Merkel trägt Hosenanzug Queen Elizabeth erobert Berlin in Schneeweiß

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt die Queen im Kanzleramt. Die Bilder von Mittwochvormittag zum Durchklicken. Foto: dpa

Am Mittwochmittag hat Angela Merkel die Queen im Kanzleramt empfangen. Entgegen der Hofetikette entschied sich die Bundeskanzlerin für einen Hosenanzug. Elizabeth II. hat es geschafft, die Herzen der Deutschen schon am ersten Tag zu erobern.

 

Berlin - Deutschland ist in heller Aufregung - die Queen ist zu Besuch!

Mit ihrer staatstragenden Garderobe zieht die Königin beim Empfang im Schloss Bellevue alle Blicke auf sich. Wie bei ihrem Thronjubiläum 2012 trägt sie einen weißen Hut und Mantel von Hofschneiderin Angela Kelly.

Vor 50 Jahren war Elizabeth II. zum ersten Mal in Deutschland. Jetzt ist sie 89, ihr Mann Prinz Philip 94 Jahre alt.

Wetter ist typisch britisch

Das Wetter hält sich bei Staatsbesuch Nummer fünf an die Etikette. Vor dem Empfang hört der Regen auf. Der rote Teppich wird nochmal gefegt. Vor dem Schloss warten Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, sie mit rotem Mantel und weißem Hut. Formvollendet macht die First Lady einen Knicks vor der Queen.

Gauck schenkt Queen Lübecker Marzipan

Dann geht es zum Eintrag im Gästebuch und dem Ehrenspalier. Die Nationalhymnen erklingen, was die Königin mit der schwarzen Handtasche am linken Arm verfolgt. Als "God Save The Queen" ertönt, kommen im Schlossgarten Windböen auf. Der königliche Hut sitzt fest.

Mit ihren fast 90 Jahren wirkt sie rüstig, ihre Schritte macht sie leicht gebeugt und bedacht. Freundlich lächelt sie Berliner Schülern zu, die brav mit Fähnchen winken, statt das Handy zu zücken. Selfies mit der Königin sind ohnehin tabu.

Bei der Übergabe der Gastgeschenke, darunter Lübecker Marzipan, plaudert Gauck mit dem Besuch und ruft seine "Dani". Auch die Dolmetscherin trägt Hut. Der Bundespräsident weiß, dass die Queen ausgewiesene Pferdeliebhaberin ist und immer noch gerne reitet. Er schenkt ihr das Gemälde "Pferd in Royalblau" von der Hamburger Künstlerin Nicole Leidenfrost. Das Bild zeigt Elizabeth im Alter von etwa neun Jahren auf einem Pferd.

Ob sie sich darauf erkannt hat, ist nicht überliefert. Gauck bekommt preußische Lektüre: ein Buch mit "Briefen eines Verstorbenen" von Hermann Fürst von Pückler-Muskau aus dem 19. Jahrhundert. "Es wurde in der Bibliothek von Schloss Windsor neu eingebunden", sagt die Queen dazu, wie in der Fernsehübertragung zu hören ist.

Diese zehn Dinge wussten Sie noch nicht über die Queen

Mit dem Boot zu Kanzlerin Merkel

Dann gibt es eine besondere Geste des Bundespräsidenten: eine Bootstour durch das Regierungsviertel. Bisher ist Gauck in seiner Amtszeit noch nie mit einem Staatsgast vom Schloss aus über die Spree gefahren. Das Ufer ist von Schaulustigen gesäumt, viele Schüler sind darunter. Das schlichte, offene Holzboot "Ajax" ist Jahrgang 1926, wie der Besuch aus London. Besonders Gauck winkt viel. Jubel ist zu hören.

Die Berliner Polizei schickt über Twitter Bilder, wie das Spezialeinsatzkommando die Fahrt mit dem Schlauchboot sichert.

Die Bilder sehen Sie hier:

Merkel knickst nicht

Nach der Ankunft am Ufer geht es für die Königin weiter Richtung Kanzleramt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wartet am roten Teppich. Sie knickst nicht, sondern reicht die Hand. Entgegen der Hofetikette der Queen trägt Merkel kein Kleid, sondern wie gewohnt einen Hosenanzug: Roter Blazer, schwarze Hose.

Die Stimmung wirkt ausgelassen, äußerst fröhlich und höflich. Merkel stellt der Queen und ihrem Mann Prinz Philip den Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmeier, vor.

Deutschen wollen keine Monarchie

In der Nähe des Ufers und in der Stadt gibt es Anzeichen von leichtem Queen-Fieber. Carola Ewald aus Lohfelden bei Kassel ist extra angereist. "Ich bin ein riesiger Fan von England und dem britischen Königshaus", sagt die 55-Jährige. Sie hat eine Maske mit dem Gesicht der Königin mitgebracht.

Angela Kuhn lebt seit rund elf Jahren in England. Sie kann die Begeisterung für die Queen in Berlin gut verstehen. "Das ist in England genauso, wenn nicht noch stärker." Rentner Joachim Grimm hat alle fünf Staatsbesuche seit 1965 verfolgt. "Was sie mit 89 und Philip mit seinen 94 Jahren auch für ihr Land leisten, finde ich sehr beachtenswert", sagt der 68-Jährige.

Auch wenn sie sich über die Queen freuen mögen, Monarchisten sind die Deutschen nicht. 88 Prozent sprechen sich in einer Forsa-Befragung im Auftrag des Magazins "Stern" gegen ein gekröntes Staatsoberhaupt nach britischem Vorbild aus, nicht mal jeder Zehnte (neun Prozent) wäre dafür. Dafür können die Windsors Sympathiepunkte in Deutschland sammeln. Und wer weiß: Vielleicht kommen ja auch Kate und William mal vorbei.

 

1 Kommentar