Panorama Gegen den Qualm: Rauchverbot auch im Auto?

Rauchen im Auto: Bald auch verboten? Foto: AZ

MÜNCHEN - In Kneipen und Restaurants ist die Qualmerei untersagt – und bald vielleicht sogar im Auto. Laut Umfragen gibt es eine Mehrheit für diese Einschränkung. Die Experten sind sich aber uneinig.

 

Das wird das große Erregungsthema – nicht nur im Sommerloch: Soll in Autos generell das Rauchen verboten werden? Deutschland wäre europaweit Vorreiter. Der Vorschlag kommt von mehreren Unions-Politikern. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), dem eine ähnliche Forderung unterstellt worden war, dementierte dies gegenüber der AZ. Doch die Lobby der Rauchverbots-Befürworter ist groß.

So hat der Bundestagsabgeordnete Stefan Bilger (CDU) verlangt, das Rauchen zu verbieten, wenn Kinder im Auto mitfahren. Sein Parteifreund Karl-Heinz Florenz, der im EU-Parlament sitzt, wiederum verweist auf hohe Feinstaubwerte in Raucherautos. Schon früher hatte die CDU-Politikerin Katherina Reiche mit der Forderung eines Rauchverbots am Steuer für Aufsehen gesorgt. Auch SPD-Verkehrsexperte Peter Dancker warnte vor einer drastischen Steigerung der Unfallgefahr durch das Qualmen im Auto.

Bislang hält sich die öffentliche Empörung für solche Vorschläge noch in Grenzen. Ohnehin würde eine deutliche Mehrheit ein Verbot für richtig halten, nur 14 Prozent aller Autofahrer rauchen im Fahrzeug. Unter Rauchern verzichten fast 30 Prozent während der Fahrt (siehe Info).

Munition für die Qualm-Gegner liefert der österreichische Verkehrsclub VCÖ:

Der Rauch im Fahrzeuginneren senke die Konzentrationsfähigkeit, weil der Kohlenmonoxidgehalt im Blut ansteigt, der Sauerstoffgehalt im Gehirn sinkt.

Das Anstecken der Zigarette während der Autofahrt bei Tempo 100 bedeute einen „Blindflug“ über 140 Meter.

Untersuchungen in Deutschland hätten ergeben, dass rauchende Autofahrer fast doppelt so häufig in Unfälle verwickelt sind wie Nichtraucher hinterm Steuer.

Die Schadstoffkonzentration liegt im Raucher-Pkw 30-mal höher als der Grenzwert für Feinstaub.

Der deutsche Automobilclub ADAC ist da ganz anderer Meinung. „Wir lehnen ein Rauchverbot in Autos strikt ab“, sagt Sprecher Maximilian Maurer der AZ. Aus Sicht der Verkehrssicherheit – und nur darüber könne der Club urteilen – bestehe keine Notwendigkeit. Es gebe keine Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen Rauchen am Steuer und Unfallhäufigkeit herstellen. Zur Frage der Gesundheitsgefährdung von Kindern sagt Maurer: „Das müssen Eltern selbstverantwortlich entscheiden.“

Versicherungstechnisch ist Rauchen am Steuer kein Problem – es sei denn der Fahrer lässt seine Zigarette fallen, bückt sich nach ihr und baut einen Unfall: Dann kann ihn die Versicherung wegen grober Fahrlässigkeit in Regress nehmen – das wird womöglich richtig teuer. Michael Heinrich

 

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