Kurhaus und Co. Kufflers: Rückzug der Großgastronomie-Familie aus Wiesbaden?

Beeindruckend: Das Kurhaus in Wiesbaden. Foto: Kuffler

Kurhaus, Spielbank: Die Großgastronomie-Familie "zieht in Erwägung", den Standort in Hessen aufzugeben. Was steckt hinter dieser Überraschung?

 

München - Er gilt als Institution in der Gastro-Welt, auch wenn er sich 2016 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat: Roland Kuffler hat Deutschland mit über 40 Restaurants (von kultigen Studentenkneipen bis zu beliebten Traditionsgaststätten) bereichert, die Wiesn mit dem ersten (und bis heute einzigen) Weinzelt revolutioniert.

Kuffler-Familie: Rückzug aus Wiesbaden wegen Corona?

Und doch: Die vergangenen Geschichten, die über "RK", wie ihn Freunde und Mitarbeiter ehrfürchtig nennen, erschienen sind, ließen den Vorzeige-Selfmademann plötzlich nicht mehr so vorbildlich dastehen. Wegen Einladungen und Vergünstigungen für den früheren Wiesbaden-Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) ist ein Ermittlungsverfahren gegen RK eingeleitet worden, das klären soll, ob er sich der Vorteilsnahme oder Korruption schuldig gemacht hat.

Umso überraschender ploppt nun diese Nachricht aus der hessischen Hauptstadt auf: Die Kuffler-Familie (Seehaus, Spatenhaus, Haxnbauer, Mangostin) soll sich aus Wiesbaden zurückziehen. Fakt ist, dass das Kuffler-Unternehmen, das heute von RKs Söhnen Stephan Kuffler und dem neun Jahre jüngeren Sebastian Kuffler als Geschäftsführer geleitet wird, die Gastronomie im pompösen Kurhaus und der Spielbank betreibt, auf Schloss Johannisberg – und die Gastronomie im RheinMain CongressCenter. Alles äußerst lukrativ – bevor Corona kam.

Ermittlungen gegen Roland Kuffler eingestellt

Am vergangenen Freitag hat eine Gesprächsrunde in Wiesbaden mit den Kuffler-Söhnen stattgefunden. An sich ging es um die Folgen durch die Corona-Krise. Doch das Gerücht, die Kufflers würden sich nach 30 Jahren aus Wiesbaden zurückziehen wollen, verbreitete sich via "FAZ" schnell bis in die Münchner Wahl-Heimat der Familie.

Schluss in Wiesbaden? AZ-Nachfrage bei Stephan Kuffler. Der verweist darauf, dass Stillschweigen vereinbart wurde – und auf die Pressemitteilung. In dieser (liegt der AZ vor) heißt es: "Im Rahmen eines Gesprächs zur Bewältigung der auch durch die Corona-Pandemie bedingten Schwierigkeiten der Gastronomie haben Stephan und Sebastian Kuffler erklärt, dass sie die Aufgabe des Standortes Wiesbaden nach 30 Jahren in Erwägung ziehen."

Zusammenhänge zu Roland Kufflers Freundschaft zum ehemaligen Oberbürgermeister sollten diesbezüglich nicht gezogen werden. Dazu heißt es in einer weiteren Erklärung: "Die Ermittlungen gegen Roland Kuffler wurden bereits eingestellt. Es liegt ein betreffender Bescheid der Staatsanwaltschaft München I vor, in dem unter anderem Stephan und Sebastian Kuffler eine freiwillige und überobligatorische Kooperation mit den Strafermittlungsbehörden attestiert wird. Des Weiteren sind alle Vorwürfe unlauterer Geschäftstätigkeit gegen die beiden Herren obsolet und die Staatsanwaltschaft sieht nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit vorliegen."

 

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