Nach der Wahl ist vor der Wahl Wie Wahlplakate die ganze Stadt verschandeln

Teils beschädigt, teils überklebt, in jedem Fall unschön fürs Stadtbild: Die Plakate von Landtags- und Bundestagswahlkampf stehen und hängen noch überall herum. Foto: hub

Eigentlich mag die Papp-Ständer mit den Wahlplakaten nach Landtags- und Bundestagswahl keiner mehr sehen. Doch der Wahlkampf in München geht weiter - bis in den Mai 2014. 

 

München - „Ab morgen wird wieder gearbeitet“, versprach die Bundeskanzlerin am Wahlabend. Irgendwie scheint Angela Merkels Aufruf aber keiner so richtig mitbekommen zu haben. Überall in der Stadt stehen noch immer Wahlplakate – quer durchs Parteienspektrum. Besonders schlimm sieht’s in der Altstadt aus.

Die Halbwertszeit von Wahlversprechen entspricht offenbar ungefähr der von Papierleim. Was ein CSU-Wahlplakat am Sendlinger Tor beweist. Schlapp hängt die politische Botschaft in die Gosse. Ein Anblick so jämmerlich wie das Parteien-Gezänk um Steuererhöhungen.

Gut eine Woche liegt die Bundestagswahl zurück, die Landtagswahl eine Woche länger. Doch noch immer verschandeln Unmengen von aufgeweichten Plakattafeln die Innenstadt. Eigentlich haben die Parteien maximal zwei Wochen Zeit, die Dinger zu entfernen. So steht es in einem Beschluss des Kreisverwaltungsausschusses von 2003.

Fast 6000 Plakate hat die CSU aufgestellt, die SPD mindestens 3000. Auch Grüne und FDP waren fleißig. Die Niederlage scheint die Liberalen in eine Art Schockstarre versetzt zu haben. Nur so ist zu erklären, dass man vom Rindermarkt bis zum Stachus heute noch alle paar Meter über das Konterfei des glücklosen FDP-Kandidaten Krönauer stolpert.

Die ersten Münchner haben bereits genervt im KVR angerufen und nachgefragt, wann die Plakate verschwinden. Normalerweise würde das KVR ab kommender Woche die Parteien auffordern, mit dem Abbau zu beginnen. „Bei Verstößen drohen Bußgelder“, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. Einige hundert Euro.

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Wie gesagt – bis 6. Oktober müssten die Wahlplakate eigentlich alle verschwunden sein. Nur heuer nicht.

Die CSU fängt am 7. Oktober sogar an, neue zu plakatieren. Dann geht’s um das Bürgerbegehren für die Olympischen Winterspiele 2022, das für 10.November angesetzt ist.

Von den knapp 6000 CSU-Plakaten wollen die Münchner Schwarzen rund 1500 stehen lassen. „Die restlichen Ständer werden verschwinden“, sagt CSU-Sprecher Frank Gübner. Und die Roten am Oberanger geloben: „Noch diese Woche beginnt der Abbau“, so SPD-Sprecherin Petra Leimer-Kastan.

Wer jetzt allerdings denkt, dass nach dem Bürgerbegehren die letzten Wahlplakate in den Depots verschwunden sein werden, ist auf dem Holzweg: Am 16. März 2014 sind Kommunalwahlen in Bayern. Auch in München werden dann ein neuer OB und ein neuer Stadtrat gewählt. Nicht zu vergessen die Europawahl am 25. Mai 2014.

Praktischerweise dürfen Wahlplakate bereits drei Monate vor der jeweiligen Abstimmung aufgestellt werden. Das heißt, die Parteien können dank der großzügigen Fristen die Ständer dieses Jahr ganz einfach stehen lassen und müssen nur immer neue Plakate darüber kleben.

Daniela Schlegel: „Völlig plakatfrei wird München die nächste acht Monate bestimmt nicht sein.“ Keine schönen Aussichten.

 

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