München Klinik Schwabing Kinderklinik: Baustopp sorgt für Planungschaos

Die geplante Kinderklinik, die nun erst sehr viel später fertig wird. Foto: Ludes Generalplaner GmbH

Patzer beim Neubau der Schwabinger Klinik. Die Kinderklinik wird wegen "Planungsschwächen" eineinhalb Jahre später fertig – Stadträte fordern Aufklärung.

 

MünchenEigentlich sollte er schon im April 2020 fertig sein. Der fünfstöckige Neubau der städtischen München Klinik Schwabing, in dem in Zukunft vor allem die Kinder- und Notfallmedizin untergebracht sein soll.

Doch eine Panne bringt den Zeitplan nun gehörig durcheinander. Auf Anfrage der AZ bestätigte ein Sprecher der Klinik am Donnerstag, dass der Innenausbau deutlich später fertiggestellt werde als geplant. Und zwar im Herbst 2021 – statt im Frühjahr 2020!

Bauverzögerung durch "Planungsschwächen"

Zum Grund äußerte er sich nur vage. Er nannte lediglich "Planungsschwächen", machte aber zugleich "die Hochkonjunktur in der Baubranche" für die Verspätung verantwortlich. Obwohl die genauen finanziellen Auswirkungen noch nicht bekannt seien, sprenge man den Rahmen von 138 Millionen Euro für den Neubau nicht.

Direkter äußerte sich der für die Klinik zuständige Kämmerer Christoph Frey (SPD). Dass man innerhalb des Kostenrahmens bleibe, sei nicht ausgeschlossen. Aber, so Frey zur AZ: "Natürlich ist jede Bauverzögerung auch mit höheren Kosten verbunden."

Schuld für die Verzögerung sei eine Fehlplanung im Bereich der technischen Ausstattung. Dafür sei nicht die Klinik direkt, sondern das zuständige Planungsbüro verantwortlich. Ob die Klinik Anspruch auf Schadenersatz hat, werde derzeit geprüft.

Ausmaß von Verzögerung und Kosten noch nicht bekannt

Doch Gespräche laufen auch mit den Baufirmen, die zur Zeit nicht weitermachen können. Von denen könnten nicht nur für den Ausfall, sondern auch für die längere Bauzeit, dicke Rechnungen kommen.

"Wie viel teurer es genau wird und für wie lange genau sich der Bau verzögert, wird sich in den nächsten Wochen herauskristallisieren", so Frey.

Münchner Stadtrat: Forderung nach schonungsloser Aufklärung

Helle Aufregung über die Hiobsbotschaft herrschte am Donnerstag im Rathaus. "Ein weiteres Beispiel dafür, dass die München Klinik die Gesundheitsversorgung der Stadt aufs Spiel setzt", ärgerte sich Stadtrat Richard Progl (Bayernpartei). Denn leider, so Progl, passe die Bauverzögerung perfekt ins Bild der pannengeprägten Klinik.

Genau deshalb hätte die Bayernpartei vergangene Woche im Stadtrat gefordert, dass die Klinik wieder in einen städtischen Eigenbetrieb überführt werden muss. Umso wütender sei er darüber, dass der Antrag keine Berücksichtigung fand. Stattdessen wird die Klinik jetzt (was unter anderem steuerliche Vorteile bringt) in eine gemeinnützige GmbH überführt.

Progl kritisiert: "Derzeit wird alles im Aufsichtsrat diskutiert – hinter verschlossenen Türen. Die Gesundheit der Münchner gehört wieder in die Öffentlichkeit, in die Hand der Stadt."

Schonungslose Aufklärung fordert auch Michael Mattar, Chef der Rathaus-FDP. "Was hier passiert ist, muss genauestens untersucht werden – egal, wo und bei wem der Fehler liegt", mahnt er. Das sei ein Patzer, den sich die München Klinik schlichtweg nicht leisten könne. Mattar zur AZ: "So ein Fehler ist mehr als leichtfertig. Er kann existenzbedrohend sein."

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