Solidarität in Corona-Zeiten Daten zeigen: So gut klappt "Social Distancing" in München

Kaum Menschen in der Innenstadt: Das lässt sich auch mit Daten zeigen. Foto: Daniel von Loeper

Nicht nur gefühlt hält sich München zum großen Teil an die geltenden Ausgangsbeschränkungen. Die Auswertung frei zugänglicher Daten zeigt, wie sehr "Social Distancing" aktuell das öffentliche Leben bestimmt.

 

München - Die Polizei meldet zwar jeden Tag einige hundert Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen im Corona-München. Doch auch die Beamten betonen, dass sich der Großteil der Münchner an die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus' hält.

Das lässt sich auch mit Daten belegen. Im Rahmen des "#WirvsVirus"-Hackathon der Bundesregierung ist das Dashboard "everyonecounts.de" entstanden. "Die Idee hinter dem Dashboard war, für jeden verständlich darzustellen, ob und wie gut das Physical Distancing klappt", schreiben die Macher zu ihrem Projekt.

Ausgewertet werden in dem Projekt öffentlich zugängliche Daten, die einen direkten oder mittelbaren Rückschluss auf Aktivitäten des öffentlichen Lebens erlauben. Also etwa die Verkehrsdichte auf den Straßen, die Frequenzzählung von Passanten in Innenstädten, die Anzahl von Fußgängern auf öffentlichen Webcam-Bildern, die Daten der Fahrradzähl-Stellen in vielen Städten (auch in München gibt es solche), oder die Daten von Zugverbindungen der Deutschen Bahn.

Mit zahlreichen Filtern kann nun gezeigt werden, wie und ob etwa die Ausgangsbeschränkungen in Bayern wirken. Die AZ hat sich für München einige Parameter angesehen.

Zur Erklärung: Ein Wert von 100 Prozent entspricht dem Normal-Wert vor der Pandemie, also bevor die Bürger zu "Social Distancing" aufgerufen wurden. Ein kleiner Wert weist darauf hin, dass eine Verringerung der Aktivität gemessen wurde, was ein guter Indikator für erfolgreich umgesetztes "Social Distancing" ist.

Fahrradfahrer in München

Zwar sieht man bei den Fahrradfahrern keinen kleinen Wert, im Gegenteil: Die Kurve geht mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen nach oben. Erklären lässt sich das aber womöglich mit der Tatsache, dass viele Münchner auf dem Weg zur Arbeit anstatt mit U-Bahn, Bus oder Tram lieber mit ihrem Radl fahren. Oder schlicht, um ein bisschen Bewegung zu bekommen, da unter anderem auch Fitness-Studios geschlossen haben.

Fußgänger in der Innenstadt

Anders ist die Situation bei den Passanten in der Innenstadt. Kaufinger- und Neuhauser Straße werden ja regelmäßig etwa mittels Laserscanner vermessen. Diese Daten zeigen einen klaren Trend nach unten. Auffällig: Schon vor den offiziellen Ausgangsbeschränkungen am 21. März nahm die Quantität der Menschen in der Innenstadt ab. Die meisten Geschäfte sind ja auch zu.

Fußgänger auf öffentlichen Webcams

Ähnlich, aber nicht ganz so drastisch, ist die Kurve bei den Fußgängern, die auf öffentlichen Webcams sicht- und zählbar sind. Diese gibt es etwa für den Marienplatz, die Isar, das Olympiagelände oder die Theresienwiese. Auch hier zeigt sich, dass die Anzahl der Menschen zurückgegangen ist. Aber: Gegen Ende März stieg die Kurve wieder an. Das mag vor allem auch dem schönen Wetter am vergangenen Wochenende geschuldet sein.

Autoverkehr in München

Beim Autoverkehr stützen sich die Projekt-Initiatoren vor allem auf Daten der Navigationsgeräte-Firma TomTom. Mit deren Daten kann die Verkehrsdichte auf den Straßen ausgelesen werden. Und auch hier zeigt sich für München eine interessante Kurve: Zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen stieg der Wert an. Es waren also mehr Leute mit dem Auto unterwegs als normalerweise. Dann aber ging auch der Autoverkehr zurück und hält sich seit Ende März auf einem stabilen Niveau rund 40 Prozent unter dem "Normalwert". Viele Münchner, die sonst mit dem Auto zu ihre Arbeitsplatz kommen, sitzen mittlerweile ja im Homeoffice.


Wer mehr sehen will: Das Dashboard ist für alle frei zugänglich, die Daten können außerdem kostenlos heruntergeladen werden.

Lesen Sie hier: München - Coronavirus in zweitem Heim nachgewiesen

 

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