"Rettet deutsche Kinogeschichte" Filmtheater Sendlinger Tor: Sohn von Betreiber startet Online-Petition

Das Filmtheater am Sendlinger Tor ist für ihn "wie ein Familienmitglied": Oliver Preßmar. Foto: privat

Seine Online-Petition soll helfen, das Filmtheater Sendlinger Tor vor dem drohenden Aus zu retten: Für Dr. Oliver Preßmar ist das Ganze ein sehr persönliches Anliegen - und ein Votum für einen "nationalen Kulturschatz". 

 

München - Die Zukunft des Filmtheaters Sendlinger Tor ist gefährdet: Am 30. Juni endet der aktuelle Pachtvertrag, zwischen dem Hauseigentümer und der Betreiberfamilie eines der ältesten Kinos der Stadt tun sich Fronten auf.

Nachdem sich zuletzt sowohl die Münchner SPD als auch die Münchner CSU für den Erhalt des Kinos stark gemacht und entsprechende Anträge im Stadtrat eingereicht haben, ruft nun Dr. Oliver Preßmar über das Portal "openPetition" dazu auf, diesen "nationalen Kulturschatz" zu retten. Betreiber des Kinos sind sein Vater Fritz (75) und sein Bruder Christoph (46) - der 40-Jährige selbst ist also nicht direkt betroffen, fühlt sich aber "persönlich involviert".

Oliver Preßmar: Kindheit im Filmtheater am Sendlinger Tor

"Ich bin da drin groß geworden", sagt er. "Mit zwei Jahren hab' ich zum ersten Mal Dschungelbuch gesehen, mit sieben hab' ich ganz stolz am Süßwaren-Stand Gummibärchen und Popcorn über den Tresen gereicht." Und wenn es dem Kino schlecht gehe, gehe es eben auch der Familie schlecht: "Es ist wie ein Familienmitglied."

Sein Aufruf ist eindeutig formuliert. "Der Bundestag, der Bayerische Landtag, die Regierung von Oberbayern sowie der Stadtrat München mögen zusammen mit allen staatlichen Organisationen sich für den Erhalt von nationalem Kulturgut einsetzen und versuchen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln (z.B. Denkmalschutz, Untersagung von Nutzungsänderungen, Förderungen usw.) die Schließung eines der ältesten Kinos zu verhindern", heißt es in seiner Petition.

Preßmars Kino-Petition läuft sehr gut an

Preßmar ergänzt: "Einige Hauseigentümer wollen die Räume - welche ja originär als Filmtheater gebaut wurden - einer anderen Nutzung zuführen und so diese Räume für immer zerstören. Damit würden sie dieses einzigartige Zeugnis deutscher Kultur vernichten." Das gelte es mit allen Mitteln zu verhindern.

Seit Start der auf insgesamt fünf Monate ausgelegten Petition "Rettet deutsche Kinogeschichte - Das Filmtheater Sendlinger Tor München" haben 2.311 Unterstützende (Stand 24. Februar, 16.15 Uhr) "unterschrieben", knapp ein Viertel des anvisierten Sammelziels 10.000 ist also erreicht. "Und wir haben ja auch im Kino selbst Petitionslisten ausgelegt. Da sind es bis dato knapp 1.300 Unterschriften, die kommen ja noch dazu", berichtet Oliver Preßmar, der in München als Unternehmensberater tätig ist.

Filmtheater am Sendlinger Tor: "Platz der Begegnung"

Seit 1945 betreibt die Familie Preßmar - heute in dritter Generation - das Filmtheater am Sendlinger Tor. Fritz Preßmar senior verwaltete das Theater zuerst kommissarisch für die amerikanische Militärregierung und beseitigte während dieser Zeit notdürftig die schweren Kriegsschäden. Zahllose Premieren mit fast allen deutschen und vielen internationalen Leinwandgrößen wurden in den Räumen gefeiert.

"Edle Messinglüster und die roten Plüschsessel mit extra viel Platz für die Beine versprechen gemütliche Kinostunden. Wenn man heute das Filmtheater Sendlinger Tor besucht, erlebt man eine Symbiose aus modernster Technik und liebevoll erhaltenen Details, die von der ruhmreichen Geschichte des Theaters erzählen", heißt es in der Petition.

Es ginge ja auch nicht darum, dass man sich im Filmtheater am Sendlinger Tor den nächsten James Bond anschaue, sondern darum, dass man die Räume als "Platz der Begegnung" verstehe: "Wenn da zweimal im Monat für 1,50 Euro Eintritt die Sonderveranstaltungen für den VdK staffinden, ist das Kino voll bis unters Dach."

Wie groß ist in seinen Augen die Chance, dass das Kino erhalten bleibt? "Wir haben eine solche Situation ja eigentlich alle fünf Jahre, diesmal ist allerdings der Druck größer. Ich hoffe, dass wir den schlimmsten Fall abwenden können - das Ganze wird wohl bei Gericht landen..."

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