Nach Vorfall auf der A6 Polizeigewerkschaft fordert: Gaffern das Handy wegnehmen!

Von links: Wolfgang Blindenbacher, Vorsitzender der Fachkommission Verkehrssicherheit, Rainer Nachtigall, Landesvorsitzender der DPolG Bayern und Stefan Pfeiffer, Leiter der Verkehrspolizei in Feucht. Foto: job

Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert härtere Strafen für Gaffer. Ein Vorschlag: Sensationsgierigen an Unglückstellen die Handys wegzunehmen. 

 

München – Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat sich dafür ausgesprochen, rigoroser gegen Gaffer an Unfallstellen vorzugehen. Ein vom Bundesrat im März 2018 eingebrachter Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Gaffern solle vom Bundestag schnell umgesetzt werden, forderte der bayerische Landesvorsitzende Rainer Nachtigall am Mittwoch.

Eine ganz konkrete Forderung, um Schaulustige abzuschrecken, brachte die DPolG ebenfalls ein: "Ein 'Handy weg' durch die Sicherstellung der Smartphones der Gaffer würde einen nachhaltigen Eindruck auf die Täter und potenzielle Nachahmer machen", so Nachtigall. Und weiter: "Diese pietätlose und menschenverachtende Sensationsgier behindert nicht nur die Einsatzkräfte der Polizei, Rettungsdienste, Feuerwehr und THW, sondern bringt eine erhebliche Missachtung der Persönlichkeitsrechte der verstorbenen oder verletzten Unglücksopfer zum Ausdruck."

Schock-Therapie gegen Gaffer auf A6 - Polizist würde es wieder machen

Bei dem Pressegespräch am Mittwoch in München war auch der Leiter der Verkehrspolizei in Feucht, Stefan Pfeiffer, anwesend. Pfeiffer hatte vergangene Woche bundesweit und darüber hinaus Aufsehen erregt, als er nach einem tödlichen Unfall auf der A6 zahlreiche Gaffer einer Art Schock-Therapier unterzog. Der Polizist ließ einige von ihnen aussteigen, und fragte sie, ob sie sich die Leiche nicht aus der Nähe anschauen wollten.

"Das hat mich fast schon bisschen verlegen gemacht, wie ich fast schon zum Helden gemacht worden bin. Wenn wir überhaupt von Helden sprechen, dann sind das die, die tagtäglich ihren Dienst auf der Autobahn verrichten", sagte der Verkehrspolizist. Für einen Polizei-Lehrfilm sei seine Aktion zwar nichts gewesen, aber dennoch bereue er die Entscheidung nicht. "Ja, ich würde es wieder so machen", so Pfeiffer. Kurz nach der Aktion hatte sich auch das Polizeipräsidium Mittelfranken hinter Deutschlands derzeit vielleicht bekanntesten Polizisten gestellt. "Ihm drohen keine disziplinarrechtlichen Konsequenzen. Es war eine sehr emotionale Situation", sagte eine Sprecherin damals auf AZ-Anfrage. 

Neben den härteren Strafen für Gaffer stellte die DPolG am Mittwoch weitere Forderungen, darunter eine europaeinheitliche Regelung zur Bildung einer Rettungsgasse und härtere Strafen bei Missachtung.

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