Nationalmannschaft Löw "völlig entspannt" in Torwartfrage

Joachim Löw will sich von der Torwart-Debatte nicht beeinflussen lassen. Foto: Liam Mcburney/PA Wire/dpa

Bundestrainer Joachim Löw lässt sich von der Torwart-Diskussion nicht beeinflussen. Uli Hoeneß legt am Wochenende nicht weiter nach. Sportlich erleben Neuer und ter Stegen gegensätzliche Spieltage. Ein Neuer-Kollege sieht die DFB-Rückendeckung als gegeben an.

 

München - Die aufgeregte Debatte um das Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft lässt Bundestrainer Joachim Löw kalt.

"Von so was lasse ich mich nicht beeinflussen. Das lässt mich völlig entspannt in die Zukunft blicken", sagte der 59-Jährige in der "Bild am Sonntag". Für die DFB-Auswahl geht es am 9. Oktober mit einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien weiter, am 13. Oktober steht die nächste Partie in der EM-Qualifikation in Estland an.

Löw, der am Wochenende beim 1:1 des Freiburg gegen den FC Augsburg weilte, wird seine persönliche T-Frage ungeachtet der Diskussion um DFB-Kapitän Manuel Neuer vom FC Bayern und dessen Stellvertreter Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona beantworten. Ter Stegen hatte sich über seine Reservistenrolle beklagt. Neuer kritisierte die Äußerungen seines Nationalelf-Kollegen, ter Stegen wiederum fand dies "unpassend".

Nachdem die Diskussion nach dem verbalen Rundumschlag von Uli Hoeneß noch mehr Tempo aufgenommen hatte, äußerte sich der Bayern-Präsident am Wochenende nicht weiter. Sein Bedarf sei erstmal wieder "für eine Zeit lang gedeckt", sagte der 67-Jährige. Wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beklagte er mangelnde Rückendeckung für Neuer bei der deutschen Auswahl, was DFB-Direktor Oliver Bierhoff schon zurückgewiesen hatte.

Neuers Club- und DFB-Kollege Joshua Kimmich sieht die Rückendeckung für den Bayern-Torhüter im Nationalteam ebenfalls als gegeben an. Löw habe in einer schwierigen Phase zum lange verletzten Neuer gehalten und diesen bei der WM 2018 ins Tor gestellt, erinnerte Kimmich im ZDF-Sportstudio.

"Er ist aus DFB-Sicht ganz klar die unangefochtene Nummer eins", sagte der 24-Jährige. "So wie Manu momentan hält, gibt es keine Frage, wer im Tor steht. Er ist zurecht die Nummer 1, obwohl der Marc auch über Jahre hinweg Weltklasseleistungen gebracht hat."

Kimmich störten die Aussagen von Barcelona-Keeper ter Stegen nicht. "Das, was der Marc gesagt hat, war ja jetzt nichts Schlimmes. Er hat ja nicht den Manu angegriffen", sagte der Defensivspieler. "Er hat nur gesagt, dass er enttäuscht ist. Natürlich kann ich das verstehen."

An Neuers Einschätzung hat auch das wortgewaltige Hoeneß-Plädoyer nichts geändert. "Für mich ist es eh durch gewesen", sagte der 33-Jährige am Samstag. "Ich habe ja andere Aufgaben. Ich muss mich um mein Spiel kümmern, um die Trainingsarbeit, um die Vorbereitung auf Belgrad, um die Vorbereitung auf Köln. Das sind meine Aufgaben und nicht das andere."

Ob es ein Gespräch mit DFB-Direktor Bierhoff gegeben hatte, ließ der Bayern-Torhüter offen. "Nichts, was für die Öffentlichkeit ist", sagte er. Sportdirektor Hasan Salihamidzic berichtete derweil von einem "sehr guten" Gespräch mit Bierhoff. "Die Inhalte bleiben unter uns beiden", sagte Salihamidzic in Sky.

Beim 4:0 über den 1. FC Köln konnte sich Neuer nicht mit Großtaten auszeichnen. Ter Stegen war beim überraschenden 0:2 von Barça am Samstag gegen den FC Granada bei den Gegentoren machtlos. Der Ex-Mönchengladbacher war trotz seiner guten bis hervorragenden Leistungen bis zum Samstagabend der Keeper der Primera División, der am häufigsten den Ball aus dem Netz holen musste. Neun Gegentore: So viele kassierte neben Barça bis dahin nur Betis Sevilla. Neuer kassierte in fünf Spielen vier Gegentreffer.

Löw hatte bei der Nationalmannschaft zu Jahresbeginn einen Zweikampf zwischen Neuer und ter Stegen um die Nummer eins ausgerufen, nachdem er zuvor den Münchner Schlussmann für den Sommer 2020 schon zum EM-Torhüter ernannt hatte. 2019 spielte meist Neuer, ter Stegen kam eine Hälfte beim 1:1 im Freundschaftsspiel gegen Serbien zum Einsatz. Nach den jüngsten Äußerungen von ter Stegen versicherte der Bundestrainer, der Torwart des FC Barcelona werde seine Chance bekommen.

  • Bewertung
    0