Rätsel um verschollene Figuren Bekommt der Nordfriedhof seine Sphingen wieder?

Der Nordfriedhof auf einer Aufnahme von 1901. Hier sind die Steinfiguren vor den Säulen am Eingang (wenn auch klein) zu sehen. Rechts: Gockelkopf und Löwenkörper: Dieses Modell entsteht gerade. Die neue echte Sphinx wird dann aus Auerkalk gehauen. Foto: Stadtarchiv/ Wolfgang Gottschalk/AZ

Steinmetze bauen schon an einer Rekonstruktion der zwei verschollenen Fabelwesen, um der Stadt eine davon zu schenken. Die muss sich die Schenkung aber erst selber genehmigen.

 

München - Sie haben die Körper von Löwen, den Kopf eines Gockels mit weit aufgerissenem Schnabel und auf dem Kamm einen Heiligenschein. Und wenn der Stadtrat morgen ja sagt, kommen die zwei steinernen Fabelwesen aus dem Jahr 1899, die in Thomas Manns "Tod in Venedig" vorkommen, und die nach Kriegsende vom Westportal des Alten Nordfriedhofs an der Ungererstraße verschwunden sind (AZ berichtete), schon nächsten Frühling zurück.

Freilich nicht die Originale. Denn die sind offenbar verschollen. Es werden zwei mannshohe Rekonstruktionen sein – aus hellem Kelheimer Auerkalk gehauen von bayerischen Steinmetzen und Steinbildhauern. Die erste davon will deren Landesinnungsverband (München und Oberbayern) der Stadt nächstes Jahr zum 200-jährigen Bestehen der Friedhofsverwaltung schenken. Nur die zweite Figur muss bezahlt werden.

Stadt muss sich die Schenkung genehmigen lassen

Weil eine Steinstatue inklusive Material, Arbeit und Transport aber um die 43.000 Euro wert ist (und damit deutlich mehr als die in einem "Leitfaden" der Stadt erlaubten 10.000 Euro, die als Schenkung einfach so angenommen werden dürfen), muss der Stadtrat die Schenkung vorher ganz offiziell absegnen.

Es dürfe nämlich nicht der Eindruck entstehen, die Stadt "ließe sich durch die Zuwendung bei der Aufgabenwahrnehmung beeinflussen", heißt es in der Stadtratsvorlage.

Die Steinbildhauer jedenfalls haben mit den Vorbereitungen schon angefangen. In der Werkstatt des Steinbildhauermeisters und Natursteinrestaurators Wolfgang Gottschalk entsteht gerade ein Modell aus Styrodur (ein Material, das ein wenig fester ist als Styropor) und Gips. 1,80 Meter hoch, 2,20 Meter lang und 65 Zentimeter breit muss eine Sphinx werden, das haben die Experten anhand der Maße auf den alten Fotos abgeschätzt. "Das Modell sollte im Dezember fertig sein", berichtet der Münchner Innungs-Obermeister Markus Steininger auf AZ-Anfrage.

25 Handwerker werden an den Skulpturen arbeiten

Mitte April wollen die Steinmetze dann im Friedhof eine Art Werkstatt-Zelt aufstellen, in dem dann einige Wochen lang, bis Mitte Juli, öffentlich an der neuen Skulptur gewerkelt wird. Zehn Meisterschüler und 15 Lehrlinge aus verschiedenen Betrieben werden immer donnerstags, freitags und samstags in kleinen Besetzungen mit Hammer und Eisen an dem Steintrumm arbeiten, begleitet vom Meister Wolfgang Gottschalk. Im Sommer soll die erste Sphinx dann feierlich an ihren Platz kommen.

Wer die Schenkung finanziert? "Den Stein stiftet die Firma Kelheimer Naturstein", sagt Obermeister Markus Steininger, "die Arbeit und den Rest finanzieren wir aus den Mitgliederzahlungen an die Innung."

In München gibt es an die 20 Steinmetzbetriebe (in Oberbayern 128), die freuen sich über Lehrlingsnachwuchs. Da kann ein öffentlicher Blick auf das alte Handwerk allemal nicht schaden.

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