Schlechte Nachrichten für die Löwen TSV 1860: Warum es die ganz große Lösung fürs Grünwalder Stadion nicht geben wird

Münchens OB Dieter Reiter (SPD) deutete zuletzt an, dass ein Ausbau des Grünwalder Stadions auf 30.000 Zuschauer wohl nicht umsetzbar ist. Foto: AZ-Montage, dpa/Sven Hoppe, Augenklick/sampics

OB Dieter Reiter will bald bekanntgeben, ob und wie weit das Grünwalder Stadion ausgebaut werden kann. Klar ist schon: Vor 30.000 Zuschauern wird der TSV 1860 nicht auflaufen.

 

Untergiesing - Auch die Bumsvoll-Bar ist jetzt dabei. Die Giesinger Boazn unterstütze die Aktion "Sechzig im Sechzger" offiziell, meldete die Fan-Initiative für einen dauerhaften Verbleib der Löwen im Stadion am Donnerstag stolz. Die Fans freuen sich über kleine Erfolge, hoffen – und könnten sehr enttäuscht werden, zumindest, was eine deutliche Kapazitätserweiterung des Stadions betrifft.

Eine Kapazität um die 18 000 scheint am wahrscheinlisten

Die Stadt hat vom Frankfurter Büro Albert Speer eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, ob und unter welchen Umständen eine Erweiterung des Stadions von derzeit 15.000 auf 18.600, 25.000 oder 30.000 Plätze möglich ist.

Schon in der kommenden Woche soll die Verwaltung dem Stadtrat das Ergebnis vorlegen – und wohl auch einen Entscheidungsvorschlag, wie damit umzugehen ist. Was die Studie bringt und was OB Dieter Reiter (SPD) seinem Stadtrat vorschlägt – daraus wird ein Geheimnis gemacht, wie nur ganz, ganz selten in der Stadtpolitik.

Grünwalder Stadion: Dieter Reiter sorgt für Ernüchterung

Doch nun scheint sich abzuzeichnen, wohin die Reise geht. Sowohl Informationen der AZ aus der Stadtverwaltung als auch öffentliche Andeutungen des Oberbürgermeisters von Donnerstag zielen in eine Richtung: Den ganz großen Ausbau auf 30.000 dürfte es nicht geben. Und selbst 25.000 wird der Stadtrat, wenn man die Signale richtig deutet, wohl ablehnen. Das wären schlechte Nachrichten für Löwenfans, die die Zukunft ihrer Mannschaft dauerhaft daheim an der Grünwalder Straße sehen – selbst dann, wenn es einmal wieder in höhere Ligen gehen sollte.

"Alle, die glauben, man wird dort 30.000 oder 40.000 Menschen sehen, denen kann ich sagen, das wird nicht mehr passieren", sagte Dieter Reiter in einem Interview mit Radio Arabella, das am Donnerstag gesendet wurde. In dem Gespräch betonte der OB auch: "Es besteht immer ein Risiko, wenn man an diesem geliebten Sechzgerstadion irgendwas schraubt oder etwas verändert, dass die aktuelle Betriebsgenehmigung, die es gibt, in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus – und dann gibt es gar keinen Spielbetrieb mehr im Sechzgerstadion."

Aus der Verwaltung hieß es in diesen Wochen, die Lokalbaukommission habe eine Erhöhung auf 18.600 Zuschauer abgelehnt. Die Rede war davon, dass die Genehmigungsbehörde Lokalbaukommission einen Bestandsschutz nur bis 18.105 Zuschauer für gegeben halten würde. Das könnte also bedeuten, dass die Verwaltung dem Stadtrat empfiehlt, nicht einmal die kleinste offiziell geprüfte Erweiterung auf 18.600 ganz auszuführen. Immerhin: Intern ist die Rede davon, dass man auf jeden Fall eine Kapazitätserweiterung will, wenigstens in dieser Größenordnung um etwa 3.000 Plätze.

Grünwalder-Ausbau: Der Lärmschutz ist der Knackpunkt

Als Hauptproblem wird in der Verwaltung der Lärmschutz gesehen. Das Stadion hat schließlich ein paar Nachbarn – und dort gab es schon in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden (wenn auch nur sehr wenige, wie zum Beispiel die Obergiesinger Bezirksausschuss-Chefin kürzlich in der AZ betonte). Das Ziel ist eine Erweiterung der Kapazität. Und doch soll der Lärm im Umfeld nicht mehr werden – sondern sogar weniger.

Dabei heißt es in der Verwaltung, selbst bei den aktuellen 15.000 Kapazität habe man die vorgeschriebenen Lärmschutz-Werte nur deshalb nicht gerissen, weil eine Art Bonus für Altanlagen gegolten habe.

Den will man offenbar erhalten. Und so hat man auch untersuchen lassen, inwieweit man mit 18.100 Zuschauern die Bedingungen für die zweite (oder sogar eines fernen Tages die erste) Liga erfüllen könnte. In der Stadtverwaltung war zuletzt die Rede davon, dass sogar eine Erstligatauglichkeit in Giesing mit dieser Kapazität denkbar wäre. Möglicherweise müsse das Stadion dann aber komplett seitlich geschlossen werden – und alle Tribünen überdacht (auf den Stehplätzen in Ost und West steht man noch im Regen).

TSV 1860: Jetzt kommen die Tage der Entscheidung

Der TSV soll in den letzten Wochen nicht immer glücklich mit den Gesprächen gewesen sein. So soll Geschäftsführer Michael Scharold einmal rhetorisch gefragt haben, ob ein so geringer Stadion-Ausbau für Sechzig (das mit einer erhöhten Miete rechnen müsste) wirtschaftlich überhaupt noch sinnvoll sein könne.

Jetzt also wird es ernst für die Löwen. Am Freitagabend beim Saison-Auftakt im – natürlich wieder mit 15.000 Fans ausverkauften – Stadion gegen Preußen Münster (19 Uhr/AZ-Liveticker und Magenta Sport). Und die nächsten Tage im Rathaus.

Es heißt, spätestens am Montag werde den Stadträten das Papier aus dem Sportreferat zugestellt. Dann dürfte sich auch Reiter bald äußern, was er mit dem Stadion vorhat. Und die Fans wissen, ob sie in wie immer aufgeregten Zeiten zumindest ein bisserl mehr Sicherheit für die nächsten Jahre haben.

Oder: Ob die Endlos-Diskussion, ob man doch irgendwann wegen eines Aufstiegs ein neues Stadion brauchen könnte, in den Giesinger Boazn von Neuem beginnt.

Lesen Sie hier: Fragwürdige Vertragsklauseln - Löwenstüberl bleibt dicht!

 

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