Minister sieht Altstadtsilhouette in Gefahr Neuer Hauptbahnhof: Hässliches Hochhaus?

So soll der neue Münchner Hauptbahnhof aussehen. Der Bayerische Landesdenkmalrat sieht allerdings im Bau des hohen Turms (l.) eine massive Störung der Stadtsilhouette. Foto: Im Blickpunkt/AZ

In die Kritik an den Hauptbahnhof-Plänen mischt sich nun auch Kultusminister Spaenle ein – zum Ärger der Rathaus-CSU.

 

München - „Ufo“, „monotones Monstrum“, „banale Großglasstruktur“ – von immer mehr Seiten hagelt es Kritik an den Plänen der Deutschen Bahn zur Neugestaltung des Münchner Hauptbahnhofs, der noch aus den 50er Jahren stammt.

Vor allem der 75 Meter hohe Büro- und Hotelturm mit 20 Stockwerken, der nach den Plänen des Architekturbüros Auer Weber über dem Starnberger Flügelbahnhof entstehen soll (AZ berichtete), mag vielen Münchnern nicht gefallen. Die „Altstadtfreunde“ protestieren, die „Initiative Münchner Architektur und Kultur“ (AKU) sammelt Unterschriften, um den Glasbau zu verhindern.

Jetzt schaltet sich auch Kultusminister Ludwig Spaenle ein. „Die Pläne mit dem monströsen Hochhaus stören die Stadtsilhouette massiv“, moniert er – und gibt damit dem Chef des Landesdenkmalrats Thomas Goppel recht, der die Pläne schon im Herbst abgelehnt hat, weil der Entwurf nicht nur „die Sichtachsen in der Innenstadt“ störe, sondern auch die „Denkmäler in der Umgebung des Bahnhofs in ihrer Aussage degradieren würde“.

Bei der Stadt, die den Auer- Weber-Entwurf unterstützt, trifft die Einlassung Spaenles auf wenig Begeisterung. „Das ist doch ein sehr schöner Entwurf“, ärgert sich CSU-Stadtrat und Planungs-Sprecher Walter Zöller. „Wenn’s nach den Denkmalpflegern ginge, könnten wir in der Stadt überhaupt nichts mehr Neues bauen. Herr Spaenle hätte mal bei uns anrufen und unsere Haltung zum Thema abfragen können, ehe er sich öffentlich äußert.“

Die Planungen für den neuen Bahnhof ziehen sich nun seit fast zwei Jahrzehnten hin. Bauherren sind die Deutsche Bahn fürs Gebäude, die Stadt für die Vorplätze und Bahn und Freistaat für den neuen unterirdischen Bahnhof, den es für die zweite Stammstrecke braucht.

Wenn alles so läuft, wie die DB sich das vorstellt, sollen ab etwa 2020 der alte Bahnhof samt Seitenflügeln und der Starnberger Flügelbahnhof abgerissen werden – stattdessen entstehen ein siebenstöckiges Empfangsgebäude und besagtes Hochhaus. Zöller jedenfalls geht nicht davon aus, dass die Deutsche Bahn ihre Pläne noch einmal wesentlich ändern wird.

Und die Stadt? „Wird alle Stellungnahmen sichten“, so der Planungsexperte, „und den Bau am Ende wohl genau so genehmigen“.

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