Nazi-Guillotine Grusel-Effekt oder Aufklärung?

Die Guillotine, mit der die Geschwister Scholl ermordet wurden. Sie lagert im Depot des Bayerischen Nationalmuseums. Der großen Öffentlichkeit war dies bislang jedoch nicht bekannt. Inzwischen gibt es nach Museumsangaben Überlegungen, die Guillotine auszustellen. Foto: Walter Haberland

Wie geht man mit historischen Objekten um, zum Beispiel einer Guillotine? Es gibt einige Museen, die problematische Gegenstände ausstellen – oder auch wieder verschwinden lassen

 

In der Dachauer KZ-Gedenkstätte ist ein Prügelbock zu sehen. Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien zeigt nicht nur die blutige Uniform des k. und k. Thronfolgers Franz Ferdinand, sondern auch das Auto, in dem er 1914 durch Sarajewo dem serbischen Attentäter vor den Revolver fuhr. Und vor 30 Jahren war in Schleißheim der angebliche Schädel des Großwesirs Kara Mustafa samt jener seidenen Schnur ausgestellt, mit welcher der erfolglose Belagerer Wiens auf Befehl des Sultans erdrosselt wurde.

Man kann gewiss alles Mögliche in einem Museum ausstellen – auch schaurige Objekte, die mit Gewalt und Tod zu tun haben. Wie die wiederentdeckte Guillotine aus dem Depot des Bayerischen Nationalmuseums, mit der ein Nazi-Henker 1944 wahrscheinlich die Geschwister Scholl hingerichtet hat.

Aber: Muss man wirklich? Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle will einen Runden Tisch zur Klärung einberufen. Wenn man sich unter Museumsleuten umhört, lautet der Tenor: Unter Umständen ja, aber bitte nicht in meinem Museum.

Es ist nicht so, dass es in Deutschland keine ausgestellten Guillotinen gäbe. Ein Fallbeil des NS-Regimes, mit dem auch die DDR-Justiz tötete, bildet seit 2012 das Kernstück der Dauerausstellung „Verurteilt. Inhaftiert. Hingerichtet“ in Dresden. Aber man braucht wenig Fantasie, um sich davor feixende Schulklassen vorzustellen.

Was im Kopf und dem Körper des Hingerichteten nach dem Fall des Messers passiert, beschäftigt seit der Erfindung dieses Instruments das nach Makabrem dürstende Publikum. Und es ist nicht zufällig, dass auf dem Oktoberfest geköpft wird und jenes Fallbeil aus dem Museumsdepot 1980 in einer Ausstellung über das Varieté-Genie Karl Valentin ausgestellt war.

Der Schädel des Großwesirs Kara Mustafa ruht inzwischen auf einem islamischen Friedhof in Wien. Natürlich könnte jeder verantwortungsbewusster Museumsmann einen sinnvollen Kontext für die Guillotine aus dem Nationalmuseum finden. Aber wo auch immer sie ausgestellt wird: Das Fallbeil wird stets auch ein voyeuristisches Interesse nach Grusel befriedigen. Doch die NS-Zeit ist noch längst nicht so vergangen, dass sie wie die Folterkammer des Regensburger Rathauses als Touristenattraktion taugt.

Nicht jedes Schaubedürfnis muss auch mit einem Original befriedigt werden. Auch wir zeigen hier zum wiederholten Mal ein Foto dieser Guillotine. Aber es gibt Objekte, die im Original aus Gründen der Pietät besser verräumt bleiben.

 

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