Pressekonferenz nach der Wahl Dieter Reiter: Neuer OB im Corona-Modus

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Oberbürgermeister Dieter Reiter bei seinem Pressegespräch am Montag. Foto: Daniel von Loeper

Besonnen und bestimmt tritt OB Dieter Reiter am Tag nach seiner Wiederwahl auf. Seine oberste Priorität: Der Kampf gegen das Coronavirus.

 

München - Im großen Saal des Kreisverwaltungsreferates (KVR) stehen die Stühle für die Journalisten mindestens zwei Meter weit auseinander. Der am Sonntag mit eindeutigen 71,7 Prozent wiedergewählte alte, neue OB Dieter Reiter (SPD) geht mit langsamen Schritten, besonnenem Gesichtsausdruck – und großem Sicherheitsabstand – an den Stühlen vorbei. Statt Händeschütteln gibt es ein Winken aus der Ferne. Ein unsicheres Lachen geht durch die Runde – so richtig gewöhnt hat sich noch niemand an die neue Situation.

Als Reiter anfängt zu sprechen, klingt er nicht mehr so abgehetzt wie noch vor etwas über zwei Wochen mitten in der Nacht nach dem ersten Wahlgang am Harras, wenige Minuten nachdem klar geworden war, dass er in die Stichwahl gegen Kristina Frank (CSU) muss. Heute spricht Reiter mit ruhiger Stimme, als er dem Kreisverwaltungsreferenten Thomas Böhle (SPD), den anderen Kollegen aus der Stadtverwaltung und den freiwilligen Wahlhelfern für den "reibungslosen Ablauf dieser ungewöhnlichen Wahl", bei der nur per Brief abgestimmt werden konnte, dankt. Und seinen Münchnern, die ihm mit dem Ergebnis ganz eindeutig das Vertrauen geschenkt haben.

Coronavirus: Dieter Reiter als Krisenmanager

Doch dann wechselt Reiter voll und ganz in den Modus, in dem er schon seit Wochen ist: den des Krisenmanagers. Denn nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich wird diese Pressekonferenz geprägt sein von dem Coronavirus. Vollzeit-Krisenmanager ist der OB Reiter schon seit Wochen: Der Wahlkampf rückte für ihn völlig in den Hintergrund. Der OB hat in dieser Zeit, die er selbst als "größte Krise der Nachkriegszeit" bezeichnet, keine parteipolitischen Fragen mehr beantwortet. Stattdessen standen tägliche Sitzungen mit dem Corona-Krisenstab der Stadt und lange Gespräche mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf der Tagesordnung.

Mit Söder hatte Reiter auch am Wochenende vorab über die Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen gesprochen, die am Montag angekündigt wurde. Reiter plötzlich sehr bestimmt: "Ich weiß, diese sind eine große Herausforderung an die Münchner – und deshalb möchte ich danke sagen an alle, die sich an die Vorschriften halten." Zu denen, die das nicht tun, sagt er: "Ich glaube, vielen ist noch immer nicht bewusst, wie ernst das Thema ist."

Reiter erklärt: "Ich weiß, dass das ein ungewöhnliches Statement nach einem Wahlsieg ist." Und erklärt dann aber weiter, dass es nun einmal die "oberste Prämisse" sei, die Münchner durch diese Krise zu bringen. Alle weiteren wichtigen Themen dieser Stadt würde er wieder anpacken, wenn die "notwendige Ruhe" dafür da sei.

Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters am 4. Mai?

Dass die erste große Sitzung mit dem neuen Stadtrat trotzdem am 4. Mai stattfinden wird, schließt Reiter trotz der Corona-Krise nicht aus. "Wir könnten notfalls auch in einen größeren Saal ausweichen, sodass die 80 Kollegen mit genug Mindestabstand Platz finden", sagt Reiter. Sollte die Sitzung stattfinden, würde man neben der Vereidigung der neuen Stadträte bestimmt auch schon den Zweiten und Dritten Bürgermeister wählen.

Wer das werden wird, hängt entscheidend von dem Ausgang der Sondierungsgespräche ab. Bei den Grünen gilt Katrin Habenschaden, die es als OB-Kandidatin knapp nicht in die Stichwahl geschafft hatte, als Favoritin, bei der SPD die Fraktionschefin Verena Dietl. Sollte die CSU doch in der Regierung bleiben, gilt als wahrscheinlich, dass Bürgermeister Manuel Pretzl weitermacht.

Doch zurück zum wiedergewählten OB. Der genieße nach langen Tagen als Krisenmanager umso mehr die Zeit, die er jetzt daheim verbringen könne, erzählt er. Das war auch am Wahlabend so. Denn zu Zeiten, in denen Wahlpartys tabu sind, habe Reiter mit seiner Frau Petra einfach daheim zur Feier des Tages angestoßen. Reiter: "Vielleicht gibt es heute Abend noch ein zweites Gläschen."

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