Projekt in Deutschland gescheitert Alles muss raus! Obike-Räder werden für 69 Euro verkauft

10.000 Fahrräder von OBike stehen in der Lagerhalle in Barsbüttel (Schleswig-Holstein). Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Kurios: Weil der Start des asiatischen Leihradanbieters oBike in Hamburg platzte, werden nun Tausende der orange-silbernen Räder für 69 Euro verkauft. Was hinter der Aktion steckt.

Barsbüttel - In etlichen deutschen Großstädten sind sie zu sehen – die Fahrräder des asiatischen Leihradanbieters oBike. Doch statt auf der Straße findet man viele der Räder mittlerweile in Flüssen, auf Bäumen oder ohne Sattel und Lenker, vollkommen demoliert, auf dem Boden liegen.

obike: Auch München hat ein großes Problem

Mitte des letzten Jahres überschwemmte oBike den deutschen Markt mit den Billig-Rädern. Nachdem sich kein Erfolg eingestellt hatte, tauchte das Unternehmen größtenteils ab. So beispielsweise auch in München, wo noch immer unzählige der Fahrräder stehen. Und das obwohl die Verantwortlichen zuvor versichert hatten, den Großteil der Radl-Flotte wieder aus der Stadt zu entfernen. "In der letzten E-Mail an uns hieß es, sie versuchen die Fahrräder bis spätestens Ende Juli einzusammeln", so Lukas Raffl von der Stabsstelle Radverkehr im Juli. Und weiter: "Es ist für uns derzeit sehr schwierig mit obike in Kontakt zu treten."

Das Problem: Rein rechtlich hat die Stadt derzeit keine Handhabe, um die Fahrräder selber von den Straßen zu räumen. Denn solange es die Firma noch gibt, sind die Räder deren Eigentum, das auch auf öffentlichen Grund abgestellt werden darf. Lediglich bei herrenlosen Schrotträdern kann die Stadt eingreifen.

Involvenz in Asien: Keine Auswirkungen auf Deutschland?

Das Projekt obike in Deutschland ist als gescheitert anzusehen, der Service wurde nicht im gewünschten Maße genutzt. Im Juli kündigte Obike an, den Betrieb im Heimatmarkt Singapur einzustellen – Auswirkungen auf den deutschen Markt sollte es durch die Insolvenz jedoch nicht geben.

Auswirkungen der ganz besonderen Art gibt es jetzt jedoch für die Gemeinde Barsbüttel (12.500 Einwohner) in Schleswig-Holstein: Das Unternehmen hat dort vor etwa einem Jahr 10.000 Räder in einer Lagerhalle untergebracht, die eigentlich für den Beginn in Hamburg genutzt werden sollten. Doch anders als in anderen deutschen Großstädten, wie München, Frankfurt oder Berlin, ging oBike in der Hansestadt nie an den Start. Die Folge: Die Fahrräder blieben in der Halle – der Besitzer wurde sie nicht mehr los.

Schweizer Firma für Radl-Verkauf zuständig

Doch bis Ende des Monats soll das Lager nun geräumt werden – Tausende Räder müssen verschwinden. Zwischenzeitlich gehörten die Fahrräder dem Schweizer Transportunternehmen "Umzug24", das 6.000 der Bikes an Unternehmen in Norwegen und den Niederlanden weiterverkaufte. "Umzug24" war schon zuvor, seit dem Konkurs von oBike, für die Verteilung und Wartung der Räder verantwortlich. 200 Räder wurden dem Besitzer der Halle wegen der Unannehmlichkeiten überlassen, eigenen Aussagen zufolge möchte er sie an mehrere Flüchtlingsunterkünfte spenden.

Und was passiert mit den restlichen 3.800 Rädern? Die werden jetzt direkt vor Ort von "Umzug24" an Privatpersonen verkauft – ein fabrikneues oBike kostet demnach 69 Euro. Im Internet beschreibt "Umzug24" die Räder als "sehr robust und witterungsbeständig". Die Fahrräder seien "für lange Lebensdauer gebaut und dementsprechend einfach in der Bedienung." Ob die Räder auch bald auf Bäumen in Barsbüttel zu finden sind, bleibt abzuwarten.

 

Im Video: Das halten die Münchner von Leihrädern

 

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