Neues Sozialpaket für Senioren Alltagshilfe und Treffpunkte: Wo Rentner Hilfe finden

Niemand soll sich in München einsam fühlen: Aus diesem Grund investiert die Stadt in die Alten- und Service-Zentren. Foto: dpa

270.000 Menschen in der Stadt sind über 65, jeder vierte davon sogar über 80 Jahre alt. Um sie zu unterstützen, will die Stadt 36 Millionen Euro investieren – auch für präventive Hausbesuche.

 

München - Gar nicht so einfach, dieses Altwerden. Sowieso nicht, wenn der Rentengeldbeutel schmal ist - wie für die rund 15.000 Münchner Rentner, die Sozialhilfe erhalten. Aber auch für die nicht, die finanziell besser dastehen. Auch sie belasten oft quälende Fragen.

Wie das Leben weitergehen soll, wenn der Partner gestorben ist, zum Beispiel. Was man an verregneten Tagen allein mit sich anfangen soll. Wer beim Papierkram hilft, den man nicht mehr versteht. Wie man zum Augenarzt kommt, wenn das Gehen schwerfällt. Oder ganz banal, wer eigentlich die Glühbirne wechseln kann, da hoch oben an der Decke.

Neues Sozialpaket für 2,7 Millionen Euro

In München sind 270.000 Menschen über 65 Jahre alt. 71.000 davon haben sogar die 80 überschritten – und gerade ihre Zahl wird in den nächsten 20 Jahren massiv ansteigen, auf dann 95.000 Hochbetagte. "Eine Menge Menschen, die Hilfe brauchen und noch mehr brauchen werden", sagt Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD). Um sie zu unterstützen, investiert die Stadt München jetzt schon jährlich rund 34 Millionen Euro freiwillig, zusätzlich zu Pflichtposten wie der Grundsicherung vom Bund.

Für Zuschüsse zum Seniorenticket etwa, für neue Pflegeformen, Beratungsstellen, Kurse für Senioren. Und: für die inzwischen schon 32 Alten- und Service-Zentren (ASZ), die über beinahe alle Viertel der Stadt verteilt sind. Um noch mehr Rentner mit Hilfen zu erreichen, hat Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) jetzt ein neues Sozialpaket geschnürt, in das die Stadt weitere 2,7 Millionen Euro jährlich freiwillig pumpen soll.

Mehr Hilfe durch Treffpunkte, Mittagstische und die alltägliche Hilfe

Demnach soll deutlich mehr Geld in Beratungsstellen für ältere Menschen und deren Angehörige fließen (vor allem zum Thema Pflege und Demenz). Vor allem aber die 32 Alten- und Service-Zentren sollen noch mehr leisten können als bisher – die Anlaufzentren im Viertel also, die für jeweils rund 10.000 Senioren im Wohnumfeld zu Fuß oder mit dem Bus oder der U-Bahn erreichbar sind.

Dort gibt es nicht nur Treffpunkte und sehr günstige Mittagstische für die Alten im Viertel, sondern auch Kursangebote, Vorträge und Berater, die Hilfe vermitteln. 13 dieser 32 Häuser hat das Sozialreferat in den letzten drei Jahren zu "ASZ Plus" umgewandelt.

Das heißt: Dort sind Sozialpädagogen beschäftigt, die nicht darauf warten, dass Senioren sich hilfesuchend an sie wenden: Sie wandern das Viertel ab und besuchen alte Menschen vorbeugend. Fragen nach, ob Hilfe gebraucht wird. Vermitteln Helfer für Arztbesuche, den Haushalt, fürs Sichten der Post. Sie klären, ob die Rente reicht und beraten, wo noch Sozialgeld beantragt werden kann. Ein einmaliges Modellprojekt in Deutschland.

Niemand soll sich alleingelassen fühlen

Das ASZ in der Maxvorstadt gegenüber der TU an der Gabelsbergerstraße 55a arbeitet beispielsweise so. Das Viertel, das als sehr studentisch gilt, ist auch eine Hochburg für alleinstehende Senioren. In mehr als zwei von drei Haushalten leben Singles. Jeder siebte Bewohner ist über 60 Jahre alt. "Viele Ältere bei uns", sagt ASZ-Chefin Birgit Schmidt-Deckert, "leben mit wenig Geld seit Jahren allein in ihrer Wohnung und scheuen sich, um Hilfe zu bitten."

Seit die Hausbesucher des "ASZ Plus" ausgeschwärmt sind und Single-Senioren präventiv aufsuchen, habe sich die Zahl der ASZ-Besucher, die Gesellschaft und Hilfe suchen, deutlich erhöht. "Bei uns treffen sich jede Woche an die 800 Senioren", erzählt die Chefin. Manche zu Gesprächsgruppen oder zu Kulturevents wie dem Lyriksalon. Andere zu Sportkursen oder Ausflügen. Und viele zum Mittagstisch, bei dem gerade die Ärmsten sehr günstig essen können.

Mit dem neuen Sozialpaket "Gesamtkonzept Münchner Altenhilfe" will die Sozialreferentin bis zum nächsten Sommer auch die restlichen 19 ASZ zu "Plus"-Häusern umbauen und Sozialpädagogen einstellen, die vorbeugend nach Problemen bei den Münchner Senioren fahnden. "Wir möchten am liebsten jeden Alten erreichen", sagt die Maxvorstädter ASZ-Chefin Birgit Schmidt-Deckert. "Es sollte sich Niemand im Viertel mit seinen Sorgen allein gelassen fühlen."

750 Euro Rente

Vor allem Rentnerinnen müssen in München oft mit ihrem Geld jonglieren: 750 Euro Rente haben Frauen hier im Schnitt pro Monat, hat Bürgermeisterin Christine Strobl errechnen lassen. Männer können ein Viertel mehr ausgeben: Ihre Durchschnittsrente beträgt demnach rund 1.000 Euro. Dass sehr viele der rund 270.000 Münchner Alten in der teuren Landeshauptstadt nur schwer mit ihrem Geld zurechtkommen – kein Wunder.

14.750 Senioren haben vergangenes Jahr Zuschüsse vom Sozialamt beantragt, weil ihr Geld nicht fürs Nötigste wie Miete, Heizung, Essen, Medizin und Kleidung reicht. Die sogenannte "Grundsicherung" stellt immerhin sicher, dass nach Abzug der Warmmiete plus Strom 430 Euro zum Leben bleiben. Das sind 4,1 Prozent mehr alte Sozialgeldbezieher innerhalb nur eines Jahres. Tendenz: leider weiter steigend.

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