Siemens und General Electric kämpfen um TGV-Hersteller Alstom Kaeser bei Hollande: Transport-Sparte nach Frankreich?

Die Kennzahlen von General Electric, Siemens und Alstom im Vergleich. Foto: AFP

Die Chefs von Siemens und General Electric sprechen mit Frankreichs Präsident. Angebot aus München erwartet. Neue Details zum Job-Abbau

 

Paris - Nach dem US-Konzern General Electric (GE) hat nun auch Siemens Interesse an der Übernahme des TGV-Herstellers Alstom gezeigt. Eine Delegation des Münchner Unternehmens hat sich gestern mit dem französischen Präsidenten François Hollande getroffen. Danach will Siemens entscheiden, ob es ein Übernahmeangebot für die französische Firma abgibt.

In der Übernahmeschlacht mit dem US-Konkurrenten GE kann Siemens-Konzern offenbar auf die Unterstützung der Regierungen in Paris und Berlin zählen: Die französische Regierung machte am Montag ihre Sympathien für das Siemens-Angebot deutlich. Auch das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin äußerte sich positiv zu einem solchen Zusammenschluss.

Die sozialistische Regierung in Paris hatte in den vergangenen Tagen ihre Bedenken gegen ein Kaufangebot des US-Konkurrenten General Electric (GE) für den Alstom-Energiebereich angemeldet. Dabei verwies Paris auf die nationale, strategische Bedeutung des Alstom-Konzerns, der unter anderem Kraftwerke und Hochgeschwindigkeitszüge baut. Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg sagte, wenn der Großteil von Alstom von den USA aus geführt werde, sei das „inakzeptabel“.

Französische Unternehmen seien „kein Freiwild“. Vor dem Treffen mit der Siemens-Delegation hat Frankreichs Präsident François Hollande zunächst GE-Chef Jeffrey Immelt im Elysée-Palast getroffen. Danach hieß es, es gebe noch viel zu tun bezüglich des GE-Kaufangebots.

Hollande spricht am Abend mit Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser und Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sowie danach auch mit dem Alstom-Hauptaktionär Martin Bouygues. Siemens-Chef Kaeser hat bereits in einem Schreiben an Alstom-Chef Patrick Kron das Kaufinteresse seines Konzerns bekundet.

Demnach will Siemens den Energiebereich, der 70 Prozent der Alstom-Aktivitäten ausmacht, für zehn bis elf Milliarden Euro kaufen. Dabei bot Siemens an, insbesondere im sensiblem Nuklearbereich auf nationale französische Interessen Rücksicht zu nehmen, unter anderem indem die Zentrale dafür in Frankreich angesiedelt bleiben könnte.

Zugleich könnte der Siemens-Transportbereich mit den Hochgeschwindigkeitszügen zu Alstom kommen. So könne ein nationaler "Champion" für Frankreich entstehen.Für mindestens drei Jahre will Siemens auch eine Jobgarantie geben.

Montebourg, der an den Gesprächen im Elysée-Palast teilnahm, verwies darauf, dass Siemens vorschlage, zwei weltweit führende Konzerne entstehen zu lassen: "Einen deutschen im Bereich Energie und einen französischen im Bereich Transport."

Er machte aus seiner Präferenz für Siemens keinen Hehl: "Wir ziehen es vor, auf der Grundlage dieser Allianzvorschläge gestärkt mit einem Weltchampion des 'Made in France' daraus hervorzugehen."

Arbeitsminister François Rebsamen forderte im Sender France Inter den Erhalt aller Arbeitsplätze in Frankreich sowie der französischen Unabhängigkeit im Energiebereich. Er hob ähnlich wie Montebourg hervor, dass Alstom-Chef Kron nicht ohne Zustimmung des Staates agieren könne.

Kron gilt als Verfechter der GE-Lösung. Das Wirtschaftsministerium von Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin machte deutlich, dass es einen Zusammenschluss von Siemens und Alstom positiv sehen würde. Dies biete "große Chancen" für Deutschland und Frankreich, sagte ein Sprecher. Gabriel stehe in engem Kontakt mit allen Betroffenen.

Er stimme sich dabei mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab. Alstom will seine "strategischen Überlegungen" bis Mittwochmorgen abschließen. Die Börsenaufsicht wurde gebeten, den Handel mit Aktien des Konzerns bis dahin auszusetzen.

Unterdessen wurden neue Details zum seit längerem geplanten Job-Abbau bei Siemens bekannt:  Der geplante Umbau der Siemens-Struktur wird nach einem Bericht von „Manager Magazin Online“ möglicherweise mehr Stellen kosten als bisher bekannt.

Konzernchef Joe Kaeser werde neben den Veränderungen in der Organisation in der kommenden Woche (7. Mai) auch die Kürzung weiterer Stellen bekanntgeben, schreibt das Blatt unter Berufung auf Manager des Konzerns. Siemens wollte den Bericht am Montag nicht kommentieren.

Laut Magazin könnten Tausende Stellen betroffen sein. Im Rahmen des Sparprogramms Siemens 2014 hatte der Konzern bereits den Abbau von insgesamt 15 000 Stellen bis Ende diesen Jahres angekündigt, zu denen die neuen Pläne hinzu kämen.

 

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