Nach dem Fußball-Großeinsatz Derby: Rummenigge lädt zum Runden Tisch

Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken sichern das Spielfeld im Grünwalder Stadion. Foto: Daniel von Loeper

Nach dem Fußball-Großeinsatz beim Amateur-Derby der Löwen gegen den FC Bayern: Vereine, Polizei und Stadt suchen nach Wegen, um die Lage beim Münchner Lokalderby zu entschärfen.

 

München - Teile der City lahmgelegt, 1200 Polizisten im Dauereinsatz, 17 Festnahmen – und alles nur wegen eines Viertliga-Spiels zwischen dem FC Bayern und den Münchner Löwen. Nach dem kleinen Lokalderby mehren sich Stimmen, die grundlegende Veränderungen fordern.

Noch während die Teams im Grünwalder Stadion spielten, machte KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle deutlich, dass es so nicht weitergehen könne. Der Aufwand, den Stadt und Polizei für die Sicherheit beim Lokalderby aufbieten müssten, sei gigantisch, kritisierte Münchens oberster Ordnungshüter. „Das Ende der Spirale ist langsam erreicht“, betont der KVR-Chef (AZ berichtete).

Gestern legte Polizeivizepräsident Robert Kopp nach. Er verstehe die Rivalität zwischen den Fans, er verstehe auch die Emotionen, die ein Derby auslöse. „Was ich nicht verstehe und auch nicht akzeptiere“, so Kopp, „ist der Hass, mit dem manche auftreten.“

Am Karsamstag überfielen beispielsweise zwei Fußballfans nachts einen 21-Jährigen in der Grünwalder Straße. „Bist du ein Roter oder ein Blauer?“, wollten sie wissen. Als der 21-Jährige sagte, dass er sich für Fußball nicht interessiere, kassierte er einen Kopfstoß. Die Männer forderten das Opfer auf, seine Jacke zu öffnen, um zu sehen, ob er darunter ein Fan-Shirt trägt. Anschließend flüchteten sie.

"Einige haben es knallhart auf Konfrontation angelegt", sagt Kopp

Einige Löwen-Fans plakatierten in der Stadt, sprühten Parolen. Bayern-Fans zogen nach, beschmierten einen Vereinsbus der Löwen. Andere Fans beschmierten Strom- und Verteilerkästen mit Parolen. Ein Täter wurde in Krailling festgenommen.

Am Tag des Derbys gab es insgesamt 17 Festnahmen. In drei Fällen hatten Fans verbotene Pyrotechnik dabei, zudem zwei Sturmhauben. Ein Löwen-Fan pöbelte eine unbeteiligte Frau nach dem Spiel in der U-Bahnstation Silberhornstraße an. Die Begleiter der Frau verdroschen daraufhin den Fan mit einem Skateboard.

„Einige haben es knallhart auf Konfrontation angelegt“, betont Robert Kopp. Dass es nicht zu größeren Ausschreitungen kam, lag letztendlich am enormen Polizeiaufgebot. Der Aufmarsch von gut 2000 Bayern-Fans vom Tal zum Sendlinger Tor „war eine Machtdemonstration“, sagt Kopp. Die Löwen hatten sich mit rund 1000 Anhängern am „Grünen Spitz“ in der Nähe des Stadions versammelt.

Damit die verfeindeten Lager nicht aufeinandertrafen, trickste die Polizei: Die Bayern in der U 2 fuhren nicht zur Silberhornstraße, sondern wurden auf die Linie U 1 umgeleitet und stiegen am Wettersteinplatz aus. „Jeder Polizeieinsatz hat Grenzen“, betont Kopp, die habe man inzwischen erreicht. Es gebe „erhebliche Probleme in Teilen der Fan-Szene“. Man müsse miteinander reden, es sei höchste Zeit, fordert der Polizeivizepräsident. Die Ultras weigern sich bisher.

 

Rummenigge lädt zum Krisengespräch - noch ohne Termin

Einen ersten Schritt unternahm gestern Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG lud Vertreter des TSV 1860, der Stadt und der Polizei zu einem Gespräch an einem Runden Tisch ein. Ein Termin steht noch nicht fest. Die Runde soll aber möglichst bald zusammentreffen. Randalierer, so heißt es im Präsidium, könnte man mit konsequenten Stadionverboten oder auch mit Club-Ausschluss wegen vereinsschädigendem Verhalten bestrafen.

Innenminister Joachim Herrmann forderte von den Vereinen „konsequenteres Vorgehen gegen gewaltbereite Fans“. Auf Dauer sei es nicht vertretbar, dass für ein Viertliga-Spiel mehr als 1000 Polizisten eingesetzt werden müssten. Vor allem sei es nicht akzeptabel, dass Feuerwerkskörper „zuhauf“ in Stadien gebracht und abgebrannt werden.

 

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