Mordkommission ermittelt Polizist (30) am Hauptbahnhof von hinten niedergestochen

, aktualisiert am 09.12.2019 - 14:01 Uhr
Im Sperrengeschoss am Hauptbahnhof ist es am Montagmorgen zu der Attacke gekommen. Foto: AZ/rah

Am Montagmorgen hat ein 23-Jähriger am Hauptbahnhof Polizisten mit einem Messer attackiert. Der Polizeiobermeister liegt nach einer Not-OP auf der Intensivstation. Ein 23-jähriger gebürtiger Münchner wurde festgenommen.

 

München - Der Täter stach mit solcher Kraft zu, dass die Messerklinge im Nacken des 30 Jahre alten Polizeiobermeisters abbrach. Das Opfer kam auf die Intensivstation einer Münchner Klinik und wurde am Montagmorgen notoperiert. Ein Chirurg entfernte das abgebrochene acht Zentimeter lange Klingenstück, das im Bereich der Wirbelsäule steckte.

Der Polizeiobermeister war mit einem Kollegen, einem Polizeihauptmeister (40), am Montagmorgen auf Streife im Hauptbahnhof. Im Zwischengeschoss auf Höhe des Ausgangs Arnulf- und Luisenstraße fiel ihnen gegen 6.30 Uhr ein Mann auf. Die beiden Beamten der PI 16 wollten seinen Personalausweis sehen.

Der Polizist erleidet trotz Schutzausrüstung schwere Verletzungen

Plötzlich wurden die Streifenbeamten von hinten angegriffen. Ein 23-jähriger, gebürtiger Münchner zog ein Messer aus seiner Kleidung und stürzte sich hinterrücks auf den Polizeiobermeister. "Der Angreifer sagte kein Wort und stach sofort zu", sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins.

Der 30-jährige Beamte trug wie sein Kollege eine spezielle Schutzweste. Ein Modell, das an Hals und Nacken Bereiche freilässt, um die Bewegungsfreiheit nicht zu sehr einzuschränken. Genau dort, im ungeschützten Nacken, traf die Klinge den 30-Jährigen. Die Beamten seien gegen einen derart unerwarteten Angriff "völlig chancenlos", sagte Martins. "Da hilft weder eine bessere Schutzausstattung, noch bessere Waffen oder noch mehr Polizei etwas."

Der Zustand des verletzten Beamten sei stabil, hieß es am Montag im Präsidium. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte: "Der Polizist schwebt wohl nicht in Lebensgefahr. Aber es ist eine schwere Verletzung. Und welche Folgen diese kurz- oder langfristig haben wird, ist im Moment noch nicht abschließend absehbar." Eine Folge könnten Lähmungserscheinungen sein. Die Eltern des 30-Jährigen sind bei ihm im Krankenhaus.

Hauptbahnhof: Passanten überwältigen Angreifer

Sein Streifenpartner konnte mit Hilfe einiger Zeugen den Angreifer überwältigen. "Der 23-Jährige war von der vorausgegangenen Kontrolle nicht betroffen", sagt Marcus da Gloria Martins. "Er kannte weder die beiden Beamten noch den Mann, den sie kontrollieren wollten."

Der mutmaßliche Messerstecher wurde gestern nach seiner Festnahme den ganzen Tag von Beamten der Mordkommission vernommen. Zum Motiv lagen zunächst keine Informationen vor. Hinweise auf einen ideologischen Hintergrund gibt es nicht. Das Kommissariat 11 ermittelt wegen versuchten Mordes. Voraussichtlich am Dienstag wird der 23-Jährige dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

Messerangreifer ist polizeibekannt

Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut Polizei um einen in München geborenen deutschen Staatsangehörigen. Der 23-Jährige ist polizeibekannt. Er gilt als verhaltensauffällig und leidet nach AZ-Informationen an psychischen Problemen. Er soll in Behandlung sein und früher schon die Absicht geäußert haben, sich freiwillig in eine Klinik einweisen zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft München I hat noch nicht entschieden, ob sie Haftbefehl wegen versuchten Mordes stellen wird, oder ob die Unterbringung des 23-Jährigen in der Psychiatrie erforderlich ist. Der Mann, dessen Kontrolle den Angriff auslöste, hat sich am Montagnachmittag als Zeuge bei der Polizei gemeldet. Gegen ihn liegt nichts vor.


Zeugenaufruf: Personen, die den Messerangriff beobachtet haben, sollen sich bei der Polizei unter 089 - 29100 melden.

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