Mit Dackel und Baby Die enge Familienbande der Wiesn-Schausteller

Die Familie Goetzke (von links): Der stolze Opa Michael, Mama Vanessa mit ihrem kleinen Zwackerl Grace, Oma Michaela mit Beschützer-Dackel Ludwig und Onkel Stefan. Foto: Petra Schramek

Die AZ erklärt, wer mit wem verwandt ist und welche Familie die härtesten Karussells hat.

München - Wer so eng zusammenarbeit und wohnt wie die Wiesn-Schausteller, muss eine enge Verbindung haben. Wen wundert’s, dass alle Karussells Familienbetriebe sind und die meisten Kinder wie ihre Eltern Schausteller werden. Die Fahrgeschäfte der Familie Kaiser etwa finden sich überall auf der Wiesn: Wo es sich dreht und überschlägt, da steht Kaiser drüber.

Die Eltern haben eines der beliebtesten Fahrgeschäfte am Oktoberfest – den Skater. Gute Freunde und seit Jahrzehnten Kollegen von den Kaisers sind die Goetzkes, deren Skyfall in den weiß-blauen Himmel ragt. Hier geht’s derzeit besonders betriebsam zu, denn jeder Schausteller will die kleine Grace besuchen, die kurz vor der Wiesn geboren wurde. Beim Geisterbahn-Edi und seiner Tochter trifft man sich auf einen Kaffee und lässt sich die Familienbanden der Wiesn erklären.

Kaffee und Kuchen statt Blut und Monster

Edi Eckl hat mit seiner Tochter in Sichtweite zu seinem Sohn und seinem Bruder ein Café eröffnet. Wenn der 68-Jährige in seinem pinken Kaffeetreff steht und er die Geschichte erzählt, wie er vor über 40 Jahren auf die Wiesn gekommen ist, bekommt der Cappuccino trinkende und Petit Fours essende Wiesnbesucher eine Ahnung davon, was für ein Haudegen der Edi ist: Weil er mit seiner Geisterbahn unbedingt auf die Wiesn wollte, schlug er der Stadt vor, seine Geisterbahn zum Ende des Zentral-Landwirtschaftsfestes, das fünf Tage vor der Wiesn endete, im Eingang vom ZLF aufzubauen. In nur einer Nacht.

„Dreißig Freunde und zehn Mitarbeiter haben mit geholfen. Um 8 Uhr in der Früh haben wir TÜV bekommen“ sagt Edi Eckl. Darauf noch einen Espresso - serviert von einem der Barista von Edi’s Kaffeetreff. Warum er umgesattelt hat? „Hast du dein ganzes Leben lang dasselbe gemacht?“ fragt der Edi. Er hat Geisterbahnen entwickelt und betrieben, die Zugspitzbahn hat ihm gehört und das Calypso. „Das Café mach’ ich genauso leidenschaftlich wie die Geister“, sagt Edi Eckl.

Unterstützung bekommt er von seiner Tochter Jeanette Eckl, einer leidenschaftlichen Bäckerin. Die macht die Quarkgolaschen nach einem Rezept ihrer Mutter. Heuer haben die Eckls Glück: Sohn Manfred steht mit seinem Techno Power in Sichtweite und der Bruder vom Edi mit seiner Nostalgie-Geisterbahn auch. Man trifft sich dann auf einen Kaffee – beim Edi.

Die Kaisers sind die Könige der Wiesn

Skater, Wellenflug, High Energy, Breakdancer, Rio Rapidos: Sigi Kaiser ist zwar 66 Jahre alt, aber seinen Spaß am Karussellfahren will er sich nicht nehmen lassen. „Natürlich fahre ich noch mit meinem Skater. Das ist ja keine Kotzmühle, sondern ein tolles Fahrgeschäft.“ Auch im High Energy lässt er sich auf 30 Metern Höhe so richtig durchschütteln. Denn Sigi Kaiser hat das Fahrgeschäft mitentwickelt. „In der Schublade habe ich noch einige Patente für Fahrgeschäfte“, sagt Sigi Kaiser. Er liefert die Ideen, die Hersteller für ihn umsetzen.

