Sexualisierte Geste als Drohung Varoufakis bei Jauch: Das bedeutet der Stinkefinger

Stinkefinger: Varoufakis zeigt Deutschland in einem Video den Mittelfinger. Griechenlands Finanzminister behauptet, der Film sei eine Fälschung. Foto: youtube

Finger im Hintern als Demütigung, im Straßenverkehr bis zu 4000 Euro teuer: Das bedeutet der Stinkefinger, nach der Debatte um das Varoufakis-Video bei Jauch.

 

Berlin - Die Stinkefinger-Geste, über die jetzt mit Bezug auf den griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis diskutiert wird, hat schon manchem Prominentem Ärger gebracht. Die Fußballer Stefan Effenberg und David Beckham sind ebenso darunter wie Ex-SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) und Gewerkschaftschef Frank Bsirske.

Bei Jauch-Talk wurde ein älteres Youtube-Video eingespielt, in dem Varoufakis Deutschland den ausgestreckten Mittelfinger entgegen hält. Griechenlands Finanzminister tat alles, um sich geschockt zu zeigen. Behauptete, der Film sei manipuliert.

Die Geste geht zurück auf die Antike. "Es ist eine eindeutig sexualisierte Geste, ein Phallussymbol als Drohgebärde", hat der Tübinger Rhetorik-Experte Alexander Baur einmal erklärt. Als "feindliche Geste" beschrieben ihn die Wissenschaftler Jesse Chandler und Norbert Schwarz in der Fachzeitschrift "Journal of Experimental Social Psychology". Sie verorteten seine Ursprünge im alten Griechenland.

Im alten Rom war der ausgestreckte Mittelfinger nach Angaben Baurs auch eine Bestrafungs- und Demütigungsgeste. "Das war damals sehr unangenehm, weil es um den Finger im Hintern als Demütigung ging", sagte er. "Aber das hat sich natürlich mittlerweile überlebt."

Inzwischen ist der Stinkefinger, der es 1996 in den Duden schaffte, eine internationale Geste und - im Gegensatz beispielsweise zum Schuhwurf in der arabischen Welt - interkulturell verständlich. Juristisch ist der Stinkefinger durchaus von Relevanz. Als Beleidigung etwa im Straßenverkehr kann er nach früheren Angaben des ADAC bis zu 4000 Euro kosten.

 

1 Kommentar