Stadtverwaltung München 33.000 Mitarbeiter: Das Rathaus wird immer größer

Das Neue Rathaus am Marienplatz: Auch das ist nicht gerade klein, wobei hier noch die wenigsten Stadtbediensteten arbeiten. Foto: dpa

Bei der Stadt München sind so viele Leute angestellt wie nie. Oberbürgermeister Dieter Reiter würde seine Verwaltung allerdings lieber auf Effizienz trimmen.

München - Erst diese Woche war die Personalpolitik der Stadt mal wieder Thema im Stadtrat. Da ging es um die Übertragung einer Stelle vom Direktorium auf das Umweltreferat – was insofern problematisch war, als das Direktorium zum Amtsantritt von OB Dieter Reiter (SPD) erst vergrößert worden ist. Von einer Stellenausweitung durch die Hintertür, sprach Stadtrat Manuel Pretzl (CSU) deshalb. „Indiskutabel“, schimpfte er. „So können wir Personalpolitik nicht machen.“

Achja, die Personalpolitik. Wenn es um zusätzliche Stellen für die Stadtverwaltung geht, ist das im Stadtrat immer einen kleinen Streit wert. Manchmal berechtigt, weil es wie im genannten Fall tatsächlich schwierig ist, wenn das eine Referat stillschweigend Stellen auf das andere überträgt, dann aber wieder selbst neues Personal fordert. Manchmal aber auch vollkommen zu Unrecht.

Klar ist, dass München unglaublich schnell wächst. Heuer wird die Ankunft des 1,5 Millionsten Einwohners erwartet. Dass da auch die Stadtverwaltung wachsen muss, um ihren Aufgaben nachkommen zu können, ist irgendwie logisch. Die Frage ist nur: Wie schnell und in welchem Umfang muss das passieren?

Da gehen die Meinungen auseinander. Stadtrat Michael Mattar (FDP) zum Beispiel lästert gerne über den „aufgeblähten Wasserkopf“ der Verwaltung. Und auch Oberbürgermeister Reiter macht aus seiner Ansicht keinen Hehl, dass es nicht unbedingt auf Größe ankommt, sondern vor allem auf Effizienz. Von dem großen Wort „Verwaltungsreform“ schreckt Reiter noch zurück, der OB spricht lieber von einer Verwaltungsoptimierung. „Wir müssen auf jeden Fall schauen, dass wir schneller werden“, sagte der OB erst kürzlich bei seiner persönlichen Jahresvorschau.

Im Herbst wurden erste Reformrufe laut

Eine richtige Strategie ist im Rathaus bislang allerdings noch nicht erkennbar. Als es beispielsweise im Herbst um die Nachfolge von Umweltreferent Joachim Lorenz ging, forderten kritische Stimmen, den Zuschnitt der Referate zu überdenken. Der Posten von Lorenz sollte nicht nachbesetzt werden, sondern sein Referat in den anderen aufgehen. Letztlich entschied sich die schwarz-rote Stadtregierung aber recht schnell dafür, vorerst alles beim Alten zu belassen.

Vorerst geht es nun also weiter wie gehabt. In den vergangenen Jahren ist die Stadtverwaltung stets gewachsen, mal um knapp 50 Stellen, mal um über 700. Auch für 2015 sind 824 neue Stellen vorgesehen. 527 davon sind bereits beschlossen, den Rest muss der Stadtrat im laufenden Jahr erst noch genehmigen. Der Stadtrat diskutiert natürlich nicht ohne Grund so intensiv über die kommunale Personaldecke. Für kaum etwas anderes gibt die Stadt so viel Geld aus wie für ihre Angestellten. Heuer werden es voraussichtlich 1,754 Milliarden Euro sein, 42,6 Millionen mehr als vergangenes Jahr.

Die Referate haben sich mit Argumenten gerüstet, um ihren immensen Personalhunger zu rechtfertigen. Die meisten davon leuchten durchaus ein. Das Kulturreferat zum Beispiel braucht unter anderem zusätzliche Leute für die neuen Stadtbibliotheken und das ausgeweitete Programm der Münchner Volkshochschule. „Wenn wir bei zunehmender Bevölkerungszahl unser Angebot nicht erweitern würden“, sagt Referatssprecherin Jennifer Becker, „wäre das ja faktisch ein Rückschritt bei der kulturellen Versorgung“.

Für die Zukunft vorbauen

Die Stadt baut mit ihrer Personalpolitik aber quasi auch für die Zukunft vor. Das Kreisverwaltungsreferat etwa tut sich schon heute schwer, qualifiziertes Personal für die stressige Arbeit in einer Meldebehörde zu finden. Und dieses Problem wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen.

Ein Viertel der Angestellten im Öffentlichen Dienst ist mehr als 55 Jahre alt. Der Deutsche Beamtenbund prognostiziert, dass es in 15 Jahren bundesweit etwa 700 000 unbesetzte Stellen geben wird. Was das für München bedeutet, kann man noch nicht abschätzen. Aber auch im Rathaus liegt das Durchschnittsalter der Belegschaft bei knapp 45 Jahren, ein Drittel der gut 33 000 Stadtbediensteten wird in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen.

Thomas Böhle, Münchens oberster Personaler, plädiert deshalb dafür, vorausschauend zu planen. Schließlich böten sich hoch qualifizierten Leuten eine Unzahl an Karrierechancen. „Und im Wettstreit um die besten Köpfe zieht der Öffentliche Dienst leider oft den Kürzeren“, klagte Böhle vor ein paar Wochen im Stadtrat.

In diesem Sinn ist es fast vorbildlich, dass sich die Münchner Bürgermeisterriege vergangenes Jahr gleich zu Beginn ihrer Amtszeit einige neue Mitarbeiter gegönnt hat: OB Dieter Reiter zwei, Christine Strobl (SPD) auch zwei und Josef Schmid (CSU) sogar vier. Natürlich gab es Ärger deswegen. Aber so ist das nunmal: Bei großen Fragen wie der Notwendigkeit neuer Stellen gibt es immer zwei Antworten. Manchmal nein – oft aber auch: Ja!

 

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