Politik Guttenberg: „Ich und mein leicht knorriger Charakter“

Zu Gast in der AZ-Redaktion: Karl-Theodor zu Guttenberg (37). Foto: AZ

MÜNCHEN - Der Minister im AZ-Interview. Der Shootingstar spricht über seine adelige Herkunft, seine Karriere, Horst Seehofer und die Zukunft von Opel

AZ: Herr zu Guttenberg, sind Sie stolz?

KARL-THEODOR ZU GUTTENBERG: Auf was?

Im Politbarometer sind Sie von Null auf Platz Drei geschossen.

Das sind Momentaufnahmen. Solche Einschätzungen können sich auch sehr rapide verändern. Vor allem angesichts der Aufgabenstellung, die ich als Wirtschaftsminister habe, ist jetzt in erster Linie Einsatz und Demut gefragt

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

Ich versuche immer authentisch zu sein. Mein leicht knorriger Charakter wird sich daher auch durch das neue Amt nicht verändern.

Könnte es sein, dass Ihr Erfolg auch mit Ihrer Herkunft zusammen hängt – dass es wieder eine Art Sehnsucht nach dem Adel gibt?

Das spielt doch heute zu Recht keine Rolle mehr. Ich habe der zu sein, der ich bin. Das hat wenig mit Herkunft zu tun, sondern auch damit, wie man seine Aufgaben meistert. Und ich wurde von frühesten Kindesbeinen gerade nicht zur Abgehobenheit erzogen.

Was würden Sie gerne an sich ändern?

Dass ich manchmal noch immer zu verschwurbelten Sätzen und einer gestelzten Ausdrucksweise neige. Das ist ja am Nockherberg wunderbar dargestellt worden.

Dort hat man Ihnen prophezeiht, Sie werden 2010 als Ministerpräsident kommen. Oder wird’s der Söder?

Nächstes Jahr kommt Seehofer zurück, und über- und übernächstes Jahr auch. Und viele weitere Jahre. Um Himmelswillen, ich habe mein Auftragsgebiet in Berlin.

Was sind die Stärken von Markus Söder?

Er hat den Weg vom manchmal sehr polternden Generalsekretär hin zur Sacharbeit sehr, sehr gut gemeistert. Natürlich hakeln wir manchmal miteinander. Aber wenn es geboten ist, können wir uns auch unterhaken. Wir haben wachsend Freude aneinander.

Sie sind in einer zwiespältigen Situation: Sie sind ein exponiertes Mitglied der CSU und Sie sind Mitglied der Regierung Merkel.

CSU und CDU sind keine eineiigen Zwillinge, sondern Schwestern. Und die dürfen sich auch mal einen Ringkampf leisten. Dass auch Steuer- und Abgabensenkungen im Konjunkturpaket sind, ist der CSU zu verdanken.

Ist es nicht schwer, sich mit Herrn Seehofer abzustimmen, weil der ja alle naslang seine Position ändert?

Eine so lange Nase gibt es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich mich immer bestens mit ihm abstimmen kann. Aber das fällt einem CSU-Mitglied vielleicht leichter als einem CDU-Mitglied.

Wo liegt Ihre Loyalität?

Bei der Regierungsarbeit selbstverständlich bei der Kanzlerin, bei parteipolitisch-inhaltlichen Fragen bei der Partei.

Konkret im Fall Schaeffler?

Da mahne ich, man soll nicht zu schnell Schritte in Aussicht stellen, die nicht rückgekoppelt sind mit den Kriterien, die wir aufstellen.

Da sind Sie mit Seehofer nicht einig.

Wir haben Bürgschaftsmodelle, die auf Landesebene greifen, und ab einer gewissen Größenordnung welche, die auf Bundesebene greifen. Ich bin sicher, dass wir am Ende gemeinsam richtig entscheiden werden.

Ist das der neue Kurs der CSU, wenn jetzt am Wochenende in Banz die Bauern, die Vertriebenen und die Ärzte gehätschelt werden sollen?

Es geht nicht um Hätscheln. Gruppierungen, die Fragen an die Politik stellen, muss man Gehör schenken. Im Übrigen finde ich, dass die CSU sehr gewonnen hat, weil sie jetzt intensive Debatten zulässt.

Apropos Debatten: Wie geht's der großen Koalition?

Wir müssen drauf achten, dass die Regierungsarbeit weiter klappt und nicht in Wahlkampf umschlägt. Das klappt zum Beispiel mit Finanzminister Peer Steinbrück häufig gut. Anderen kann man diesen Aufruf schon mal geben.

Wem?

Ich finde, dass man sehr darauf achten muss, dass man durch Forderungen, die dem Wahlkampf geschuldet sind, nicht die eigene Verhandlungsposition schwächt. Das gilt zum Beispiel für den Fall Opel. Damit meine ich das unreflektierte Versprechen von Milliarden an Steuergeldern für eine Bundesbeteiligung. Das wird natürlich auf der anderen Seite des Atlantiks mit wachen Ohren und ungläubigem Blick wahrgenommen.

Und Sie? Wenn kein Investor gefunden wird, lassen Sie dann Opel pleite gehen?

Ein Investor ist eine Grundvoraussetzung, um helfen zu können. Deswegen arbeiten wir mit Hochdruck daran, einen zu finden. Ich arbeite nicht mit Hypothesen, aber wenn die Kriterien nicht erfüllt sind, kann man nicht mit leichter Hand Hurra schreien.

Ist Opel nicht so wichtig wie die Banken?

Das ist keine Frage von wichtig und unwichtig, sondern der Systemrelevanz. Auch die HRE retten wir nicht um ihrer selbst willen. Aber es ist eben so: Ein Scheitern der HRE hätte schlimmere Folgen als bei Lehman Brothers.

Greifen die Ergebnisse von London dauerhaft?

Ich glaube, dass sie als Erfolg gewertet werden können, weil es tatsächlich gelungen ist, nicht nur über die Frage zu diskutieren, wer das größte Konjunkturpaket hat, sondern auch um echte strukturelle Fragen – Beispiel Steueroasen.

Was wird aus Ihnen nach der Bundestagswahl?

Ich denke wirklich nicht über September hinaus. Wir müssen vorher noch Wahlen gewinnen. Und vor allem müssen wir in der jetzigen Regierung anständige Arbeit abliefern. Man kann in diesen Tagen nicht davon sprechen, dass mir meine Aufgabe Spaß macht. Aber ich mache sie sehr gerne. Und sie verunsichert mich nicht.

bö, mak, mue, tan

 

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