Obergiesing Besuch im "Rotwand eins": Bayerische Tapas und ein Bücherschrank

Despina Pajanou führt gemeinsam mit Ehemann Rudolf Kosch das ungriechische "Rotwand eins“. Foto: Sigi Müller

Die sehr unaufgeregte Schauspielerin Despina Pajanou führt das sehr unaufgeregte Lokal "Rotwand eins" in München Giesing.

München - Natürlich gibt es auch eine kleine Ecke im Laden, in der Fotos von Despina Pajanou bei der Arbeit hängen – also bei ihrer anderen Arbeit: zum Beispiel als Polizistin in der Fernsehserie "Doppelter Einsatz". Das habe der Innenarchitekt vorgeschlagen, sagt sie, und sich davor fotografieren lassen mag sie nicht so gern.

Das Bild, das Pajanou an dem Wandmeter neben dem Empfangstisch am meisten mag: ein gezeichnetes von ihr und Ehemann Rudolf Kosch. Zwei Strichfiguren mit breiten Lächelmündern. "Spini + Rudi" steht darüber. "Das hat eine Freundin gezeichnet", sagt die 59-Jährige. "Sollte eigentlich nur ein Platzhalter sein für ein Foto von uns, das da hin sollte. Aber ich find’s so sehr schön."

"Sie braucht immer eine Großfamilie um sich herum"

Unaufgeregt ist sie, zapft entspannt Bier für die Fotos, bespricht zwischendurch kurz mit ihrem Mann, wer noch mit der gemeinsamen Hündin rausgeht.

Nachdem Pajanous Arbeit als Kommissarin Sabrina Nikolaidou bei "Doppelter Einsatz" in Hamburg zu Ende gegangen ist, haben sie und Kosch sich einen Wunsch erfüllt und ein Lokal eröffnet, mit 80 Plätzen drinnen und 40 draußen, benannt nach seiner Adresse am Anfang der Rotwandstraße in Obergiesing.

Zweieinhalb Jahre ist das her. "Ich habe erstmal die Füße stillgehalten", sagt Pajanou. Anders als manche Kollegen, die ihr Etablissement sehr laut mit ihrem Namen vermarkten. "Aber jetzt sage ich doch was, denn jetzt haben wir wirklich unseren Stil gefunden."

Die Schmankerl im "Rotwand eins"

Es gibt Steak vom heißen Stein: Das Fleisch kommt roh an den Tisch und auf dem Lavastein braten es die Gäste selbst. Dazu gibt es bayerische Tapas wie frittierte Käsebazi-Kugeln, Kartoffelplaunzen oder Entenwürstchen (jeweils 5,50 Euro). Die sind abgesehen von Pajanou das einzig Griechische im Rotwand eins: "Das wollte ich gern so haben, wie es die Griechen machen: immer viele kleine Sachen auf dem Tisch zum Teilen", sagt Pajanou.

Zum Teilen ist auch das Bücherregal in einer Ecke des Lokals: Man nimmt ein Buch mit und lässt dafür ein anderes da. Und im kleineren der zwei Räume finden ein-, zweimal im Monat Veranstaltungen statt – am 24. Oktober zum Beispiel spielt Veronika von Quast eine kabarettistische Revue. Die Auftretenden zahlen keine Raummiete – "ob sich das rechnet, daran habe ich gar nicht gedacht", sagt Pajanou. "Ich freue mich einfach und schaue die Sachen auch selbst an."

Das Paar hatte ab 1983 schonmal eine Kneipe, in Haidhausen. "Meine Frau braucht immer eine Großfamilie um sich herum", ruft Kosch vom Tresen ins Gespräch. "Darum hatten wir Zuhause ständig Gäste und ich hab’ irgendwann gesagt: Lass’ uns eine Kneipe aufmachen, damit unser Kühlschrank nicht immer leer ist." Pajanou schaut etwas strafend. Aber dann lacht sie auch.

Rotwandstr. 1, Mo-Fr 17-24 Uhr, Sa/Feiertag 18-24 Uhr

 

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