Posse um Box-Weltmeister Jetzt sagt Charr: Pass wird erst beantragt

Verstrickt sich in Widersprüchen: Manuel Charr. Foto: Archivbild dpa

Die Staatsangehörigkeit des Schwergewichts-Weltmeisters Charr scheint geklärt. Der Titelträger, der behauptete, sein Pass liege auf dem Amt, besitzt wohl nur ein "Bleibe-Status-Dokument".

 

Berlin - Der WM-Kampf war sportlich eine Farce. Mit Ungereimtheiten um seine tatsächliche Staatsangehörigkeit ging der Titelträger Manuel Charr in die nächste Runde und verspielte sämtliche Sympathien.

Nach tagelangem Hin und Her und einem Rätselraten um die Existenz eines deutschen Passes erklärte der vermeintliche Nachfolger Max Schmelings als erster deutscher Schwergewicht-Boxweltmeister seit 85 Jahren im Kölner Express (Donnerstag), dass er nicht im Besitz eines deutschen Passes sei.

"Ich möchte mich beim deutschen Volk entschuldigen. Ich habe mich in den letzten zwei Jahren auf die Arbeit und Aussagen meiner Anwälte verlassen, die sich um das Verfahren kümmern wollten. Dass ich jetzt einen neuen Antrag stellen muss und auch werde, versteht sich von selbst", sagte er der Zeitung.

Der 33 Jahre alte Berufsboxer, der am Samstag in Oberhausen den Russen Alexander Ustinow besiegte, hatte 2015 einen Antrag auf einen deutschen Pass gestellt, der abschlägig beschieden worden sei. Der neue WBA-Boxweltmeister Charr, geboren im Libanon, vor 29 Jahren nach Deutschland geflohen und wohnhaft in Köln, hat ein Versteckspiel um die Existenz seines Passes inszeniert.

"Vor zehn Jahren hat Charr unsere Boxlizenz mit einem Bleibe-Status-Dokument erhalten. Die Kopie eines deutschen Passes ist nicht in den Unterlagen", hatte am Mittag der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, Thomas Pütz, auf dpa-Anfrage erklärt. Der Eintrag zu Charrs Nationalität bei Wikipedia lautet: "nicht geklärt".

Zuvor hatte der im Alter von vier Jahren geflohene Charr die Existenz der fraglichen Papiere gegenüber verschiedenen Medien bestätigt. Dabei verstrickte er sich in Widersprüche. Wortgewaltig hatte der Champion mit der schillernden Vergangenheit am Dienstagabend im TV-Sender Sky Sport News HD erklärt: "Ich bin deutsch zu 1000 Prozent. Ich kam im Trubel nicht dazu, meinen Pass abzuholen." Der Pass liege im Amt.

Charr war mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt

Der Kölner Express hatte ihn bereits zitiert, dass sein Einbürgerungsverfahren wegen eines möglichen Strafverfahrens auf Eis liege. Er werde jetzt Urlaub machen, "dann gehe ich zum Amt und hole meinen Pass. Deutschland hat einen neuen Weltmeister. Es gibt keinen Zweifel."

Charr (31 Siege/vier Niederlagen) hatte den vakanten WM-Gürtel des Verbandes WBA gegen den überforderten Ustinow einstimmig gewonnen. Der Sieg in der König-Pilsener-Arena wurde als erster deutscher WM-Titel im Schwergewicht gefeiert. Letzter Titelträger war Schmeling von 1930 bis 1932.

Der Vergleich mit einem der größten Heroen der deutschen Sport-Geschichte verbat sich ohnehin. Zu groß sind Unterschiede nicht nur im sportlichen Bereich. Der einst vor dem Bürgerkrieg in seinem Geburtsland geflüchtete Sohn eines Syrers Charr war in seiner neuen Heimat Deutschland mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er saß wegen einer Autoschieberei in Untersuchungshaft.

Vor zwei Jahren war Charr durch einen Bauchschuss in einem Döner-Imbiss in Essen lebensgefährlich verletzt worden und stand vor dem Karriereende. Eine Not-Operation rettete ihn. Auch ein chirurgischer Eingriff an beiden Hüftgelenken vor sieben Monaten stoppte ihn nicht. Charr ("Ich bin ein deutscher Panzer") hatte seinen Titel der Bundeskanzlerin Angela Merkel gewidmet, "weil Deutschland meine Heimat ist".

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