Oktoberfest 2019 Jetzt gibt's klimafreundliches Wiesn-Bier

Wiesn-Besucher stoßen im Hofbräu-Zelt miteinander an. Hier gibt es seit diesem Jahr CO2-neutrales Bier. Foto: Sven Hoppe/dpa

Erstmals können Wiesn-Besucher dieses Jahr auf dem Oktoberfest CO2-neutrales Bier trinken. Was die Stadt außerdem für eine ökologische Wiesn unternimmt.

 

München - In Berlin wird ja derzeit hart um ein Maßnahmenpaket für den Klimawandel gerungen, bis zum Freitag will die Große Koalition ihre Vorschläge beisammen haben. In München beginnt einen Tag später das Oktoberfest – und hier ist Klimaschutz heuer auf ganz unpolitische Art und Weise möglich: Beim Biertrinken. Klimaschutz im Bierzelt quasi.

Oktoberfest mit CO2-neutralem Wiesnbier

Denn erstmals wird es auf der Wiesn klimaneutral hergestelltes Bier geben: Und zwar im Hofbräu-Festzelt und allen Festbetrieben, die HB-Bier ausschenken (Schönheitskönigin, Weißbierkarussell Fahrenschon und die Weißbieralm). "Hofbräu hat bereits 2010 angefangen, seinen C02-Fußabdruck wissenschaftlich komplett zu messen, und zwar vom Acker bis zum Glas", erklärte Brauereichef Michael Möller am Montag bei der Vorstellung des Konzepts.

Resultat: Allein rund vier Kilo CO2 pro Hektoliter "kostet" ein Wiesnbier in der Herstellung. Mit dem Transport und dem Betrieb der Zelte kommen in den zwei Wiesn-Wochen so 66 Tonnen CO2 zusammen. "Unser Ziel war, mittelfristig komplett klimaneutral zu arbeiten", sagt Möller. Modernisierungs-Maßnahmen in der Brauerei waren dazu ein erster Schritt. Neben diesen betrieblichen Maßnahmen hat Hofbräu zudem ein eigenes Programm aufgebaut, um seinen CO2-Ausstoß zu kompensieren.

Hofbräu setzt auf Humus zur CO2-Kompensation

"Für uns gilt dabei: Wenn wir den CO2-Ausstoß nicht vermeiden können, wollen wir ihn verringen. Alles, was ausgestoßen wird, wird dann auch kompensiert", so Möller. Seit diesem Jahr arbeitet HB deswegen mit einem Landwirt in Thann zusammen, der auf 44 Hektar seiner Ackerflächen humusaufbauende Bewirtschaftung betreibt. "Rund 100 Tonnen CO2 werden dadurch in den nächsten fünf Jahren pro Jahr gebunden", erklärt Brauerei-Ingenieur Manfred Mödinger, der HB in Umweltfragen berät. Im Jahr 2017 realisierte die Brauerei zudem die Renaturierung eines Moorgebietes im Chiemgau – beide Maßnahmen wurden von einem sachverständigen Gutachter offiziell validiert, nach den EU-weit gültigen EMAS-Standards.

Und nicht nur Hofbräu sorgt sich inzwischen um das eigene Klima-Image. Auch die Stadt als Veranstalter setzt 2019 erneut auf Ökologie. Wiesn-Chef Clemens Baumgärnter (CSU): "Wir setzen wieder Öko-Strom und Ökogas ein und setzen auf Mülltrennung."

Dazu gehört etwa ein Verbot von Einweggeschirr und ein Getränkedosenverbot. Sämtliche Abfälle werden so gut es geht recycelt. Und auch Wiesn-Wasser wird gespart: Sieben Zelte betreiben sogenannte Grauwassernutzungsanlagen. Das Nachspülwasser der Spülmaschinen wird dort nicht ins Abwasser geleitet, sondern für die Zelt-Toiletten verwendet. Baumgärtner: "Und natürlich belohnt die Stadt bei der Bewerbung von Schaustellern und Wirten Öko-Maßnahmen – etwa den Verkauf von regionalen Bio-Produkten oder den Einsatz von E-Fahrzeugen."

Freilich: Den CO2-Fußabdruck der Australier, Neuseeländer und (Süd-)Amerikaner, die extra für die Wiesn nach München fliegen, werden weder Bier noch Öko-Strom vollends aufwiegen. Da müssen dann andere Maßnahmen her – die in Berlin gefunden werden wollen.

 

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