Moshammer-Film in der ARD AZ-Kritik zu "Der große Rudolph": Eines stört gewaltig!

, aktualisiert am 19.09.2018 - 23:44 Uhr
Rudolph Moshammer starb am 14. Januar 2005. Foto: Ursula Düren/dpa

Die ARD zeigt "Der große Rudolph" über Moshammer. AZ-Redakteur Adrian Prechtel ist nicht mit allem einverstanden. Lesen Sie hier seine TV-Kritik.

München - Der berühmte Spruch von Falco "Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht erlebt", lässt zwei Gegenschlüsse zu: Als echtes Kind der 80er darf man nie aufhören, sie zu leben. Oder man ist rechtzeitig gestorben.

Für Rudolph Moshammer galt beides, als der 2005 brutal von einem Strichjungen erdrosselt wurde. Der ARD Film "Der große Rudolph“ (Buch / Regie: Alexander Adolph) hakt im Leben des Münchners, geboren 1940, aufgewachsen in „ärmeren Verhältnissen“, Anfang der 80er ein. Seine Schau-Boutique steht am Scheideweg: Zusammenbruch oder Durchbruch zum In-Laden für Hoch- (Carl XVI. Gustav) und Geldadel (Friedrich Karl Flick) sowie Show-Royals (Gottschalk, Roberto Blanco, Schwarzenegger sowie Siegfried und Roy).

Mosi und das Mädchen - Gegensätze zu offensichtlich konstruiert

Erzählt wird eine Geschichte aus Erpressung (durch Sunnyi Melles und Hanns Zischler als geld- und geltungssüchtige Geldgeber). Und Intrigen von seiner eifersüchtigen Übermutter (Hannelore Elsner). Sowie der Suche nach einer Vertrauensperson. Und hier fängt das Problem an: Lena Urzendowsky spielt die Unschuld vom Lande, die in ihrer katholischen Biederkeit nie lügt, also ehrlich naiv dem todsündigen Maximilianstraßen-Jahrmarkt der falschen Eitelkeiten den Spiegel vorhält.

Mooshammer-Film zeigt die 80er-Jahre, in der München noch Partyhauptstadt war

Mosi (Thomas Schmauser) und das Mädchen sind viel zu offensichtlich als Gegensätze konstruiert, die sich auch noch peinlich anziehen. Und sein Lehrmädchen erfährt, dass er mit aufgekaufter, dann umgenähter und umetikettierter Billigware betrügt: "Bei Mode geht’s nicht ums Material, nicht um die Qualität: Es geht um die Wirkung!" Damit die funktioniert, sagt Mosi vor seiner Eröffnungsparty: "Ich ruf bei der AZ an und sag', dass der Franz-Josef Strauß kommt!". Was zwar nicht stimmt. Aber als gestreutes Gerücht zieht es wiederum andere Promis und Adabeis an, so dass das Opening ein Selbstläufer – mit Käferbuffet – wird: die hochstaplerischen 80er-Jahre als Zeit des schönen Scheins, in der München noch Party- und Lebensbarockhauptstadt war!

Sehr biedere Inszenierung

Das alles ist ganz lustig, aber doch sehr bieder inszeniert – und was den verklemmten Jungaristokraten (Robert Stadlober) angeht sogar bis zur peinlichen Schießbudigkeit getrieben. Wie auch beim Verlegenheitstrinken des Lehrmädchens auf der Edelparty bis zum Kotzen über Roben. Und warum bitte lässt man sich im Jahr 2018 – aus Prüderie? – die Tragik nächtlicher Rolls-Royce-Fahrten um den Hauptbahnhof auf der Suche nach Strichjungen entgehen und setzt stattdessen auf kini-hafte Sublimierung in Wagner-Musik und die erfundene Annäherung an ein hässliches Entlein?

Und die Darstellung der von Mosi umsorgten Obdachlosen als gieriger Mob, der sich wie Tiere um kostenlose Decken prügelt, ist sogar witzloser, diffamierender Zynismus.

 

17 Kommentare

Kommentieren

  1. null