Neuer Löwen-Trainer Der Alles-Köllner: Sechzigs neuer Coach von A bis Z

Ein Fußball-Lehrer durch und durch: So beschreiben ehemalige Spieler den neuen Löwen-Trainer Michael Köllner. Foto: Ulrich Wagner /dpa

Fußball-Lehrer, Taktik-Freak, Spielerentwickler: Michael Köllner bringt viele Eigenschaften mit, die Sechzig gut gebrauchen kann. Und auch sonst ist der 49-jährige Oberpfälzer ein ganz besonderer Typ.

 

München - Spielerentwickler, Zahnarzthelfer, gläubiger Christ – spätestens seit seiner Vorstellung am Montag wissen die Sechzger-Fans: Der neue Löwen-Dompteur ist alles, bloß kein gewöhnlicher Fußball-Lehrer. Der 49-Jährige hat sich in der Branche mit dem überraschenden Aufstieg des 1. FC Nürnberg in die Bundesliga 2017/2018 einen Namen gemacht und schreckt offensichtlich auch vor Traditionsvereinen mit turbulentem Innenleben nicht zurück. Grund genug, sich diesen "Allesköllner" einmal näher anzuschauen. Die AZ hat ihn durchleuchtet – von A bis Z:

Abitur: Gebaut hat er seine Hochschulreife am Klosterinternat, eine harte Zeit für Köllner, in der er mit 20 anderen Kindern im Zimmer nächtigen musste: "Das war kein Zuckerschlecken. Mein Wehrdienst war ein schönes Ferienlager dagegen. Da kann man sich ausrechnen, wie es im Kloster war", beschreibt Köllner sein Leben dort.

Bornemann, Andreas: Ehemaliger Sportvorstand des 1. FC Nürnberg. Beförderte Köllner zum Profi-Trainer und bildete mit ihm bis zum Schluss eine Schicksalsgemeinschaft: Der heutige St. Pauli-Boss weigerte sich, Köllner zu entlassen und musste deshalb selbst beim Club gehen.

Spielerentwickler und Söder-Fan

Club: Beim fränkischen Traditionsverein gelang Köllner der Durchbruch. Nach der Entlassung von Alois Schwarz (heute Trainer des Karlsruher SC) wurde der FCN-Nachwuchskoordinator als dessen Nachfolger bei den Profis installiert.

Defensive: Sie gehört nicht unbedingt zu Köllners großen taktischen Leidenschaften. Der Oberpfälzer ist voll auf Attacke gepolt, will, dass seine Mannschaften immer Fußball spielen.

Erfolg: Sein größter war bislang der Aufstieg in die Bundesliga mit dem Club 2017/2018.

Fuchsmühl: Sein Geburtsort, ein Flecken im Landkreis Tirschenreuth mit 1560 Einwohnern.

Guardiola, Pep: Beim früheren Bayern-Trainer hospitierte Köllner vom 5. bis 12. Juli 2013 im Trainingslager am Gardasee. Auch bei Borussia Mönchengladbach unter Lucien Favre war er 2015 Hospitant. Und auch die Löwen kennt er schon: Hier hospitierte er im Jahr 2004.

Heimatverbunden: Wohnsitze in Nürnberg und Regensburg, kommt aber immer wieder gerne nach Fuchsmühl zurück. Sagt für das Jubiläum des örtlichen Dorfladens sogar schon mal seinen Urlaub ab. Jetzt will Köllner nach München ziehen.

Katholisch und heimatverbunden

Interessen: Sport, Politik, Wirtschaft, Psychologie, aber auch Brauchtum und Religion spielen beim neuen Löwen-Coach eine große Rolle.

Jugendstil: Gilt als "Spielerentwickler" (O-Ton Sechzig-Geschäftsführer Günther Gorenzel), der junge Spieler fördert und aus wenig viel machen kann – genau das, was 1860 gefragt ist.

Kirche: Als gebürtiger Oberpfälzer katholisch durch und durch. Der 49-Jährige spricht häufig und sehr offen über seinen Glauben. Wollte als Kind Pfarrer werden und schickt seine Spieler sogar ins Kloster. Verzichtete in Nürnberg auf einen Sportpsycholgen, lud dafür in Trainingslagern häufig einen Geistlichen zum Gruppen-Gespräch ein.

Löwen, Eduard: Das wohl größte Talent in den letzten Jahren beim FCN und von Köllner entdeckt und gefördert. Der Transfer des U21-Nationalspielers zu Hertha BSC Berlin spülte dem klammen Club über acht Millionen Euro in die Kasse.

Ministerpräsident: Michael Köllner ist ein großer Fan von Markus Söder.

Serienfan und besondere Pressekonferenzen

Nachwuchsleistungszentrum: Köllner machte sich in Nürnberg einen Namen als Leiter des NLZ, soll auch bei den Sechzgern den Nachwuchs- mit dem Profibereich enger verbinden.

Opernball: War Stammgast beim Nürnberger Edelschwoof, wird sich sicher auch in München bei exklusiven Veranstaltungen sehen lassen.

Petra Freitag: Seine Lebensgefährtin, ihren Sohn Alexander hat Köllner zeitweise in Regensburg und beim FCN trainiert.

Q: In Nürnberg stand bei Köllner ein Modell aus Audis SUV-Reihe in der Garage. Bei den Löwen muss er wohl auf VW umsteigen.

Rechtsstreit: Führte einen selbigen mit dem Club nach seiner Entlassung, der aber nur kurz währte. Beide Parteien einigten sich außergerichtlich.

Serien: Köllner ist ein großer Fan amerikanischer Sitcoms wie "Two and a half men", "King of Queens", "Big bang theory".

Löwen sind seine 15. Station als Trainer 

Taktik-Handbücher: Verfasser zahlreicher Fußball-Fibeln mit so spannenden Titeln wie "Spielfähigkeit im Fußball" oder "4-gegen-4-Variationen".

Unterfordert: Ein Job genügte ihm in Nürnberg nicht. Während er parallel den Club zum Aufstieg coachte, leitete er weiterhin das FCN-NLZ.

Verträge: Hat er bis vor kurzem immer selbst verhandelt. Erst seit der Entlassung in Nürnberg wird er von einer Agentur (Siebert & Backs) betreut.

Website: Ungewöhnlich für einen Fußball-Trainer: Michael Köllner hat seine eigene Website (www.michaelkoellner.com)

X-ter Trainerjob: Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat Köllner wirklich ganz unten angefangen (bei der SG Fuchsmühl) und sich dann langsam über die Kreis- und Verbandsligen (zum Beispiel SpVgg Bayern Hof) nach oben gearbeitet. Die Löwen sind mittlerweile bereits seine 15. Trainerstation.

Youtube: Die Videos seiner Pressekonferenzen dauerten selten unter 30 Minuten, hatten häufig großen Unterhaltungswert und waren deshalb Kult in Nürnberg. Das bewies er prompt bei seiner 57-minütigen Sechzger-Premiere.

Zahnarzthelfer: Ein gelernter sogar. Köllner war der erste männliche Dental-Assistent Bayerns. Seine Abschlussprüfung absolvierte er als einziger Mann unter 300 Frauen.

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