Oktoberfest-Kolumne Bescherung zum Wiesn-Start

Laura Kaufmann geht heuer mal jeden Tag auf die Wiesn – und schreibt hier täglich darüber. Foto: dpa/Collage AZ

Zwischen Bescherung und Alltag: Die Wiesn-Reporterin Laura Kaufmann über die Gemeinsamkeiten zwischen Wiesn und Weihnachten.

 

Warten auf den Anstich ist wie Warten auf das Christkind. Und Bescherung, das ist, wenn die erste Maß vor einem steht. Keine schmeckt so gut wie diese erste. Billionen Mal prosten wir uns damit zu, weil’s grad so schee is. Dann fliegen ein paar Hendl herbei, und das Wiesnglück ist perfekt.

Anstichtag ist einer der schönsten Wiesntage überhaupt dank dieses Bescherungsgefühls, welches das ganze Zelt teilt. Aber nach dem Hochgefühl der ersten Maß folgt ein kurzer Moment der Ernüchterung: Allein wegen der greisligen Musik, die man im Radio sofort wegdrücken würde, hörte man überhaupt Radio. Dafür die ganze Vorfreude? Rumsitzen und Umptata? Diesen kleinen Zweifel gilt es zu bekämpfen, und da hilft nur die zweite Maß.

Und schon reißt einen der Wiesntrubel in einem Tempo mit, das keine Zeit für Zweifel lässt. Alle sind fürs Bescherungsgefühl gekommen, und sie sind über die ganze Wiesn verteilt: in Zelten, in Biergärten, im Weißbierkarussell. Großes Servus hier und Umarmungen da und zuprosten, zuprosten, zuprosten. Irgendwo verhockt man sich dann doch, und ehe man sich’s versieht, steht man am Schnapslstand und hat noch nicht ein Fahrgeschäft von innen gesehen.

Aber am ersten Samstag ist es wichtig heimzugehen, wenn’s genug ist. Bevor es zu viel ist. Auf keinen Fall darf man es riskieren, sich jetzt schon nerven zu lassen von dem Trubel, wenn man den ehrgeizigen Plan hat, null Fehltage zu erreichen.
Am Sonntag ist das Tempo gemütlicher. Der erste Samstag, das ist ausgelassener Wiesnwahnsinn, der Sonntag, der ist: in Ruhe genießen. Schlendern und schauen. Beisammensitzen und ratschen, statt ins Handy zu plärren: „Waaas? Wooo bist du? Welcher Eingang?“

Der Sonntag, der ist der griabige Ausklang zum Samstag. Die Wiesn ist wieder da, herrlich aufregend, noch etwas Besonderes. Wie ein gerade ausgepacktes Geschenk. Aber jetzt – jetzt beginnt ihr Alltag.

 

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