Spezlwirtschaft beim Oktoberfest? Able redet klartext: „Jetzt ist Ruhe im Wasserglas“

Die Marstall-Wirtefamilie: Siegfried Able (2.v.r.), Frau Sabine (2.v.l.) und ihre beiden Töchter Vanessa (l.) und Verena. Foto: Daniel von Loeper/dpa

Wiesnwirt Siegfried Able über sein Verhältnis zu den Wirte-Kollegen, die Wunschgäste für sein Marstall-Zelt und die Frage, ob man bei ihm noch reservieren kann.

München - Nur noch 32 Tage bis zum Wiesnstart am 20. September – und ein Wirt steht ganz besonders unter Strom. Es geht um Siegfried Able (50), der nach dem Rausschmiss von Sepp Krätz auf dessen früherem „Hippodrom“-Standplatz ein völlig neues Festzelt aufbauen muss: das neue „Marstall“ (AZ berichtete).

Nicht nur der Neubau, die Personalplanung und der Reservierungs-Ansturm sind ein Kraftakt für Able, der mit einem Eisstandl auf der Wiesn anfing und zuletzt das kleine „Kalbskuchl“-Zelt mit nur 300 Plätzen bewirtschaftet hat. Vor allem der Ärger mit den Wirte-Kollegen sitzt ihm noch im Nacken. Die hatten ihm nach seiner gelungenen Bewerbung um den Standplatz offen „Mauschelei“ und „Spezlwirtschaft“ bei der Vergabe vorgeworfen.

Die Abendzeitung hat sich mit dem neuen Wiesn-Wirt Siegfried Able getroffen und mit ihm über das bevorstehende Oktoberfest gesprochen:

AZ: Herr Able, Ihre Wiesnwirte-Kollegen – grüßen die Sie eigentlich noch?

SIEGFRIED ABLE: Natürlich. Wir haben ein sehr freundschaftliches und kollegiales Verhältnis. Was da nach der Vergabe im April alles geredet worden ist, war sicherlich überzogen. Jetzt ist Ruhe im Wasserglas und die Stimmung sehr, sehr pro Familie Able.

Wirklich? Wann haben Sie den Wiesnwirte-Sprecher Toni Roiderer denn zum letzten Mal gesehen?

Am Brauertag im Rathaus. „Bua, griaß di, passt ois?“, hat er da gesagt. Der Christian Schottenhamel ist superpositiv, der Peter Pongratz sagt auch: „Wenn was ist, komm zu mir raus, dann ratschen wir“.

Im erlauchten Kreis der Wiesnwirte-Vereinigung sind Sie trotzdem noch nicht willkommen. Kränkt Sie das?

Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft ist für mich erstmal zweitrangig.

Können Sie inzwischen denn plausibel erklären, wie Sie bei der Bewerbung um das begehrte Großzelt so überraschend an den großen Wirtehasen vorbeigezogen sind?

Ich hatte mich ja schon zum dritten Mal mit einem perfekten Konzept für ein Großzelt bei der Stadt beworben. Laut Auskunft der Stadt hatte ich schon die letzten beiden Male einen zulassungsfähigen Rang, hätte also ein Großzelt kriegen können. Der Unterschied dieses Mal war nur: Ich habe mich nicht – wie davor – mit zwei Geschäftseinheiten, also der kleinen Kalbskuchl und dem Marstall, beworben, weil bei zwei Geschäftseinheiten immer die Stadt entscheidet, mit welcher man zugelassen wird. Sondern ich bin mutig mit nur dem einen großen Zelt voll auf Risiko gegangen. Dieser Mut wurde jetzt belohnt.

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Was wollen Sie im Marstall anders machen als Ihr Vorgänger Sepp Krätz, dessen Hippodrom ein Promi-Zelt war?

Wir wollen ein Münchner Wiesnzelt für Jedermann, in dem ein Handwerker neben einem Starfußballer sitzen kann und eine Familie neben einem Fernsehstar. Überhaupt freuen wir uns, wenn viele Familien in unser Zelt finden.

Ist die Mindestverzehrgebühr von 45 Euro bei einer Reservierung da nicht ein bissl teuer?

Unsere Küche ist frisch, sehr besonders und hochwertig, das hat einfach seinen Preis.

Sie bieten ja auch vegane Speisen an. Glauben Sie, dass das funktioniert auf einem bayerischen Volksfest?

Ich glaube, dass man heute weiterdenken muss, dass wir mehr anbieten können als traditionelle Hendl.

Aber die traditionellen Promis wollen Sie schon übernehmen, oder? Wer hat reserviert?

Regine Sixt veranstaltet ihre Damenwiesn bei uns. Aber wir wären eine schlechte Wirtefamilie, wenn wir weitere Namen ausplaudern. Bei den Reservierungen gilt für uns der Datenschutz.

Gibt’s denn noch Reservierungsplätze?

An den Abenden und Wochenenden sind wir so gut wie voll. Aber unter der Woche an den den Nachmittagen geht noch was.

Informationen zur Person Siegfried Able: Der neue Wiesn- wirt (50) hat 1974 mit einem Eisstandl am Okto- berfest ange- fangen. und betrieb zuletzt die kleine „Kalbs- kuchl“ mit nur 300 Plätzen. Zur Able-Gastronomie gehören auch der „Münchner Eiszauber“ und der See-Biergarten Lerchenau.

Das Interview führte Irene Kleber.

 

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