Saisonrückblick beim FC Bayern Zeugnisse für die Torhüter: Ulreich gegen alle Zweifel

Die Bayern-Torhüter der Saison 2017/18: Tom Starke (l.), Sven Ulreich (m.) und Manuel Neuer. Foto: Rauchensteiner/firo/Augenklick/AZ

Sven Ulreich spielt die Saison seines Lebens – und macht beim FC Bayern teilweise sogar das Fehlen von Stammtorwart Manuel Neuer vergessen. Nur das Happy End bleibt aus. Teil zwei der AZ-Zeugnisse.

 

München - Am Ende blieb Sven Ulreichs Traum unerfüllt: Mitspieler und Experten hatten sich für den Bayern-Torhüter stark gemacht, zwischenzeitlich äußerte sich auch Bundestrainer Joachim Löw ziemlich positiv über Ulreich. Doch letztlich fehlte der Keeper im vorläufigen WM-Kader des deutschen Teams. Löw gab Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Bernd Leno und Kevin Trapp den Vorzug. Dabei hätte es Ulreich nach tollen Leistungen verdient gehabt.

Noch vor einem Jahr wäre das ja undenkbar gewesen: Ulreich, der WM-Kandidat. Ulreich, der Held der Bayern-Fans, der bei der Meisterfeier mit am lautesten gefeiert wurde: "Uuuulllllllleeee!", hörte man immer wieder. Ganz klar: Der 29-Jährige ist einer der Gewinner der Saison. (Hier gibt's den ersten Teil der AZ-Meisterzeugnisse)

Wie sich seine Torhüter-Kollegen bei Bayern geschlagen haben? Teil zwei der AZ-Meisterzeugnisse.

Manuel Neuer

Eine Saison zum Vergessen für den Stammtorhüter. Im September 2017 brach sich Neuer zum dritten Mal den Mittelfuß, bis heute hat er kein Pflichtspiel mehr bestritten. Und doch: Neuer schaffte es im Vergleich zu Ulreich in den vorläufigen WM-Kader, er soll als Nummer eins ins Turnier gehen.

"Stand heute gibt es keinerlei Probleme, auch nicht bei den höchsten Belastungen. Es sieht momentan sehr gut aus", sagte Bundestrainer Joachim Löw im Trainingslager in Eppan: "Wenn wir das Gefühl haben, dass er 100 Prozent Leistung bringen kann, dann kann er dabei sein." Neuer hechtete am Donnerstag schon wieder wie in besten Zeiten nach den Bällen, er absolvierte die komplette Trainingseinheit. Trotzdem gibt's im Zeugnis nur einen Punkt für Neuer.

Sven Ulreich

Als sich Neuer im Frühherbst verletzte, hakten einige Bayern-Fans die Saison schon ab. Wie sollte das gut gehen ohne den weltbesten Torwart? Wer würde uns jetzt die wichtigen Spiele gewinnen? Die Antwort, mit der da kaum einer rechnete: Sven Ulreich.

Der Ersatzmann schwächelte zunächst unter Trainer Carlo Ancelotti, der kaum Kontakt zu seinem Torhüter suchte. Es sei wirklich so gewesen, erklärte Ulreich im "kicker", "dass Carlo Ancelotti nicht auf mich stand, wenig Vertrauen in mich hatte, wenig kommunizierte. Bei einem Fußballer geht aber alles übers Vertrauen." So griff Ulreich auch mal daneben, etwa beim 2:2 gegen Wolfsburg.

Alles änderte sich für Ulreich mit dem Trainerwechsel. Jupp Heynckes baute den früheren Stuttgarter auf, setzte voll auf ihn. Die Folge: Ulreich entwickelte sich zum großen Rückhalt des Teams, er überragte etwa in den Pokalspielen in Leipzig und Leverkusen. Heynckes nannte ihn den "zweitbesten deutschen Torhüter" nach Neuer: "Er hat eine phänomenale Entwicklung genommen."

Allerdings: Der Ulreich-Patzer im Halbfinal-Rückspiel bei Real Madrid trug entscheidend zum Bayern-Aus bei, auch im Pokalfinale beim Gegentreffer zum 1:2 von Frankfurts Ante Rebic machte Ulreich keine optimale Figur. Deshalb: drei statt der maximalen vier Punkte im Zeugnis.

Tom Starke

Der 37-Jährige war mal wieder da, als Bayern ihn brauchte. Nach der Neuer-Verletzung rückte Starke in den Kader – dabei hatte er seine Karriere eigentlich schon beendet und seine neue Aufgabe als Torwartkoordinator beim Bayern-Nachwuchs angetreten.

Dass es Starke immer noch kann, bewies er dann auf dem Platz: Bei den Bundesliga-Spielen in Frankfurt und zuhause gegen Köln stand der Routinier im Tor, Bayern gewann jeweils mit 1:0. Nun soll endgültig Schluss sein. Vorbild Starke geht in Rente – nach 15 Titeln mit den Bayern. Zwei Zeugnis-Punkte für den Torwart-Oldie.

 

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