Motel One im Bahnhofsviertel Weil ein Hotel kommt, müssen Wohnungen weichen

, aktualisiert am 01.08.2018 - 06:02 Uhr
An dieser Stelle soll ein neues, großes Hotel entstehen. Die Bestandsgebäude werden dann abgerissen. Foto: Daniel von Loeper

Noch ein großes Haus im Bahnhofsviertel. Dafür müssen Wohnungen weichen. Die örtlichen Hoteliers sind skeptisch, der Bezirksausschuss zürnt.

 

München - Der Tourismus in München boomt. Das bemerkt, wer öfters in der Innenstadt unterwegs ist, oder die regelmäßigen Rekord-Meldungen von München Tourismus liest. Längst nicht mehr nur zur Wiesn-Zeit, auch zu Ostern, im Sommer oder zum Christkindlmarkt, ob Araber, Russen oder Italiener – die Stadt ist voll mit Touristen.

Vom Tourismus-Kuchen freilich wollen viele ein Stückerl ab haben und so schießen in der Stadt die Hotels aus dem Boden. Ein Beispiel (von vielen) ist die Kette Motel One, die in München sieben Häuser unterhält, dazu eines in Garching. Ein Weiteres eröffnet im Dezember an der Messe in Riem, noch ein Haus ist in Haidhausen an der Rosenheimer/Ecke Orleansstraße im Bau (AZ berichtete). Das jüngste Projekt in der Stadt aber plant das Unternehmen im Bahnhofsviertel in der Schillerstraße 3 und 3a.

Motel One will am Hauptbahnhof bauen

Motel One bestätigt auf AZ-Anfrage, dass an dem Standort ein neues Haus mit 280 Zimmern geplant ist. "Als Münchner Unternehmen möchten wir gerne mit unserer Marke am Hauptbahnhof vertreten sein", so CEO Dieter Müller. "Wir halten den Münchner Hauptbahnhof für einen interessanten Standort mit einer guten Zukunftsperspektive." Dazu, auch das bestätigt er, wird neu gebaut, die Gebäude werden also abgerissen. Ziel sei dann ein Baubeginn 2019 und Eröffnung spätestens 2021.

Bisher sind in den beiden Häusern das City Hotel, ein Beate-Uhse-Shop mit Kino, ein Übersetzungsbüro, das Sports-Café Schiller, aber auch 35 Appartements untergebracht. Genau daran entzündet sich zur Zeit eine Diskussion unter den örtlichen Hoteliers und bei den Lokalpolitikern im Bezirksausschuss (BA). Braucht es hier noch ein weiteres, gleich so großes Hotel? Noch dazu, wenn dafür Wohnraum vernichtet wird?

Hoteldichte im Bahnhofsviertel ist an der "Sättigungsgrenze"

Fritz Wickenhäuser, der seit den 80er Jahren als Hotelier im Bahnhofsviertel tätig ist und sich sehr für das Viertel einsetzt, ist skeptisch: "Wenn die Verstärkung der Hotelkonzentration weitergeht, vor allem durch Hotelketten, leidet die Vielfalt des Viertels, die es ja hier zum Glück noch gibt." Es brauche den Branchenmix aus Gastronomie, Einzelhandel und Handwerk. Freilich seien die Ketten auch eine wirtschaftliche Bedrohung für kleine Betriebe. "Eine Kette kann die mageren Zeiten im Jahr durch andere Standorte ausgleichen", meint Wickenhäuser. Und die gebe es durchaus, "im Januar und Februar schaut es ganz finster aus", sagt er. Voll ausgelastet sei man nur zu Spitzenzeiten wie zur Wiesn oder während der Messe Bauma.

Bei aller Skepsis sieht Wickenhäuser das Interesse von Investoren am Viertel nicht nur negativ. Natürlich bedeute das auch, dass das Viertel eine Zukunft habe, meint er. Dennoch: "Die Hoteldichte im südlichen Bahnhofsviertel ist an der Sättigungsgrenze."

Der Bezirksausschuss ist sauer

Laut BA-Chef Alexander Miklósy hat die "längst alle Maße überschritten". "Wir haben im südlichen Bahnhofsviertel die größte Hoteldichte in ganz Europa, mit weit über drei Millionen Übernachtungen im Jahr", sagt er. Er beklagt eine Monostruktur: "Ganze Straßenzüge bestehen ja nur noch aus Hotels, die Senefelderstraße zum Beispiel", sagt er.

Dazu kommt die Sache mit den Appartements: "Gerade im südlichen Bahnhofsviertel muss jede Wohnung für die angestammte Bevölkerung verteidigt und erhalten bleiben", heißt es in einem Papier des BA. Das Bauvorhaben werde deshalb abgelehnt. Außerdem gibt es kritische Fragen ans Planungs- und Sozialreferat: Warum wurden die Wohnungen in dem Abbruchantrag nicht erwähnt? Wurde überhaupt ein Zweckentfremdungsantrag gestellt? Es herrscht Klärungsbedarf. Zudem werden etwa ein Verkehrskonzept und ein Architektenwettbewerb gefordert.

Motel-One-Chef: "Wir werten das Viertel auf"

Der Motel-One-Chef kennt die Bedenken, bleibt aber entspannt: "Ich weiß von Hoteliers aus der Gegend, die sich freuen, dass wir kommen und das Areal aufwerten", sagt er. Dass die Hoteldichte rund um einen Bahnhof am höchsten ist, sei ganz natürlich. "Das wird sich in Zukunft sogar noch verstärken, weil sich immer mehr Richtung Bahn ausrichtet", so Müllers Prognose.

Er betont: Beim Neubau habe man einen hohen Anspruch an Fassade und Design der Ausstattung. "Den derzeitigen Mietern der Kleinappartements sind im Übrigen Ersatzwohnungen und finanzielle Entschädigungen angeboten worden." (Hier gibt's den AZ-Kommentar zum Thema: München verliert)

 

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