München: Ist die gestohlene Sphinx in Landshut?

Die Stadt München sucht zwei Fabelwesen, die einst am Hauptportal des Münchner Nordfriedhofs standen - die Spur führt nach Landshut.
| Ingmar Schweder
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So sehen sie aus, die gesuchten Sphingen. Sie haben einen Hahnenkopf und den Körper eines Löwen.
Archiv So sehen sie aus, die gesuchten Sphingen. Sie haben einen Hahnenkopf und den Körper eines Löwen.

München - Was hat am Morgen vier Beine, am Mittag zwei Beine und am Abend drei? In der Ödipus-Sage der griechischen Mythologie belagerte die Sphinx die Stadt Theben und gab den vorbeireisenden Thebanern ein Rätsel auf. Wer falsch antwortete, wurde gefressen.

Einzig Ödipus konnte ihr entkommen, denn er kannte die Antwort. Des Rätsels Lösung lautet natürlich: der Mensch.

Jetzt gibt es ein neues Rätsel um die Sphinx, besser gesagt: gleich um zwei Sphingen - wie sie in der Mehrzahl heißen. Und dieses Rästel ist scheinbar noch schwieriger zu lösen: Am 1899 eröffneten Münchener Nordfriedhof standen vor dem Hauptportal einst zwei monumentale Sphingen aus Kalkstein, eben jene "apokalyptischen Statuen", die in Thomas Manns Roman "Tod in Venedig" der Auslöser für die Reise des Protagonisten Gustav von Aschenbach waren.

Die Fantasiewesen mit Hahnenkopf und Löwenkörper wurden Ende der 50er oder 60er Jahren nach einem Stadtratsbeschluss von der Stadt München verkauft. Der Name des Käufers ist nicht mehr bekannt.

Die beiden Statuen - auf der linken steht "Sehet zu" und auf der rechten "Wachet und betet" - werden jetzt gesucht. Aus folgendem Grund: Anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Münchner Friedhofsverwaltung 2019 möchte die Stadt München die Sphingen rekonstruieren lassen.

Großes Problem bei der Suche: Es mangelt an Zeitzeugen


So sehen sie aus, die gesuchten Sphingen. Sie haben einen Hahnenkopf und den Körper eines Löwen. Foto: Archiv

Der mit der Arbeit beauftragte Friedhofsrestaurator und Steinbildhauermeister Wolfgang Gottschalk müsste im Idealfall für seine Rekonstruktion die originalen Sphingen nachmessen und begutachten. Gottschalk: "Jetzt geht es erst einmal primär darum, herauszufinden, wo sie abgeblieben sind." Ein Problem dabei: Es mangelt an Zeitzeugen.

Eine heiße Spur gibt es bereits: Nach einer Aussage des im vergangenen Jahr verstorbenen Bildhauers Karl Oppenrieder († 93) soll es sich bei dem Käufer damals um einen Kunstsammler aus Landshut gehandelt haben.

Nach weiterer Recherche Gottschalks rückte deshalb der ehemalige und mittlerweile verstorbene Landshuter Stadtrat und OB-Kandidat Maximilian Spitzlberger als Stein- und Kunstsammler in den Fokus.

Die Suche ergab, dass Spitzlberger seine Kollektion - er war unter anderem im Besitz eines Gambrinus - nicht alleine auf seinem Besitz unterbringen konnte - und sie deshalb auch an anderen Orten lagerte. Maximilian Spitzlberger war ein großer König-Ludwig-Fan, der sich auf einem Grundstück in Kumhausen ein Schloss bauen wollte. An das gescheiterte Vorhaben erinnert heute noch eine Mauer, die der ehemalige OB-Kandidat aus alten Friedhofssteinen mit lateinischen Inschriften um das Grundstück baute - und die später die Schlossmauer werden sollte.

Anfertigung mit Fotomaterial?

Nach dem Tod Spitzlbergers sind dann offenbar in einer Verkaufs- und Versteigerungsaktion viele Stücke in den Besitz neuer Sammler übergegangen.

Wie die Recherche von Dr. Mario Tamme , wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs, ergab, ist Maximilian Spitzlberger aber offenbar nicht der Landshuter Käufer der Sphingen, von dem Karl Oppenrieder kurz vor seinem Tod sprach. "Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Großskulpturen später doch mal im Besitz Spitzlbergers waren", sagt Tamme.

Wolfgang Gottschalk hofft nun auf weitere Hinweise: Der Steinmetz und Steinbildhauermeister hat den Auftrag von der Großstatue ein Eins-zu-Eins-Modell zu erstellen. "Dies ist aber wegen des sehr eingeschränkten Fotomaterials so nur bedingt möglich", sagt Gottschalk. Hilfreich dabei könnte das Grab eines Geschäftsmannes auf dem Berliner Luisenfriedhof sein. Dort sind zwei Sphingen mit exakt denselben Inschriften gefunden worden. "Leider sind am Grab nur die Hahnenköpfe genau abgebildet. Die Körper der Sphingen finden hingegen keinen Abschluss am Stein."

Die Zeit läuft. "Sollten wir bis Ende September dieses Jahres keinen spektakulären Fund der Originale vorweisen können, werden wir mit dem Fotomatrial ein erstes Modell anfertigen müssen", sagt Gottschalk. Geplant ist, im April 2019 auf dem alten nördlichen Friedhof an der Arcis-/Zieblanstraße in München das Modell der Sphingen aus einem Rohling zu schlagen. Die Arbeiten sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Hinweise zu dem Verbleib der beiden etwa 1,35 Meter hohen Skulpturen können an das Stadtarchiv Landshut abgegeben werden unter der Rufnummer 0871/881700.

Lesen Sie hier: Der (neue) Viktualienmarkt: Wie er wird, wie er war

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