Mord jährt sich zum 30. Mal Walter Sedlmayr: ZDF patzt mit Doku über toten Schauspieler

Walter Sedlmayr im Film "Theodor Hirneis" als ehemaliger Hofkoch von Ludwig II. Foto: Syberberg Filmproduktion

Das ZDF erinnert in seiner Crime-Dokureihe "Aufgeklärt - Spektakuläre Kriminalfälle" an den Mord an Walter Sedlmayr. Vor 30 Jahren, am 14. Juli 1990, wurde der Schauspieler in seiner Münchner Wohnung brutal getötet. Die Doku ist bis zum 29. Juli in der ZDF-Mediathek verfügbar.

 

Walter Sedlmayrs Schicksal bewegt die Menschen noch immer. Der Schauspieler, der 1973 für seine Solorolle als königlicher Hofkoch in Hans-Jürgen Syberbergs Film "Theodor Hierneis oder: Wie man ehem. Hofkoch wird" den Bundesfilmpreis bekam und später als kleinbürgerlicher Bilderbuchbayer in Filmen und Serien glänzte, fiel Mitte Juli 1990 in Schwabing einem grausamen Mord zum Opfer.

Walter Sedlmayr war schwul - versteckte seine Sexualität

Die Spuren und Tatwerkzeuge (Messer und Hammer) in seiner Wohnung sollten auf einen von der Mafia verübten Mord innerhalb des homosexuellen Sadomaso-Milieus verweisen. Erst nach einem Jahr wurden Sedlmayrs Ziehsohn und dessen Halbbruder von der Mordkommission als Täter dingfest gemacht und im Mai 1993 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Wegen guter Führung wurden sie bereits 2007 entlassen. In der ZDF-Reihe "Aufgeklärt - Spektakuläre Kriminalfälle" wird die schwierige Aufklärungsarbeit nun mithilfe der Kriminalexperten Katinka Keckeis und Axel Petermann – sie Psychologin, er Exprofiler – nachvollzogen.

Mord: Neben der Leiche lagen Kondome und Peitsche

Josef Wilfling, der damalige Leiter der Mordkommission, macht die Schwierigkeiten bei der Aufklärung des Falls klar, verweist auf die falschen Spuren, die auf ein Sexualmotiv deuten sollten (mehrere Kondome, eine Lederpeitsche waren in Sedlmayrs Schlafzimmer verstreut). Sedlmayrs Sekretär, der ein offensichtlich gefälschtes Testament per Videoband präsentierte und schwer abzuklopfende Alibis machten alles nicht leichter.

Schließlich kam auch noch ein angeblicher Mann aus Mafiakreisen ins Spiel, den Wilfling in Kroatien als Kriegsteilnehmer verhörte und entlasten konnte. Letztlich wurden aber Habgier und die Angst vor der Enterbung nach Auseinandersetzungen um das gemeinsam geführte Lokal "Beim Sedlmayr" als Mordmotiv seitens der Täter erkannt.

Mörder von Walter Sedlmayr klagen gegen Nennung ihrer Namen

Es bleiben jedoch Rätsel: Die bei der Tat an den Tag gelegte äußerste Grausamkeit, der Anruf eines der Verurteilten bei Sedlmayr kurz vor der Tat, der später entdeckte Fingerabdruck eines Unbekannten, vor allem aber die Verweigerung eines Geständnisses der Tat. Nach abgelehnten Wiederaufnahmeanträgen während des Strafvollzugs gelang es den Verurteilten, aus Gründen des Persönlichkeitsrechts gegenüber der Presse eine neuerliche Namensnennung gesetzlich zu verbieten. Die Namenstilgung früherer Interneteinträge wurde aber vom Bundesgerichtshof abgelehnt.

Kritik zur ZDF-Doku über Walter Sedlmayr

Zu wenig wird im Film der Akzent auf die Qualitäten des legendären Schauspielers Sedlmayr, etwa in der "Polizeiinspektion 1", dem "Millionenbauer", aber auch im ironischen Reisefeuilletonisten "Sedlmayrs Reisen" gelegt. Die eingangs gestellte Frage "Wer war Walter Sedlmayr?" bleibt weitgehend ohne Antwort.

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