihre Positionen - und können Laufwege zu diesen besser verinnerlichen. "Standards sind im aktuellen Fußball sehr wichtig. Dementsprechend trainieren wir das auch. Wir haben ja auch sehr gute Kopfballspieler in unseren Reihen", sagte Thomas Müller dazu. Ein sehr guter Kopfballspieler ist zum Beispiel Javi Martinez - der Spanier traf im Test gegen Manchester United nach einer Ecke per Kopf zum Siegtreffer.

Die Statistiken belegen Müllers Eindruck. Allein in der Hinrunde der vergangenen Saison fielen 34 Prozent der Tore nach Standards, wie die Bundesliga erklärte. So viele wie noch nie seit Beginn der Datenerfassung. Es war ein Trend, der sich bis zur WM 2018 durchzog. Auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft resultierten bemerkbar viele Treffer aus Standards - zwischenzeitlich bis zu 45 Prozent, wie "Sport1" schreibt. Zum Vergleich: Bei der WM 2014 waren es am Ende nur knapp 25 Prozent gewesen.

Englands Trainer Gareth Southgate etwa erklärte: "Die Standards waren bei den letzten beiden Weltmeisterschaften ein größerer Faktor, als es viele Leute realisiert haben." Kovac ist nicht nur deshalb weniger kreativ als vielmehr pragmatisch. Er führt an diesem Punkt nicht zuletzt die Arbeit von Heynckes fort. Als der mittlerweile Wieder-Fußball-Rentner von Ancelotti übernahm, steigerte er laut Datencenter "Opta" den Anteil der Standardtore rasant auf 30 Prozent. 

Keine Beachtung durch Guardiola

Insbesondere Taktik-Tüftler Guardiola hatte den Standards dagegen im Run nach dominantem Ballbesitz fast keine Beachtung geschenkt. "Bei dieser Option sind wir eine Katastrophe", sagte der Spanier im November 2014. Dieser Eindruck soll unter Kovac nicht im Ansatz entstehen.

Daran lässt der Kroate keinen Zweifel. Und stärkt seine Bayern stattdessen mit dem Uralt-Taktik-Kniff.

Im Video: Kovac lässt die Bayern schuften

 

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