Neue Entwicklungszentrale Google sitzt jetzt an der Häckerbridge

Davor der Arnulfpark, dahinter die Gleistrasse: Im neuen Entwicklungszentrum von Google arbeiten um die 400 Software-Entwickler. Bald sollen es schon doppelt so viele sein. Foto: Petra Schramek

Der Internetriese hat seine drei Münchner Büros zusammengelegt. Das neue Entwicklungszentrum bietet für die Mitarbeiter allerhand Luxus – und Potenzial für Branchenscherze.

 

München - Im Treppenhaus geht es erst einmal vorbei an einem riesigen Bildschirm. Darauf leuchten die Symbole einiger Apps auf: Google Maps, Google Mail, Youtube – und in der Mitte eine digitale Brezn.

Nein, Google ist nicht eingestiegen ins Bäckerhandwerk. Der Internetkonzern, der mit seinen Erfindungen unser aller Leben bestimmt, wird auch keinen Übersetzungsdienst für Bairisch oder sonst etwas Folkloristisches entwickeln. Aber das Unternehmen hat am Arnulfpark gestern sein neues Entwicklungszentrum eröffnet. Da sollte es auch ein bisschen bayerisch, ein bisschen münchnerisch zugehen.

Das Bayerische ist übrigens etwas, das sich durch die gesamte Zentrale der Software-Schmiede zieht. Aber fangen wir am Eingang an: Plakativ hängen dort Zettel mit Informationen zum Wlan aus. Netzwerk-Name: ServusGoogle. Passwort: Hackerbridge. Ein Internetriese, der seinen Besuchern keinen freien Zugang ermöglicht? Das wäre natürlich absurd.

Das mit der „Hackerbridge“ ist nicht nur der Nähe zur Hackerbrücke geschuldet, sondern natürlich ein super Branchengag. Englisch ausgesprochen wird aus „Hacker“ nämlich „Häcker“ – bekanntlich die Bezeichnung für Technikfreaks, die gerne in fremde Computer eindringen. Gut 400 Mitarbeiter beschäftigt Google derzeit an der Häckerbridge, vornehmlich Software-Entwickler. Für etwa doppelt so viele Leute wäre in der neuen Firmen-Zentrale Platz. Und so viele sollen es in den nächsten Jahren auch tatsächlich noch werden, sagt Wieland Holfelder, der Leiter des neuen Entwicklungszentrums.

Zweifel daran, dass es gelingen wird, das Personal derart aufzustocken, hat Holfelder nicht. Denn auch wenn in der IT-Branche das Gerangel um die klügsten Köpfe groß ist: „Als attraktiver Arbeitgeber haben wir keine Probleme, Leute zu bekommen“, so der Münchner Google-Chef.

Das nennt man ein gesundes Selbstbewusstsein. Ein „Mia san mia“ in Google-Sprache. Doch um zu illustrieren, dass das nicht nur leeres Gerede ist, lädt Holfelder zu einem kleinen Rundgang ein. Vorbei an Toiletten, die statt mit WC-Männchen mit Dirndl und Lederhose nach Geschlechtern getrennt sind, geht es in die Kantine.

Die heißt bei Google in München natürlich nicht Kantine, sondern „Café Wiesn“. Langsam gebeizter Lachs und über Nacht geröstetes Kalbfleisch stehen bereit, dazu teures, englisches Geschirr. Die Googler, so nennt das Unternehmen seine Angestellten, können sich hier nach Lust und Laune bedienen. Eine Kasse sucht man umsonst. Die exzellente Verpflegung ist natürlich kostenlos.

Die Tour führt weiter in den zweiten Stock, vorbei an Schildern, auf denen „Phone Boot“ oder „Tech Shop“ steht. Das muss einem nichts sagen. Ohnehin will Holfelder einem etwas ganz anderes zeigen: das firmeneigene Fitnessstudio. Der Weg dorthin führt über eine Dachterrasse. Die Sommerdeko ist bereits verteilt: ein Freiluftsofa, Loungestühle, kleine Tischchen. Hier können sich die Googler zwischendrin sonnen. Noch ist der Himmel zwar grau, aber auch so kann man sich vorstellen: Es gibt ungemütlichere Orte in der Münchner Arbeitswelt als diesen hier.

Auf der anderen Seite der Dachterrasse geht es direkt ins Fitnessstudio. Reguläre Sportvereine sind nicht besser ausgestattet. Hanteln, Geräte, Gymnastikmatten – alles da. Wer das Gefühl hat, sich ein bisschen abreagieren zu müssen, kann das hier tun, einfach so, während der Arbeitszeit.

Und damit man sich keinen Hexenschuss holt, arbeitet Google mit dem gleichen Team aus Sporttherapeuten zusammen, auf das auch Jogi Löw setzt. „Unsere Mitarbeiter sind mindestens so fit wie die Nationalmannschaft“, sagt Holfelder stolz.

Zwei Mal die Woche kommt zudem eine Masseurin vorbei. Die entsprechenden Räume erreicht man über eine metallerne Wendeltreppe vom Fitnessstudio aus. Und weil man nach dem Training oft wieder hungrig ist, gibt es bei Google nicht nur die eine Kantine, es gibt auch lauter kleine Kaffee-Küchen. Dort kann man sich eine Banane nehmen oder sich einen frischen Orangensaft pressen.

Etwa 1700 Bananen essen die Googler in München jeden Monat. 2,5 Tonnen Orangen werden zu Saft verarbeitet. Google weiß das deshalb so genau, weil natürlich auch dieses Angebot kostenlos ist. Der Verbrauch steht exakt gelistet in den Unternehmensbüchern.

Geröstetes Kalbfleisch, Sonnenterrasse, Massagestunden: Arbeiten bei Google scheint wie ein All-Inclusive-Urlaub mit Laptop zu sein. Kein Wunder, dass sich weltweit jedes Jahr etwa zwei Millionen Menschen dort bewerben. Zumal ja auch das Gehalt alles andere als schlecht ist.

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Etwa 90 000 Euro verdient man als Entwickler bei Google im Jahr. Holfelder selbst will diese Zahl zwar nicht verraten, aber kein Problem, man kann sie ja googeln. Im Netz kursieren recht detaillierte Informationen über das Gehaltsgefüge beim Software-Giganten. Unter 80 000 Euro im Jahr arbeitet dort eigentlich niemand.

Seit zehn Jahren ist Google mittlerweile in München. Bislang waren die Mitarbeiter verteilt auf drei Büros. Dort sei es zuletzt aber sehr eng geworden, sagt Holfelder. „Fast wie in einem Wiesn-Zelt.“ In der Erika-Mann-Straße 33, so die genaue Adresse ist nun ordentlich Platz. Zur feierlichen Eröffnung gestern kam Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schaute vorbei.

Der OB hatte dann auch gleich einen guten Tipp parat. Google lässt für seinen neuen Standort von einer kleinen Münchner Brauerei nämlich ein eigenes Bier herstellen, das G-Bräu. Wie die Häckerbridge, so wird auch das Bier englisch ausgesprochen: Gee-Bräu. Und das sei auch besser so, befand Reiter. Im Bayerischen werde aus dem Google-Bier andernfalls nämlich schnell ein „Gebräu“. Und das sei keinesfalls als Kompliment zu verstehen.

 

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