Schonungen Deutschlands jüngster Bürgermeister tritt Amt an

Stefan Rottmann posiert schon mal vor der Rathaus-Tür. Offiziell Chef ist er hier erst ab dem 1. Mai. Kurz bevor dieses Foto aufgenommen wird, hat Rottmann noch seinen Abschied von seinem alten Arbeitgeber, der VR-Bank, gefeiert. Foto: Annette Zoch

Stefan Rottmanns Programm für seinen ersten Arbeitstag steht fest: „Mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen und Interviews geben.“ Der 25 Jahre alte SPD-Politiker hat derzeit viele Presseanfragen zu beantworten. Am Montag tritt er sein Amt als Bürgermeister von Schonungen in Unterfranken an.

Schonungen - Im Rathaus wird ihm zu Wochenbeginn die Amtskette übergeben, sein offiziell erster Arbeitstag ist der 2. Mai. Dann ist er Deutschlands jüngster hauptamtlicher Bürgermeister und komplettiert eine Riege erfolgreicher SPD-Talente in Bayern.

„Das Alter war für mich ein Nachteil.“

Rottmann war im März überraschend zum Bürgermeister der 8.000-Einwohner-Gemeinde gewählt worden. Ein fulminanter Wahlsieg war es nicht. „Ich habe mich wirklich schwergetan im Wahlkampf“, gibt der studierte Bankfachwirt zu. „Das Alter war für mich ein Nachteil.“

Die CSU hatte einen Vorruheständler als Bürgermeisterkandidaten ins Rennen geschickt, der mit Lebenserfahrung werben konnte und mehr Zeit hatte für Wahlkampf. Schließlich setzte sich aber das SPD-Talent durch – mit dem hauchdünnen Vorsprung von nur drei Stimmen bei mehr als 4.500 abgegebenen Wahlzetteln.

In der fränkischen Flächengemeinde funktionierte der Wahlkampf in erster Linie über persönliche Ansprache. So bekam Rottmann die Ressentiments der Bürger ganz unmittelbar zu spüren. „Vor der Wahl haben die Leute kritisiert, der ist noch zu jung.

Jetzt sagen sie über mich, der kandidiert doch sowieso bald für den Bundestag.“ Trotz aller Beschwerlichkeiten hofft Rottmann auf Nachahmer. „Ich wünsche mir, dass mehr junge Leute solche Ämter anstreben.“

Junge Garde von Merzbacher bis Adam

Denn Rottmann steht in einer ganzen Reihe von jungen bayerischen SPD-Politikern, die in den vergangenen Jahren für Überraschungserfolge bei Kommunalwahlen sorgte. Am Anfang der Entwicklung stand der Oberfranke Jonas Merzbacher, der 2008 mit 24 Jahren zum Bürgermeister der Gemeinde Gundelsheim gewählt wurde.

Den spektakulärsten Erfolg landete bisher Michael Adam aus dem Bayerischen Wald. Mit den im katholischen Niederbayern schwer vermittelbaren Attributen „schwul, evangelisch, jung und sozialdemokratisch“ wurde Adam 2008 gerade einmal 23-jährig zum Bürgermeister des Ferienorts Bodenmais gewählt.

2011 machte ihn die Bürger des Landkreises Regen dann zum Landrat – mit 26 Jahren. „Das zeichnet die SPD eben aus, dass man hier auch als Junger eine Chance erhält“, sagt Adam. Der Landrat hält den Erfolg der jungen Kandidaten allerdings für kein rein sozialdemokratisches Phänomen.

„Das ging bei den letzten Kommunalwahlen quer durch alle Parteien: Die Jungen schneiden super ab.“ Adam glaubt, dass sich hier das Misstrauen gegenüber dem etablierten Politikbetrieb äußert. Und weil die Piraten auf kommunaler Ebene bisher nicht Fuß gefasst hätten, würden die Wähler eben wenigstens junge Kandidaten unterstützen.

Stolzer SPD-Chef Bayerns

SPD-Landesvorsitzender blickt mit Wohlwollen auf seine Nachwuchsriege. Florian Pronold, einst selber ein politischer Frühstarter, der bereits im Alter von 21 Jahren dem Landesvorstand seiner Partei angehörte, erhofft sich von jungen Amtsträgern wie Rottmann und Adam einen Schub für die ganze Partei.

„Gerade wenn wir junge Menschen ansprechen wollen, ist es wichtig, dass es da jemanden gibt, der den Leuten auf Augenhöhe begegnet.“ Am neuen Bürgermeister von Schonungen gefällt dem SPD-Chef vor allem dessen kommunikative Begabung.

„Der Stefan Rottmann ist ein unglaublich engagierter und talentierter junger Mann“, sagt Pronold über Rottmann. Der SPD-Chef wünscht Rottmann für sein Bürgermeisteramt Fleiß, Ausdauer und ein dickes Fell. „Und dann spielt die Altersfrage schon ganz bald keine Rolle mehr“, ist sich Pronold sicher.

 

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