Reservist beim FC Bayern Muss sich Thomas Müller endgültig mit dem Bankplatz anfreunden?

Saß beim FC Bayern zuletzt zweimal auf der Bank: Thomas Müller Foto: Augenklick/GES/Marvin Ibo Güngör

Nach seinem Bankplatz in der Nationalmannschaft musste sich Thomas Müller zuletzt auch beim FC Bayern zweimal mit der Reservistenrolle zufrieden geben. Diskussionen um seine Person möchte der 29-Jährige aber nicht zulassen.

 

München - Thomas Müller war zum Scherzen aufgelegt - und das überraschte. "Heute machst du mal", sagte die Identifikationsfigur vom FC Bayern schmunzelnd zu Joshua Kimmich und schickte diesen vor die Mikrofone der wartenden Reporter.

Wer nach dem Königsklassen-Sieg in Athen (2:0, hier der Ticker zum Nachlesen) einen grummelnden Müller erwartet hatte, der genervt von seiner aktuellen Reservistenrolle schnurstracks den Mannschaftsbus aufsucht, hatte sich getäuscht. "Er verliert seine Art trotzdem nicht. Das ist überragend von ihm", lobte Kimmich prompt.

Es ist gerade nicht einfach für Müller, der sich auf seiner Offensivposition gegen jüngere Konkurrenten wie Serge Gnabry wehren muss, die in besserer Verfassung sind. Der einst von Louis van Gaal geprägte Satz, "Müller spielt immer", hat an Gültigkeit verloren. Derzeit könnte man ihn fast ersetzen durch: "Müller spielt nimmer."

Trotz Bankplatz: Müller bleibt Leader beim FC Bayern

In Athen fand sich der 29-Jährige bereits im dritten Pflichtspiel in Folge auf der Bank wieder. Falls Müller am Samstag beim FSV Mainz 05 (15.30 Uhr/Sky und im AZ-Liveticker) ins Team rotiert, sollte er diese Chance besser wahrnehmen, will er an seiner Situation etwas ändern.

"Natürlich will man immer spielen", sagte Müller jüngst nach dem Länderspiel in Paris, bei dem er als Konsequenz aus dem 0:3 in den Niederlanden auch in der Nationalelf seinen Platz hatte preisgeben müssen.

Müllers Status als Führungspersönlichkeit bleibt von seiner neuen Rolle aber unangetastet, sein Wort hat hier wie dort weiterhin Gewicht. Umso höher ist es ihm anzurechnen, dass er beim FC Bayern sein Wohl und Wehe hintanstellt.

FC Bayern: Joshua Kimmich lobt Müllers Einstellung

"Der Trainer stellt auf, und wir sollten mehr über die Dinge sprechen, die auf dem Platz passieren", sagte Müller in Athen, als er sich doch noch zu ein paar Sätzen überreden ließ. Er ergänzte: "Uns bringt's wirklich nicht weiter, wenn wir irgendwelche Diskussionsrunden aufmachen."

Brandherde hatten sie beim Rekordmeister genug im Oktober, und das Thema Müller, das kann sich der clevere Profi genau ausmalen, wäre geradezu prädestiniert für einen neuen. "Jeder weiß, es ist sein Anspruch, hier bei Bayern München auch zu spielen. Er ist trotzdem immer positiv, einer, der immer anfeuert und auch in so einer Phase immer einen Spruch auf Lager hat", sagte Kimmich mit einem Höchstmaß an Anerkennung.

Niko Kovac über Thomas Müller: "Er will überall helfen"

Ob Müller die Gunst von Trainer Niko Kovac wieder uneingeschränkt erwirbt, dürfte davon abhängen, ober er seine große Fähigkeit als Raumdeuter wieder zur Geltung bringt. Kovac hat grundsätzlich erkannt, dass Müller "nicht greifbar" ist und dessen Bedeutung hervorgehoben: "Er will überall helfen, offensiv wie defensiv, das macht ihn so wertvoll. Er tut ungemein viel für die Mannschaft."

Und nicht zuletzt ist Müller als Typ für die Münchner praktisch unersetzlich. Der Bayer verkörpert den Klub wie kein Zweiter. Als Kind des Vereins hat Müller seit seinem Profidebüt im August 2008 inzwischen über 450 Pflichtspiele in den Beinen und dazu fast 100 Länderspiele. In der Vergangenheit hat er sich aus ähnlich schwierigen Phasen vitalisiert zurückgemeldet. Ob es ihm wieder gelingt?

Im Video: Kimmich-Kampfansage an den BVB

 

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