Nach Aus im EM-Halbfinale Deutschland gegen Frankreich: Die jecke Revanche

Der Anfang vom EM-Ende: Frankreichs Griezmann verwandelt den Elfmeter im Halbfinale gegen Deutschland zum 1:0. Am Ende heißt es 2:0, Deutschland ist draußen und trägt Trauer wie Sané und Kimmich (r.). Foto: firo/AK, imago

In Köln kommt es zur Neuauflage des bitteren Halbfinals der EM zwischen Deutschland und Frankreich. "Ich kann nicht versprechen, dass wir es besser machen, aber wir werden alles dafür tun."

 

Köln - Die Jecken sind los. Seit Samstag, dem heiligen 11.11., ist Karneval im Rheinland. Das Planungsbüro der Nationalmannschaft zog es daher vor, nach dem Test am Freitag gegen die englische Auswahl (0:0) noch einen Tag länger in London zu bleiben.

Man reiste erst am Sonntag in die Kölsch-selige Domstadt. Sicher ist sicher. Abgesehen von ihrem heimischen FC, auch ein "Stadtheiliger", der diese Saison einen wohl auf lange Zeit einmaligen Europapokal-Ausflug macht, haben die Kölner offenbar wenig Lust auf Fußball. Für den Test (20.45 Uhr, ARD live) im Rheinenergie-Stadion gegen Vize-Europameister Frankreich gibt es noch mehr als 10 000 Karten. Ihre volle Auslastung (46 195 Zuschauer bei internationalen Spielen) wird die Arena im Stadtteil Müngersdorf bei Ticketpreisen zwischen zehn und 100 Euro nicht erreichen.

Stadion nicht ausverkauft - So reagiert Löw

"Man muss die Zuschauer verstehen. Testspiele an sich haben nicht mehr diesen ganz großen Stellenwert. Es ist ja jetzt nicht das erste Mal, dass das Stadion nicht völlig ausverkauft ist", gab sich Bundestrainer Joachim Löw nachsichtig und erinnerte an die "späte Anstoßzeit unter der Woche", die für Familien nicht ideal sei.

Dabei gäbe es doch einiges zu bestaunen: einen WM-Test gegen einen WM-Favoriten. Weltstars wie Atléticos Antoine Griezmann, Arsenals Alexandre Lacazette und PSG-Juwel Kylian Mbappé bei den Franzosen oder Toni Kroos (Real Madrid) und Sami Khedira (Juventus Turin), die laut Löw beide beginnen, auf deutscher Seite. Sowie andere Legionäre wie Leroy Sané, Mesut Özil, Julian Draxler, Ilkay Gündogan, und und und – Spieler, die man in der Bundesliga nicht live sieht.

Und drittens: Es wartet ein Spiel gegen die Mannschaft, die das DFB-Team, seit 20 Partien in Serie (16 Siege, vier Remis) ungeschlagen, zuletzt bezwungen hat. An jenem 7. Juli 2016, einem superheißen Sommertag in Marseille, scheiterte das Löw-Team im EM-Halbfinale mit 0:2 an Gastgeber Frankreich. Bastian Schweinsteiger hatte die Niederlage durch sein unglückliches Handspiel im Strafraum eingeleitet.

Das Halbfinal-Aus schmerzte den Weltmeister sehr. Aber ist das Spiel in Köln nun eine Revanche? Nein, nicht wirklich. Höchstens eine jecke Revanche. Ein ernster Test in feier-fröhlichem Kölner Karnevals-Ambiente.

"Wir wollen natürlich gewinnen – als wäre es ein Pflichtspiel. Der Vergleich bringt uns ja nur etwas, wenn wir nicht sagen, es wäre uns wurscht", erklärte Kroos am Montag in Köln, "der DFB sucht ja mit Absicht solch hochwertige Gegner für uns aus. Nur dieses Niveau bringt uns weiter."

Die WM-Qualifikation war keine Herausforderung für die DFB-Elf

Eine Qualifikation wie die zurückliegende nicht. Zehn Siege in zehn Partien bei einer Tordifferenz von 43:4 – easy going. Gegen Teams wie Frankreich oder Spanien und Brasilien (jeweils im März) sind es Vergleiche "auf Augenhöhe", so Löw. "Das Ergebnis ist nicht immer das Allerwichtigste für mich, ich möchte auch eine Fehlerkultur zulassen, damit die Spieler daraus lernen können. Das hat uns immer geholfen", referierte der Bundestrainer, "ich will Dinge ausprobieren und während des Spiels Veränderungen vornehmen." Sowie Spieler schonen, viel wechseln.

Und der Revanche-Gedanke gegen Frankreich? "Sie werden wahrscheinlich auch nicht alle Karten auf den Tisch legen", glaubt Löw, der dennoch auf ein "interessantes Spiel" hofft. "Wir wollen das Länderspieljahr mit einem Sieg, zumindest aber mit einem Unentschieden und einem guten Spiel beenden und ungeschlagen bleiben", betont Stürmer Timo Werner (RB Leipzig).

Bei Weltmeister Kroos spürte man, dass Marseille 2016 noch in seinem Kopf spukt. "Beide Nationen haben sich seitdem weiter entwickelt. Wir haben jetzt eine Vielzahl an Spielern dabei, wie etwa Timo Werner, die den Abschluss suchen und in die Tiefe gehen."

Wirklich ernst wird es erst im Juni/Juli 2018 bei der WM in Russland – vielleicht wieder gegen Frankreich. "Ich kann nicht versprechen, dass wir es kommendes Jahr besser machen", sagte Kroos, "aber wir tun alles dafür."

Lesen Sie hier: Toni Kroos: Lieber Köln als München

 

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