Relegationsheld im AZ-Interview Ex-Löwe Kai Bülow: "1860? Fußball ist da scheinbar zweitrangig"

Kai Bülow, jetzt in Diensten von Hansa Rostock, spielte sieben Jahre für die Löwen. Foto: imago images/Christian Schroedter

Einst Relegations-Held, nun Gegner: Kai Bülow empfängt am Samstag mit Hansa Rostock die Löwen und spricht im AZ-Interview über das Wiedersehen und Erinnerungen. "Ein unsterblicher Moment."

 

München - Sieben Jahre lang schnürte Kai Bülow seine Fußball-Schuhe für den TSV 1860. Vielen Löwen-Fans dürfte er vor allem durch sein Last-Minute-Treffer in der Relegation gegen Holstein Kiel 2015 in Erinnerung geblieben sein. Bülow sicherte den Löwen mit damals mit seinem Treffer den Klassenerhalt in der 2. Liga. Am Samstag läuft er als Gegner der Löwen auf. Der TSV 1860 muss bei Bülows aktuellem Klub Hansa Rostock antreten (26.10., 14 Uhr/BR und im AZ-Liveticker). Im AZ-Interview spricht der Sechser über sein Tor und die Unterschiede zwischen Rostock und Sechzig. 

AZ: Herr Bülow, wer zählt aus Ihrer Sicht zu den besten Spielern in der Dritten Liga?
KAI BÜLOW: Puh, schwierige Frage. Wenn man nur die Highlights aus Spielen sieht, ist das etwas trügerisch. Auf Anhieb fällt mir Moritz Stoppelkamp (Duisburger Stürmer und Top-Torschütze mit zehn Treffern, d. Red.) ein.

Das Fußballfachmagazin "kicker" nennt nach Viktoria Kölns Offensivspieler Mike Wunderlich noch einen anderen Spieler: Kai Bülow, wie Stoppelkamp mit einem Notenschnitt von 2,5. Kann man aus Ihrer Sicht so stehenlassen, oder?
Ja, es läuft ganz gut. Aber nicht nur bei mir, auch bei uns als Mannschaft. Wir haben sieben Spiele in Folge nicht verloren. Die Hauptsache ist, dass wir als Mannschaft Erfolg haben und nicht, welchen Notenschnitt der Einzelne hat.

Kai Bülow: "Mir reicht die Wertschätzung von Trainer und Mannschaft"

Eher Understatement als Starallüren – Ihr Erfolgsrezept?
Das hat weniger etwas mit einem "Rezept" zu tun, sondern mit meinem Charakter. So bin ich eben. Und am Ende der Saison hat jeder etwas davon, wenn die Mannschaft weiter oben steht. Klar freut es einen, wenn man gut spielt. Aber mir reicht eigentlich die Wertschätzung vom Trainer und der Mannschaft.

Im vorigen AZ-Interview haben wir über Rostocks Aufstiegspläne gesprochen, die bekanntlich schief gegangen sind. Worüber sprechen wir jetzt, wo Hansa mit nur noch fünf Zählern Rückstand auf Tabellenführer Halle ins Rollen kommt?
Wir sprechen erstmal über das nächste Spiel gegen den TSV 1860. Unser Saisonziel gestaltet sich heuer etwas anders, unsere Herangehensweise ist etwas passiver. Wir haben, wie fast jedes Jahr, 10, 15 neue Spieler dazu bekommen. Man muss sich erstmal finden. Jetzt haben wir uns stabilisiert. Gucken wir mal, was dabei herauskommt.

Bülow: "Wiedersehensfreude ist erst nach dem Spiel ein Thema"

Sprechen wir über Samstag, wenn Sie den Löwen gegenüberstehen: Vorfreude?
Die Vorfreude ist sehr groß! Ich hatte nun wirklich nicht viele Vereine. Spiele gegen 1860 sind immer etwas Besonderes, das wird immer so bleiben. Ich habe noch viele Bekannte wie Sascha Mölders oder Felix Weber, der ja leider nicht auf dem Platz stehen kann. Aber Sie wissen ja: Wiedersehensfreude ist erst nach dem Spiel ein Thema, unabhängig vom Ergebnis.

Sie sprachen einmal von "vier schönen und drei chaotischen Jahren" bei Sechzig. Welche Momente sind geblieben?
Es waren wahnsinnig schöne Jahre in München. Es hat für mich generell etwas Positives, wenn man länger bei einem Verein bleiben darf. Dieses Relegationsspiel gegen Kiel (2014/15) wird immer das erste sein, was mir in den Sinn kommt.

Relegations-Tor von Bülow war "ein unsterblicher Moment" 

Mit Ihrem alles entscheidenden 2:1 in letzter Minute, das Sie zum "Relegationsretter" machte. Wie präsent ist dieser Moment noch mit all seinen Konsequenzen?
Im Alltag habe ich nicht Sechzig München im Kopf, sondern Hansa Rostock. Aber man denkt hin und wieder daran, gerade, wenn ich mit Bekannten aus München spreche. Es war einfach ein unsterblicher Moment. Das ist natürlich schöner, als nie aufzufallen. Wenn man aufhört, wird einem nochmal bewusster, was man geleistet hat. Dieses Feedback von 1860, auch von den Fans, das war toll.

Stichwort Löwen-Chaos. Sie haben den Vergleich: Rostock ist auch ein Traditionsverein, aber an der Ostseeküste scheint mehr Ruhe zu herrschen?
Ja, ich denke schon. Es ist grundsätzlich schade, wenn der Fokus eher neben dem Platz liegt und der Fußball scheinbar zweitrangig wird, weil der Verein sportlich so viel zu bieten hat. Ich glaube trotzdem, dass ein Trainer wie Daniel Bierofka bei Sechzig seine Fußspuren hinterlassen kann.

Zurück zum Duell am Samstag: In den letzten acht Vergleichen holte Rostock vier Siege und zwei Remis, 1860 konnte seit 2008 nicht mehr im Ostseestadion gewinnen. Klingt nach Angstgegner…
Sechzig kann man schlagen, man kann aber auch verlieren. Sie sind eine sehr unangenehme Mannschaft, sehr aggressiv und zweikampfstark. Im Sturm sind sie durch ihre Wucht und Körpergröße brandgefährlich. Die Löwen sind für uns eine sehr schwere Aufgabe – und in dieser Hinsicht eine Mannschaft, gegen die man ganz und gar nicht gerne spielt.

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