Ost-Renten und West-Renten im Vergleich Rentenerhöhung: Warum bekommt der Osten mehr Geld?

Arbeitsministerin Andrea Nahles im Bundestag: Die SPD-Politikerin hat jetzt die Rentenerhöhungen zum 1. Juli 2014 bekanntgegeben. Foto: dpa

Im Westen steigt die Rente zum 1. Juli nur wenig stärker als die Inflationsrate, in Osten um  gut 2,5 Prozent. Warum in den neuen Ländern mehr gezahlt wird

 

Berlin - Eine gute Nachricht, die nicht alle erfreut: 20 Millionen Rentner bekommen ab 1. Juli mehr Geld.

Erneut fallen die Erhöhungen in Ost und West unterschiedlich aus – in den neuen Bundesländern bekommen die Senioren 2,53 Prozent mehr, in den alten Ländern sind es nur 1,67 Prozent.

Zwei Dinge trüben die Freude, bei West-Rentnern: Nach der realen Minus-Runde 2013 – die Rente stieg im Westen um 0,25 Prozent – liegt die Steigerung heuer zwar über der für 2013 ermittelten Inflationsrate von 1,5 Prozent. Allerdings nur knapp mit 0,17 Prozent – so viel ist die Rentenerhöhung also real wert.

Das zweite Ärgernis: Erneut werden die Renten in Ostdeutschland stärker erhöht als im Westen.

Ein Münchner Rentner, der beispielsweise bisher 1000 Euro im Monat erhielt, bekommt ab 1. Juli 1016,70 Euro – ein Dresdner Rentner, der bis Ende Juni genau so viel Geld bekommen hat, darf sich ab Juli über 1025,30 Euro freuen.

Dabei ist es in der Realität mitnichten so, dass Ost- und Westrentner gleich viel Geld bekommen – den Senioren im Osten wird durchschnittlich mehr Geld ausgezahlt als im Westen. Und in den letzten Jahren ist diese Kluft gewachsen: Als im vergangenen Jahr die Renten im Westen um ein viertel Prozent stiegen, wurden sie im Osten zeitgleich um 3,29 Prozent angehoben.

Nach den letzten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung erhält ein männlicher Durchschnittsrentner im Westen Ende 2012 im Monat 1005 Euro Altersrente, im Osten waren es 1073. Bei Frauen ist der Unterschied besonders gravierend: Im Westen gibt’s 508 Euro, im Osten 730 (alle Werte netto, ggf. vor Steuern).

Woher kommt diese Differenz? Warum gibt es im Osten mehr und immer mehr Rente? Der Hauptgrund liegt in der Systematik der Rentenversicherung: Jeder Arbeiter oder Angestellte erhält je nach Höhe seines Einkommens bzw. seiner Beiträge Punkte.

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Diese Punkte haben einen bestimmten Wert. Verdient man zum Beispiel im Westen jetzt genau so viel wie der Durchschnitts-Bürger, wird dem Rentenkonto ein Punkt gutgeschrieben. Würde man nur halb so viel verdienen sind es 0,5 – maximal sind knapp 2 Punkte möglich.

Ein West-Punkt ist derzeit 28,14 Euro wert – 40 Jahre mit je einem Punkt bringen dann eine Monatsrente von 1125,60 Euro. Ein Ost-Punkt ist weniger wert, nämlich nur 25,74. Dieser Rentner würde nach 40Jahren also nur 1029,60 Euro im Monat bekommen.

Eigentlich ist ein Ost-Arbeitsjahr also weniger wert – diesen Wert meint Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), wenn sie vom „Rentenniveau im Osten“ redet. Trotzdem bekommt der Durchschnitts-Ostdeutsche mehr Rente als ein „Wessi“. Denn die jetzigen Ost-Rentner haben länger gearbeitet. Bei weit mehr als der Hälfte der Rentner sind es mehr als 45 Jahre, die angerechnet werden.

Wenn so viele Jahre – also Punkte – mit dem leicht verringerten Ost-Rentenwert multipliziert werden, kommen höhere Rentenansprüche zustande.

Bei Frauen ist das noch deutlicher: Mehr als 60 Prozent der Rentnerinnen im Osten haben mehr als 40 Beitragsjahre, im Westen sind es nur gut 20 Prozent. Erwerbsbiografien ohne Arbeitslosigkeit sind im Osten nach der Wende aber immer seltener geworden.

Zwei weitere Faktoren lassen die West-Renten geringer steigen als die Ost-Bezüge: Im Osten steigen die Löhne stärker als im Westen – die Rentenentwicklung ist auch an das Lohnniveau gekoppelt. Und: Als nach der Finanzkrise die Einkommen sanken, hätte die Regierung auch die Renten senken müssen. Merkel verzichtete auf diese bei West-Rentnern eigentlich fällig gewordene Minus-Runde. Das büßen die heuer zum letzten Mal mit einem Abschlag auf die Rentenerhöhung.

 

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