Heuer feiert die Familie ihr 200-Jähriges auf der Wiesn. Die erste Reitbahn auf der Wiesn haben die Kaiser betrieben, heute stehen sie für wilden Fahrspaß: Sohn Sascha (34), der im November Vater wird, hat die Wild-Wasserbahn Rio Rapidos gleich neben dem Skater der Eltern. Tochter Jasmin, die 1971 auf der Wiesn geboren wurde, hat den „High Energy“.

Außerdem gehören noch der Wellenflug und der „Breakdancer No.1“ zur Familie Kaiser. Letzter ist mit einer neuer Sound- und Lichtanlage auf der Wiesn. Nur Enkel Willy darf mit seinem Fahrgeschäft, dem „Pretador“, heuer ausnahmsweise nicht auf die verkleinerte Wiesn – und steht diesmal in Bonn.

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„Wir sind ja schon eine große Familie. Aber auch viele andere Schaustellerfamilien kennen wir schon unser ganzes Leben lang. Wir sind wie in einer Großfamilie zusammen großgeworden“, sagt Sigi Kaiser. Mittlerweile ist er schon zweifacher Urgroßvater. Man ahnt, was die Urenkel später mal beruflich machen könnten. Es wird sicher irgendwas mit Drehen und Überschlagen zu tun haben.

Beim Skyfall schläft Wiesnbaby Grace

Dackel Ludwig und Baby Grace dürfen nicht zusammen ins Kassenhäuschen vom Skyfall: Denn der Ludwig würde die ganze Wiesn zammenbellen, wenn sich jemand der fünf Tage alten Grace auch nur nähert. Er beschützt das Baby noch vehementer als die anderen Mitglieder der Familie Goetzke.

„Familie ist für uns das Wichtigste“, sagt Michaela Geotzke (52) und nickt bekräftigend. Ihre Kinder waren zwar neun Jahre auf dem Internat. Doch egal auf welchem Jahrmarkt die Eltern gerade waren: Jedes Wochenende haben sie Stefan (28) und Vanessa (24) zu sich geholt. Ob nach Paris, Straubing oder München. Weil die Familienbande so eng ist, hat Vanessa ihre Arbeit als Grafikdesignerin vor zwei Jahren aufgegeben und sich 2015 mit ihrem „Weißwurst to Go“-Stand selbstständig gemacht. Heuer setzt sie wegen der kleinen Grace auf der Wiesn aus.

Seit 1988 sind Michaela und Michael Goetzke auf dem Oktoberfest: Sie hatten schon eine Achterbahn, einen Megadance und den ersten Freifallturm der Wiesn. Ihr jetziger Skyfall ist mit 80 Metern der höchste transportable Freifallturm der Welt. Für 2,2 Millionen Euro haben die Goetzkes ihn 2013 gekauft. Heuer haben sie 300 000 Euro in Drehgondeln investiert. Während sich die Mutigen in der Gondeln rundherum die Aussicht anschauen, klinkt sich die Gondel plötzlich aus – erst berührungslose Magnetbremsen fangen die Gondel sanft ein.

„Wer sich über den Preis einer Fahrt ärgert, sollte sehen, dass die Investitionen im Millionenbereich liegen und es Geld und Zeit kostet, die hohen Sicherheitsstandards zu gewährleisten“, sagt Michaela, die vor über 30 Jahren aus Liebe zu ihrem Mann Michael (50) Schaustellerin wurde. Sie kommt aus einer Beamtenfamilie. „,Wir führen eine 24-Stunden-Ehe und wenn wir uns streiten, ist das selten privat. Es geht um schlechtes Wetter, schlechte Einnahmen und Personalprobleme“, sagt Michaela Goetzke.

Ihre Schwiegereltern haben mit einem Schießstand angefangen und betreiben den „Frisbee“. Der Schwager hat den „Starfly“, das 55 Meter hohe Kettenkarussell. Dass die ganze Familie mit ihren Fahrgeschäften zusammen ist, gibt’s unterm Jahr nur auf der Wiesn. Das freut’s alle, dass die kleine Grace kurz vor der Wiesn geboren wurde.

 

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