Sankt Uli und Attacke AZ-Kommentar: Die zwei Gesichter des Uli Hoeneß

Mal angriffslustig, mal fromm: Uli Hoeneß, Präsident des FC München. Foto: GES/Augenklick

Kaum jemand spaltet die Fußball-Nation mehr als Uli Hoeneß. Manche sehen ihn als den Schutzpatron des FC Bayern - andere als die personifizierte Abteilung Attacke.

 

München - Kaum einer polarisiert mehr, spaltet die Fußball-Nation mehr als Noch-Präsident Uli Hoeneß. Für die einen ist er Sankt Uli, der Schutzpatron des FC Bayern, der sich mit dem Beschützerinstinkt einer Grizzly-Mama vor die Seinen stellt und diese gegen alles verteidigt, was er als Angriff empfindet.

Dazu hat er den Verein als Manager, dann als Präsident aus den Niederungen des Fußballs geführt und zu einer renommierten Weltmarke, die die Grenzen des Sports sprengt, geformt. Das ist die eine, die bewundernswerte Seite des Uli H. Doch da gibt es eben auch das andere Gesicht.

Wenn er, der bei vermeintlichen Ungerechtigkeiten erstaunlich dünnhäutig reagiert, mit der Feinfühligkeit einer Elefantenhorde im Porzellanladen agiert, die grobe Populismus-Keule schwingt und sich in seiner hyperemotionalen Art in Ton und Wortwahl vergreift. Das Gespür für die Stimmungen, das ihn immer ausgezeichnet hat, ist ihm in letzter Zeit abhanden gekommen.

Regelmäßig übers Ziel hinaus

Ob es die legendäre Pressekonferenz war, als er mit seinem Juan-Bernat-Ausbruch die angestrebte Botschaft konterkarierte, ob es die völlig überzogene Geißelung von Marc-André ter Stegen inklusive des Vorwurfs an die "süddeutsche Presse" war, die in seinen Augen nicht in ausreichendem Ausmaß als Manuel-Neuer-Claqueur fungiert hat, Hoeneß schoss regelmäßig über jedes Ziel hinaus.

Nur um später, wenn die Emotionen den Gedanken nicht mehr im Weg standen, eingestehen zu müssen, dass man "das so vielleicht nicht wieder sagen würde". Jetzt stellt er sich nicht mehr zur Wahl. Eine kluge, eine richtige Entscheidung. Hoeneß hat es sich verdient, das Rentnerdasein in seinem Alterswohnsitz zu genießen.

Doch wirklich Ruhe geben will er nicht, kann er nicht. 2014 hatte er vor seinem Haftantritt verkündet: "Das war’s noch nicht." Auch jetzt versprach er, dass die "Abteilung Attacke" wiederbelebt werde. Hoeneß wird also nicht den Schweiger vom Tegernsee geben, wird weiter polarisieren. Er ist in seiner Rolle, seiner Emotionalität gefangen. Hoffentlich findet er das richtige Maß, denn nichts ist trauriger mitanzusehen, als ein Denkmal, das sich selbst beschädigt – und zerstört.

 

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