Petar Radenkovic zum 80. Geburtstag Radi im Geburtstags-Interview: "1860 fehlte ein Hoeneß"

Fußball-Legende, Kneipen-Besitzer, Pop-Star: Petar Radenkovic wird 80... Foto: dpa

Petar Radenkovic, der Kult-Torhüter der Löwen wird 80. In Teil 1 des AZ-Gesprächs redet "Radi" über seine Zeit beim TSV 1860, Besuche in München und Manuel Neuer.

 

München - Petar "Radi" Radenkovic wurde am 1. Oktober 1934 in Belgrad geboren, spielte von 1962 bis 1970 für den TSV 1860 München und wurde 1966 mit den Löwen deutscher Meister. Mittlerweile lebt der ehemalige Torhüter wieder in seiner Heimat.

AZ: Herr Radenkovic, herzlichen Glückwunsch! Wie fühlen Sie sich mit 80?

Petar Radenkovic: Dankeschön! Aber das Alter ist uninteressant. Wichtig ist, dass man gesund ist. Ich bin viel in Bewegung, fahre Fahrrad, reise viel. Die zwei Töchter meiner Frau leben in Brüssel und London. Meine Töchter leben in Salzburg und München. Da ist viel los. Da wird es nicht langweilig.

Sind die Töchter fußballbegeistert?

Nein. (lacht)

Das hält Sie aber hoffentlich nicht ab, selbst noch Fußball zu schauen.

Nein, nein, ich schaue zuhause die Spiele der großen Klubs. Barcelona, Madrid, PSG, Chelsea, United. Manchmal fliege ich nach London, schaue ein Spiel und fliege wieder zurück. Ich habe vor kurzem Real gegen Barcelona im Fernsehen gesehen. Die haben spät gespielt, um neun Uhr abends. Da war ich um elf im Bett und konnte bis ein Uhr nicht einschlafen. Ich habe noch mitgefiebert. Oder bei der WM. Da habe ich fast alle Spiele gesehen. Ich schaue Fußball nicht einfach nebenbei. Ich schaue und frage mich: Wie wäre es, wenn ich auf dem Platz stehen würde?

Und was ist mit deutschem Fußball? Schauen Sie die Spiele der Löwen?

Klar schaue ich auch die Bundesliga. Wenn die Spiele meiner Löwen bei mir in Belgrad im Fernsehen laufen, auch. Die erste Halbzeit gegen Kaiserslautern war das Beste, was ich seit zehn Jahren von den Löwen gesehen habe.

Wie oft gehen Sie noch in die Allianz Arena?

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Ich bin fünf, sechs Mal im Jahr in München. Dann versuche ich, ins Stadion zu gehen. Aber dieses Mal habe ich Pech. Sechzig spielt auswärts.

Wir stehen hier in Ihrem Wohnzimmer, der Grünwalder Straße. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie hier auf dem Rasen stehen?

Das Stadion für sich hat damals eigentlich keine Rolle gespielt. Die Zuschauer waren das Entscheidende. Hier hatten wir immer einen Hexenkessel. Wir haben einen Stil gehabt, der die Zuschauer begeistert hat. Wir wollten immer so viele Tore wie möglich erzielen. Wir hatten einige Ergebnisse, die waren eine echte Sensation. Der HSV kam mit Uwe Seeler und hat neun Stück von uns bekommen. Karlsruhe sieben, Dortmund sechs.

Und Radi war immer als elfter Feldspieler mit dabei.

Ja, sicher. Es hieß immer: „Junge, bleib in deiner Kiste und halte, was zu halten ist.“ Ich habe das aber schon immer anders gemacht. Wir hatten hinten keine Weltklasse-Spieler. Perusic war der Einzige. Aber unser Sturm war Weltklasse. Also habe ich ein System entwickelt, dass die Abwehr nach vorne rückt und ich Raum habe, rauszugehen.

Und das war für Ihren Trainer Max Merkel okay?

Ich habe mit Max Merkel viele Kontroversen gehabt. Aber er hat mir nie gesagt, ich solle anders spielen. Er hat immer gesagt: „Das ist super.“

Heute hat Deutschland mit Manuel Neuer auch so einen Torhüter. Er ist gerade als Libero Weltmeister geworden.

Es hat mich sehr gefreut zu sehen, dass endlich in Deutschland ein moderner Torwart da ist. Deutsche Trainer haben 50 Jahre versäumt, einen solchen Torwart zu erzeugen. Es ist ein großer Verdienst von Jogi Löw, dass er ihn sein Spiel spielen lässt. Die Trainer haben sich immer nur darum gekümmert, nicht zu verlieren. Neun Spieler am eigenen Strafraum, einer vorne. In so einem System hat ein moderner Torwart nichts zu suchen. Die deutsche Nationalmannschaft spielt anders. Da steht die Abwehr fast an der Mittellinie. Und Neuer fängt dann die Bälle in die Tiefe ab.

An welche Spiele aus Ihrer aktiven Zeit erinnern Sie sich am liebsten?

Oh, viele Spiele hier waren unvergesslich. Aber auch andere. Wembley. Zürich. Oder hier gegen Real Madrid. Wir haben gegen die damals 1:0 gewonnen. Gegen Real Madrid. Gegen das alte Real. Wir hatten eine wirklich tolle Mannschaft. Das werde ich nie vergessen.

Hätte irgendein Spieler aus späteren 1860-Generationen eine Chance gehabt, in der Meister-Elf zu spielen?

Nix. Niemand. Keine Chance. Im Sturm hätte sowieso niemand eine Chance – bis heute. Brunnenmeier, Konietzka, Küppers, Luttrop, Grosser, Heiß. Dann hatten wir Perusic – niemand konnte sich mit ihm messen. Und Rudi Steiner war einer wie Philipp Lahm heute.

Die großen Erfolge von 1860 sind jetzt fünfzig Jahre her. Heute dominiert der FC Bayern. Was ist passiert?

So ist das eben. Wir hatten den Erfolg, als die Bayern noch Amateure waren. Die Bayern waren ein Niemand in München. Aber sie haben sich fantastisch entwickelt. Und mit Uli Hoeneß wurde dann alles anders. Die ganzen Erfolge, auch heute, sind Hoeneß zu verdanken. Unabhängig von Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier. Hoeneß hat alles gemacht. Wir hatten keinen Uli Hoeneß, das fehlte uns.

Am Donnerstag ab 6 Uhr Teil 2 des Interviews: Radi über die Lage der Löwen heute

 

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