Mit 22 Jahren Die jüngste Kandidatin der SPD

Die SPD-Frau Bela Bach posiert für die Abendzeitung in Planegg vor einer Figur von Karl Valentin. Foto: Daniel von Loeper

Bela Bach ist 22 Jahre alt. Im Herbst will sie in den Bundestag einziehen. Was der jungen Frau wichtig ist. Und wie sie sich dagegen wehrt, auf „das schönste Gesicht der SPD“ reduziert zu werden

 

München Manchen gilt sie als „das schönste Gesicht der SPD“. Das will Bela Bach nicht auf sich sitzen lassen: „Diesen Vorwurf habe ich noch nie gehört“, sagt sie halb entrüstet, halb amüsiert. Die 22-jährige Jura-Studentin ist die jüngste Bundestagskandidatin ihrer Partei, unterstützt auch Christian Ude im Landtagswahlkampf. Sie tritt für den Stimmkreis München-Land und Gauting an. „Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr unbequem sein kann“, meint die zierliche junge Frau aus Planegg. Beim Treffen mit der AZ zeigt sie dann auch durchaus Profil – und spricht Klartext.

Schon mit 17 trat Bela Bach in die SPD ein. Warum? „Es war dieses Gefühl, dass es nicht gerecht zugeht“, betont sie auch noch fünf Jahre später energisch. „Nicht jeder ist in der privilegierten Situation, studieren zu können oder das im Leben zu tun, was er will.“ Bela Bach wollte etwas verändern.

Und das will sie immer noch: Deswegen heißt ihr Ziel Bundestag. „Mein Anliegen ist es, einen neuen Politikstil zu etablieren. Ich möchte die verkrusteten Strukturen der alten Herren aufbrechen“, so die 22-Jährige entschlossen.

Für ihr Engagement wurde sie mit 83 von 87 Stimmen für die SPD-Liste nominiert. Zwar ist Willy Brandt ein Vorbild für Bela Bach. „Aber ich habe meine eigenen Visionen, brauche keine Vorbilder, um mit Leidenschaft und Herz bei der Sache zu sein.“

Ihre Sache sind vor allem die Jugend und die Frauen. „Es ist ein enormes Problem, dass die jungen Wählerinnen wegbrechen.“ Sie wolle Themen setzen, die Frauen ansprechen. Das jetzige Personal auch in ihrer Partei sei dafür wenig geeignet. „Leider wird Manuela Schwesig total unterschätzt.“ Und Andrea Nahles würde eh keiner mögen. „Bei den Jusos haben wir immer gesagt, dass die Vermännlichung für Frauen abschreckend ist: Politikerinnen kopieren zu oft die Männer.“

Die Jura-Studentin (Schwerpunkt europäisches und internationales öffentliches Recht) arbeitet neben der Uni und der Politik noch als Dolmetscherin und Übersetzerin für Russisch, hauptsächlich für Behörden wie zum Beispiel die Polizei. „Ich bin mehrsprachig aufgewachsen.“ Und ganz nebenbei hat sie noch Zeit, sich künstlerisch zu betätigen. Wenn sie nicht malt und ihre Ausstellungen organisiert, geht die 22-Jährige gerne in die Berge, auf Reisen und zum Fitness-Training.

Oder sie kümmert sich um Jugendliche, die sie für die SPD und die Politik begeistern möchte. Dazu hat sie die Treffs „Politik & Pizza“ und die „Dialog-Box“ ins Leben gerufen. „Es gibt zwar x-Broschüren, aber die sagen den jungen Menschen nichts, das Regierungsprogramm meiner Partei ist auch zu kompliziert.“ Wie hat ein junger Mann bei einer Diskussion zu ihr gesagt: „Ihr vertretet die Jugend, aber ihr sprecht ja nicht wie wir.“ Das habe ihr zu denken gegeben, sagt Bela Bach.

Leider würden die Parteien ihren Wahlkampf nicht auf junge Wähler zuschneiden. Dabei könne man nicht früh genug mit der Politisierung anfangen. „Ich bin klar für das Wahlrecht mit 16“, sagt die Bundestagskandidatin. So alt ist ihre Schwester Mariam jetzt. „Noch hatte ich keinen Erfolg, sie zu den Jusos zu bringen.“ Aber sie arbeitet dran.

Ihre Themen „Jugend, Frauen, Gleichstellung und Gleichberechtigung“ wären doch eigentlich etwas für die Bundesfamilienministerin. „Von Kristina Schröder halte ich gar nichts, sie ist frauenfeindlich.“

Und als frauenfeindlich empfindet es Bela Bach auch, wenn sie auf „das schönste Gesicht der SPD“ reduziert würde. „Ich bin kein Mäuschen“, sagt sie entschieden. Das Kompliment eines Genossen gefällt der 22-Jährigen allerdings schon: „Hübsch ist die Bela schon, aber noch schöner ist ihre Intelligenz.“

 

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