Substanz Mit AC/DC in die Wiesn-Nacht

Nachdem der Stromlinienclub Mitte der Neunziger Jahre geschlossen hatte, übernahm das Substanz die Regie im After-Wiesn-Reigen in der Gegend rund um das KVR. Foto: Gregor Feindt

Oktoberfest auf die alternative Weise: Das Substanz in der Ruppertstraße ist Münchens schillerndstes After-Wiesn-Lokal.

 

Man muss gar nicht erst wissen, dass ein Haxnspreitzer aus einem Päckchen Zucker, Zitronensaft und Wodka besteht, um zu erahnen, dass es hierbei nicht etwa um die Haxn von einem Schwein geht. Aber schließlich waren es ein paar Grundschullehrerinnen, die vor ein Tagen ins Substanz kamen und auf das bis dahin dort unbekannte Getränk beharrten. Und wenn schon unschuldige Grundschullehrerinnen so etwas bestellen, dachte sich Jürgen Franke, dann kann daran eigentlich nichts Schlimmes sein.

Das Substanz in der Ruppertstraße ist vermutlich Münchens ältester After-Wiesn-Club. Schon Mitte der Neunziger Jahre hat Franke beschlossen, das Publikum, das auch nach dem Zapfenstreich in den Bierzelten noch in Feierlaune ist, bei sich aufzunehmen. Der Stromlinienclub gegenüber im Lindwurmhof, der vor ein paar Monaten dort als Strøm seine Wiedergeburt gefeiert hat, hatte da gerade zugemacht. Neben dem Substanz gab es in der Gegend um das Kreisverwaltungsreferat nicht viel. Und auch sonst war die After-Wiesn-Kultur noch nicht so verbreitet wie sie es heute ist.

Damals gingen vor allem die Wiesn-Bedienungen nach Feierabend noch ins Substanz und holten dort nach, was ihnen tagsüber verwehrt geblieben war. Manche spielten auf ihren Luftgitarren zu AC/DC, manche flitzten oben ohne über die Bühne. Es müssen wilde Zeiten gewesen. Am Italiener-Wochenende musste zudem jeder, der ins Substanz reinwollte, ein „O sole mio” schmettern. „Aber das kann man heute nicht mehr machen”, sagt Franke, dafür sei der Andrang schlichtweg zu groß. „Durch das Massenphänomen Wiesn ist die Gemütlichkeit natürlich ein bisschen verloren gegangen.” In die Verlegenheit, „O sole mio” anstimmen zu müssen, kommt man heute also nicht mehr.

Ansonsten ist das Substanz sich aber weitgehend treu geblieben. Zur Wiesn läuft zwar ein bisschen mehr Mainstream, dann schallt auch schon mal „Under The Bridge” von den Red Hot Chili Peppers aus den Boxen.

Aber auf „Fürstenfeld” oder gar den „Anton aus Tirol” wartet man vergebens. Das Substanz bleibt eben auch während des Oktoberfests eine echte Instanz in Münchens alternativer Szene.

Die Musik im Substanz ist zur Wiesn-Zeit nicht zu laut. „Die Leute wollen ja auch noch flirten”, sagt Franke. Und wer sich vor einem Annäherungsversuch noch stärken muss, kann dies im Substanz mit dem Bayern-Burger mit Bratwurst (3,50 Euro) oder einer Currywurst (4,90 Euro) tun. Dazu gibt es ein Tegernseer Hell (3,60 Euro) – und seit Kurzem den Haxnspreitzer (3 Euro). „Mal schauen”, sagt Franke, „vielleicht wird der ja ein Wiesn-Hit


Ruppertstraße 28, Mo. bis So. 20-3 Uhr, www.substanz-club.de, Tel. 721 27 49

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